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Medizin

Regensburger baut Klinik in Ghana auf

Der Gesichtschirug Dr. Holger Gassner hilft Menschen mit Mimik-Problemen. Nun kooperiert er mit einem afrikanischen Kollegen.
Von Tino Lex, MZ

Ein Blick in den OP Saal: Im Vordergrund Prof. Kofi Boahene, der das Gesicht vorbereitet. Im Hintergrund Prof. Holger Gassner, der die Entnahme des Gewebes an der Innenseite der Oberschenkel vornimmt.
Ein Blick in den OP Saal: Im Vordergrund Prof. Kofi Boahene, der das Gesicht vorbereitet. Im Hintergrund Prof. Holger Gassner, der die Entnahme des Gewebes an der Innenseite der Oberschenkel vornimmt. Foto: Dr. Gassner

Regensburg.Professor Dr. Holger Gassner und Professor Dr. Kofi D. Boahene haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Menschen helfen. Nun könnte man sagen, dass dies jeder Arzt möchte. Doch die beiden Professoren, die sich in den USA kennen gelernt hatten, verfolgen ein besonderes Ziel: Mit ihrer speziellen Ausbildung im gesichtschirurgischen Bereich sind sie oft die letzte Hoffnung für Menschen, die aufgrund fehlender Gesichtsmuskeln und Gesichtsnerven teilweise oder komplett keine Mimik aufbauen können. Jetzt planen die beiden hochspezialisierten Mediziner im Leeren Beutel eine Gala, bei der Geld für den gemeinnützigen Verein: Foundation for Special Surgery Europe (FFSSE) gesammelt werden soll.

„Dies wird das letzte große Projekt in meinem Leben sein.“

Professor Dr. Holger Gassner

„Dies wird das letzte große Projekt in meinem Leben sein. Ich werde es zusammen mit meinem guten Freund Professor Boahene durchführen“, sagt der Regensburger Mediziner Professor Dr. Holger Gassner. Gassner kommt eigentlich aus dem HNO-Bereich und spezialisierte sich auf Gesichtschirurgie.

Das Projekt, von dem der Regensburger Mediziner spricht, ist ein hochspezialisiertes Ausbildungs-Krankenhaus in Südwest-Afrika. „Die medizinische Versorgung bedürftiger Menschen in Afrika und anderer dort unterversorgter Regionen zu verbessern ist das Kernprojekt“, so Gassner. Dieses chirurgische Ausbildungszentrum wird in Accra (Ghana) errichtet werden. Es wird auf die Ausbildung ansässiger Chirurgen und die operative Versorgung gesichtsversehrter Kinder und erwachsener Patienten fokussiert sein. Insgesamt werden für die Errichtung dieses Krankenhauses rund 10 Millionen Euro benötigt.

Netzwerk von 50 Chirurgen

„Wir haben ein Netzwerk von rund 50 Chirurgen aufgebaut. Jeder fährt einmal im Jahr für eine Woche in dieses Krankenhaus und bildet dann dort die jungen Mediziner aus, damit diese die komplizierten Eingriffe durchführen können“, erklärt Professor Gassner das Prinzip. Gassner selbst praktizierte lange Zeit in den USA und war zuletzt am Regensburger Universitätsklinikum tätig. Gerade eröffnet der Mediziner in der Fröhlichen-Türken-Straße in Regensburg eine eigene Praxis mit Operations-Sälen.

Katja Paulus mit ihren beiden Ärzten, Professor Dr. Holger Gassner (li.) und Professor Dr. Kofi Boahene. Sie kann wieder lächeln. Foto: Lex
Katja Paulus mit ihren beiden Ärzten, Professor Dr. Holger Gassner (li.) und Professor Dr. Kofi Boahene. Sie kann wieder lächeln. Foto: Lex

Anhand des Beispiels von Katja Paulus aus Parsberg schilderten die beiden Mediziner, wie schwierig es ist, so eine Operation durchzuführen. Katja Paulus wurde mit dem Makel geboren, dass die linke Gesichtshälfte weder Nerven noch Muskeln aufwies, die zum Aufbau einer funktionierenden Mimik nötig wären. Am 5. April 2016, einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag, begann ein neues Leben für Katja Paulus. In einer zehnstündigen Operation schafften es die beiden Spezialisten, aus dem Oberschenkel sowohl Innengewebe, Nerven als auch Muskeln zu entnehmen, und diese in die linke Gesichtshälfte der Patientin zu implantieren. Zehn Monate nach dem Eingriff kann Katja Paulus schon wieder richtig lächeln. Beide Gesichtshälften reagieren auf den Befehl des Gehirns, wenn auch dazu sehr viel Training gehört. Doch bereits heute kann sie die Stirn runzeln oder die Augenbrauen nach oben ziehen. Daran war vorher gar nicht zu denken. Dementsprechend glücklich ist die angehende Abiturientin, die Wirtschaft studieren möchte: „Sie sind die Helden meines Lebens!“

Unterstützung von Unternehmern

Professor Gassner wiegelt ab und schiebt die Lorbeeren in Richtung Professor Dr. Boahene: „Er ist der Beste auf seinem Gebiet. Jährlich führt er zwischen 80 und 100 Operationen auf diesem Sektor durch und die Ausfallraten liegen unter einem Prozent – das ist Weltspitze.“

Vom gemeinsamen Projekt der beiden Ärzte überzeugt sind auch Regensburger Unternehmer, wie zum Beispiel Christian Seidel. Er unterstützt den Bau dieses Ausbildungskrankenhauses in Ghana mit seinem Know-how ebenso wie Dieter Federlein. Am 4. Mai kann jeder, der möchte, mit seinem Besuch der Gala im Leeren Beutel zum Gelingen des Vorhabens beitragen. Neben der Sängerin und Musikerin Patricia Seidel wird es eine Tanzeinlage der Bayerischen Meister im Lateinamerikanischen Tanz, Angela Bode und Eduard Kremenchuttskij, zu sehen geben. Dazu kredenzt die Gastronomie des Leeren Beutel ein Drei-Gänge-Menü.

Kofi Boahene und die Gala

  • Über Umwege zum Medizinstudium

    Prof. Dr. Kofi Boahene wurde Mediziner, weil er in seiner Jugend einem Freund nicht helfen konnte. Der Junge verblutete vor seinen Augen. Boahene bekam ein Stipendium an einer russischen Universität. Leider waren damals die humanmedizinischen Plätze alle belegt. Der angehende afrikanische Arzt musste zuerst Tiermedizin studieren. Über Umwege kam er in die USA, wo er Medizin studierte.

  • Berühmte Klinik

    Der Afrikaner kam an die renommierte Mayo-Clinic in Minnesota. Dort ließen und lassen sich Präsidenten (Kennedy, Bush, Reagan, Ford) sowie Prominente aus Showgeschäft und Sport (Oliver Kahn, Bono, Hemingway) behandeln.

  • Gala

    Zusammen mit Boahene operierte der Regensburger Arzt Prof. Dr. Holger Gassner in vielen Ländern der Welt. So wurden 70 Fälle in Indien behandelt. Karten für die Gala am 4. Mai im Leeren Beutel unter: www. FFSSE.eu (xtl)

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