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Immobilie

Brandlberg: Baufirma in der Krise

Jetzt stehen die Gründe für die Schieflage der SiWo-Bau fest. Die Häuslebauer im neuen Familienviertel sind beunruhigt.
von Gustav Wabra

Das Baugebiet am Brandlberg sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Jetzt ist ein Bauunternehmen in finanzieller Schieflage. Foto: Haala/Christoph Ruhland
Das Baugebiet am Brandlberg sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Jetzt ist ein Bauunternehmen in finanzieller Schieflage. Foto: Haala/Christoph Ruhland

Regensburg.Paukenschlag am Brandlberg: Ein Regensburger Bauunternehmen ist in finanzielle Schieflage geraten. Im künftigen Familienviertel machen sich die Bauherren Sorgen um ihre Häuser. Viele stehen noch im Rohbau, grundlegende Arbeiten liegen jetzt erst mal auf Eis – in der wichtigsten Bauzeit des Jahres. Betroffen sind etwa 85 Wohneinheiten. In 50 davon müssen nur noch marginale Arbeiten gemacht werden, 35 sind noch nicht bezugsfertig – hier steht noch viel Arbeit an. Ein Insolvenzantrag ist noch nicht gestellt. Noch gibt es Hoffnung, dass sich die Wogen bei der Firma glätten. Doch der Projektentwickler spannt schon mal vorsorglich einen Rettungsschirm für den Fall, dass das Bauunternehmen wirklich pleite geht. Verzögerungen im Baugebiet sind trotzdem nicht zu vermeiden. Bei der Firma handelt sich um die SiWo-Bau, die eng mit dem Immobilienzentrum Regensburg (IZ) zusammenarbeitet.

550 Wohneinheiten entstehen derzeit am Brandlberg.  Foto:Haala
550 Wohneinheiten entstehen derzeit am Brandlberg. Foto:Haala

Die Firma SiWo-Bau ist unter anderem am Brandlberg für den Bau verschiedener Wohneinheiten auch für private Bauherren zuständig. Das IZ ist wiederum der führende Projektentwickler beim Baugebiet im Regensburger Norden.

SiWo-Bau in der Krise: Die Gründe

Wie aus einem Schreiben der SiWo-Bau an die Bauherren hervorgeht, gibt es für die drohende Insolvenz zwei Gründe. Das Schreiben liegt der Mittelbayerische vor. Zum einen ist ein Subunternehmen der SiWo-Bau, die Dilber Wohnbau GmbH in München, in Schwierigkeiten geraten. Dadurch musste das Regensburger Bauunternehmen einspringen. „Infolge dieser Probleme ergibt sich bis heute eine Unterdeckung der Baustelle von Millionen Euro“, heißt es in dem Schreiben von Gesellschafter Ulrich Berger.

„Neben der vorgenannten Thematik in der Domagkstraße stehen Stand heute deutlich über zwei Millionen in Rechnung gestellte Kundengelder aus.“

Auszug aus dem Schreiben der SiWo-Bau

Eine genaue Zahl wird nicht genannt. „Neben der vorgenannten Thematik in der Domagkstraße stehen Stand heute deutlich über zwei Millionen in Rechnung gestellte Kundengelder aus“, heißt es weiter in dem Schreiben. Gegen einige Kunden wurde schon Klage eingereicht. „Aufgrund der beiden oben angeführten Probleme sehen wir uns – ohne Mithilfe von Dritten - nicht mehr in der Lage den Geschäftsbetrieb gesichert aufrechterhalten zu können. Von Seiten des Gesellschafters wurden der Gesellschaft bis heute bereits circa 10 Millionen Euro Eigenmittel zugeführt.“

IZ verspricht Sicherheit

Inklusive der ganzen Subunternehmer bis hin zum Parkettverleger arbeiten rund 40 bis 50 Firmen parallel am Brandlberg. SiWo ist eine dieser Firmen, somit ist nur ein Teil des Neubaugebiets betroffen. Die strauchelnde Baufirma ist dafür zuständig, Häuser „schlüsselfertig“ zu bauen.

Schon länger rumort es am Brandlberg, Gerüchte über die Probleme bei dem Bauunternehmen SiWo-Bau machten die Runde. Die finanzielle Schieflage der Firma wurde am Mittwoch dem IZ-Vorstand Dr. Thomas Rosenkranz schriftlich mitgeteilt.

„Wir werden die Kunden nicht im Regen stehenlassen.“

Dr. Thomas Rosenkranz, Vorstand des Immobilienzentrums

Momentan hofft er noch, dass sich das Bauunternehmen (SiWo-Bau) sanieren kann, sagt er im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Aber für den Fall der Fälle, sagt Rosenkranz, werden „wir die Kunden am Brandlberg unabhängig von konkreten Vertragsbeziehungen nicht im Regen stehenlassen“.

Aktuell gebe es detaillierte Planungen, wie man mit der Situation umgehen werde.

Wie diese Rettungsmaßnahme aussehen werden, dazu gab Rosenkranz keine Auskunft, weil man dies zunächst mit den betroffenen Bauherren vereinbaren müsse. Momentan unterstütze man die ins Straucheln geratene Baufirma bei der „Restrukturierung der Bauvorhaben und der Sanierung der wirtschaftlichen Situation.“ Falls das aber nichts bringe, wird es einen harten Schnitt der beiden Unternehmen geben, sagt Rosenkranz. Die SiWo-Bau ist momentan ohne Geschäftsführer, eine Anfrage der Mittelbayerischen blieb bisher unbeantwortet.

Sehen Sie hier das Baugebiet aus der Luft:

Das Neubaugebiet am Brandlberg

Harald Schmiedel ist der ehemalige Geschäftsführer, er hat das Amt seit Längerem niedergelegt, wie er der Mittelbayerischen am Telefon bestätigt. Die SiWo-Bau steht in keinem gesellschaftsrechtlichen Verhältnis zur IZ-Gruppe, dennoch bestehen Verbindungen. Der IZ-Vorstand Ulrich Berger ist gleichzeitig auch Gesellschafter der jetzt bedrohten SiWo-Bau.

Brandlberg bleibt Streitthema

Für das Immobilienzentrum sind die finanziellen Probleme der Siwo-Bau eine „wahnsinnige Belastung“, sagt IZ-Vorstand Rosenkranz.

Neuer Wohnraum im Nordosten Regensburgs

  • Größe:

    550 Wohneinheiten entstehen derzeit im Neubaugebiet Brandlberg. Sie verteilen sich nach Angaben der Stadt auf 235 Einfamilienhäuser sowie 315 Wohnungen.

  • Zuzug:

    1400 Einwohner werden in dem Neubaugebiet nach der Fertigstellung im Jahr 2020 leben. Bisher sind beim Einwohnermeldeamt 400 Alt-Brandlberger registriert. Deren Siedlung entstand in den 1930er-Jahren. Die 20 Bauplätze am Steilhang kosteten 32 Pfennig pro Quadratmeter.

Falls die Insolvenz eintritt, muss erstmal eine Bestandsaufnahme der Häuser gemacht werden. Wie schnell man dann mit den Arbeiten an den unfertigen Häusern weitermachen kann, ist ungewiss. Kathrin Steidl von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz gibt eine ungefähre Einschätzung: „Aktuell müssen Kunden bei den Betrieben des Ausbaugewerbes 13,3 Wochen warten“.

Stadtentwicklung

Bald geht’s rund am Brandlberg

Die Stadt Regensburg lenkt ein und plant jetzt doch einen Kreisverkehr am Eingang zum Neubaugebiet. Die Proteste verstummen.

Das Baugebiet in Brandlberg sorgt seit dem ersten Bebauungsplan für Streit unter den Anwohnern. Ursprünglich waren 200 Wohneinheiten vorgesehen. Nach mehreren Änderungen des Konzepts waren es dann an der Pilsen-Allee 550 Einheiten – Wohnraum für 1400 Menschen entsteht. Die größten Einwände gab es vor allem bei der geplanten Verkehrserschließung.

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