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Conti baut in Regensburg eine neue Welt

Der Autozulieferer erweitert seinen Standort und plant für die Zukunft. Die Mitarbeiter werden in den Prozess eingebunden.
Von Christine Hochreiter, MZ

  • In Regensburg beschäftigt der Autozulieferer Continental rund 8000 Mitarbeiter – Tendenz steigend. Foto: Continental
  • Innovative Architektur für die Arbeitswelten der Zukunft. Foto: Continental

Regensburg.„Wir haben hier etwas Größeres vor“, sagt Thomas Ebenhöch. Er leitet den Regensburger Standort des Automobilzulieferers Continental. Rund 8000 Mitarbeiter sind in der Hauptstadt der Oberpfalz beschäftigt – Tendenz weiter steigend. Die Beschäftigten arbeiten nicht nur auf dem Firmengelände an der Osttangente, sondern auch in angemieteten Räumlichkeiten im benachbarten BusinessPark und im – drei Kilometer entfernten – „EnergiePark“ in der Blumenstraße.

Beide Objekte lastet Conti bald jeweils zu 90 Prozent aus. Damit wird es für das expandierende Unternehmen allerdings eng. Ebenhöch: „Es macht keinen Sinn mehr, weitere Flächen anzumieten. Die sind im Umfeld im Übrigen auch gar nicht mehr verfügbar. Wir können es uns nicht leisten, auf Synergien zu verzichten.“ Die bislang verstreuten Kompetenzen sollen also in Zukunft wieder stärker an einem Ort gebündelt werden.

Die Konsequenz: Continental baut an. Der bislang dreiteilige Gebäudekomplex direkt an der Osttangente wird um zwei Flügel erweitert. Es entstehen zusätzlich 18 500 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Besprechungsräume, Labore und eine Kantine. In dem Neubau werden bis zu 1200 Beschäftigte tätig sein. Dafür investiert das Unternehmen mit Sitz in Hannover eine beträchtliche Summe – mehr als „im zweistelligen Millionenbereich“ war dem Manager nicht zu entlocken.

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Bei der Erweiterung geht es allerdings nicht nur um einen Neubau. Laut Ebenhöch ist dieser lediglich die Hülle für einen Blick in die Arbeitswelt der Zukunft. Von der Optik her bleibt alles gleich, nur deutlich größer. Innen drin entsteht eine „völlig neue Office-Welt“. Das Wichtigste: Den Mitarbeitern soll nicht einfach nur ein neues Konzept aufoktroyiert werden. Sie können mitentscheiden, wie ihr Arbeitsumfeld aussehen soll. Dafür gibt es bereits viele Puzzle-Teile.

Viele kreative Möglichkeiten

Standortleiter Thomas Ebenhöch plant die Arbeitswelt der Zukunft. Foto: Continental
Standortleiter Thomas Ebenhöch plant die Arbeitswelt der Zukunft. Foto: Continental

Dazu gehören auch Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt „Freiraum“. Dabei ging es darum, räumliche Flexibilität zu testen. Die Zeit für den Weg zur Arbeit sparen, die Mittagspause mit der Familie verbringen, keine Probleme mehr mit dem Organisieren von Handwerkerterminen – das sind nur einige Vorteile, wenn man die Büroarbeit im Homeoffice erledigen kann. Die Teilnehmer am Pilotprojekt konnten an bis zu drei Tagen pro Woche daheim arbeiten. Ebenhöch: „Im Rahmen unseres Neubaus wollen wir die Arbeitswelt mit den Möglichkeiten der neuen Medien verbinden.“

Neubau bei Continental

Dabei gehe es um mehr als die klassische Heimarbeit. Wenn die Mitarbeiter wollen, können sie auch am Flughafen, im Freibad oder auf der Terrasse der Schwiegereltern arbeiten. Arbeit sei längst nicht mehr an einen stationären Arbeitsplatz gebunden, so der Standortleiter. Allerdings müssten die Beschäftigten auch die Möglichkeit bekommen, im Unternehmen zu arbeiten. Hierfür schaffe man in dem neuen Gebäude kreative Möglichkeiten. Einen eigenen Schreibtisch werde es dann wohl nicht mehr geben. Die Kantine wolle man möglicherweise auch für die Begegnung mit Externen öffnen. Denkbar sei, dass sie an einem attraktiven Platz ganz oben mit einer Dachterrasse entsteht.

Pilotprojekt für den Konzern

Viele Fragen sind noch offen wie etwa: „Braucht man überhaupt noch Einzelbüros?“ Vieles ist möglich, vieles ist denkbar. Im Prozess wird es Antworten darauf geben. Mit dem Bau soll im kommenden Jahr begonnen werden, die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2019 geplant.

Das Feedback auf die Ankündigung des Neubaus im unternehmenseigenen sozialen Netzwerk sei riesig, berichtet der Conti-Manager. Es hätten sich prompt viele Mitarbeiter gemeldet, die mit ihren Ideen mitwirken wollen. Der Continental-Standort in Regensburg geht beim Thema Arbeitswelt im Konzern voran. Er ist der weltweit größte der rund 300Standorte der Continental Automotive Group. Die Veränderung soll sich in der Siemensstraße allerdings nicht auf den Neubau beschränken, sondern auch in anderen Gebäuden stattfinden, für die später entsprechende Umbaumaßnahmen geplant sind.

Nur zufriedene Mitarbeiter sind entsprechend motiviert und leistungsfähig.

Der Standortleiter von Continental in Regensburg, Thomas Ebenhöch

„Wir hätten einfach nur anbauen können“, sagt Ebenhöch. „Doch wir wollten die Chance nutzen, unsere Arbeitswelten zukunftsfest zu gestalten.“ Bei Continental sei man überzeugt, dass nur zufriedene Mitarbeiter entsprechend motiviert und leistungsfähig sind. Außerdem müssten sich die Unternehmen mit Blick auf gute Mitarbeiter als attraktive Arbeitgeber positionieren. Nur wer moderne Arbeitskonzepte anbiete, sei für junge Leute interessant und könne auch die älteren erfahrenen Mitarbeiter halten.

Freiheiten und Freiräume

Continental will die Kräfte künftig wieder an einem Ort bündeln. Foto: Continental
Continental will die Kräfte künftig wieder an einem Ort bündeln. Foto: Continental

Freiheiten und Freiräume seien hier wichtige Begriffe. Früher musste eine Mitarbeiterin immer zum Chef gehen, wenn sie beispielsweise ihr Kind vom Hort abholen wollte. Heute sei das relativ frei geregelt. Es gebe unzählige innovative Möglichkeiten, das Thema Arbeit zu gestalten. Wenn sich ein Unternehmen entsprechend bewege, bedeute dies eine Win-Win-Situation. Denn die Mitarbeiter gäben das mit Kreativität und Einsatz zurück.

Continental sei ein gefragter Arbeitgeber und das solle auch in Zukunft so bleiben, sagt Ebenhöch. Aktuell liegen dem Unternehmen rund 1000 Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle vor. Facharbeiter zu finden, sei kein Problem. Bei den Ingenieuren sei die intensive Kooperation mit den Hochschulen in Ostbayern hilfreich. Darüber hinaus überzeuge die Stadt Regensburg als attraktiver Wohnort. „Die größte Werbung für ein Unternehmen sind aber die Mitarbeiter selbst“, so der Standortleiter. Und betont noch einmal: „Wenn sich die Beschäftigten wohlfühlen und davon erzählen, ist das echter und authentischer als jede PR-Aktion.“

Wirtschaftsreferent Dieter Daminger sagte, Continental sei ein Leitunternehmen in Regensburg. Dies gelte nicht nur für die Zahl der Mitarbeiter, sondern auch für die hohe Innovationskraft. Regensburg sei der Sitz von drei von insgesamt fünf Divisionen des Automobilzulieferers. In Regensburg werde die automobile Zukunft entwickelt.

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