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„Do daad a da dadian, da Bluamastog“

Das Bairische hat seine eigene Art der Konjunktivbildung.

Hier braucht man keinen Konjunktiv mehr: De san scho dadiad.Foto: dpa

„Wenn du den Blumenstock in die Sonne stellen und nicht gießen würdest, dann würde er dir vertrocknen.“ Der zweite Teil dieses Satzes kann im Dialekt wahrhaftig lauten: „Do daad a da dadian“ oder „Do dadiarad a da“. Die erste Form ergibt, Silbe für Silbe übersetzt: ‚Da täte er dir derdürren‘. Die Umschreibung des Konjunktivs II erfolgt im Bairischen mit einem anderen Hilfszeitwort als in der Schriftsprache: grundsätzlich mit Formen von „tun“ („tät-“, mundartlich „dàd-“) anstelle solcher von „werden“ (“würd-“).

In einem Satz wie „Es machte ihm nichts aus, wenn wir ihn allein lassen“ verwirrt die Form „machte“, da der Konjunktiv identisch ist mit der 1. Vergangenheit. Deshalb bevorzugt man die Umschreibung mit „würde“: „Es würde ihm nichts ausmachen, …“. Auch Formen wie „ich schlüge, zöge, spränge, vergäße“ werden in der Hochsprache weitgehend vermieden zugunsten von Konstruktionen mit „würde“. Das Bairische aber kann zu (fast) sämtlichen Verben eine unverwechselbare Konjunktivform bilden, und zwar mittels des Suffixes „-ad“: Neben der umschreibenden Konstruktion „Es dàd eahm nix ausmacha“ ist geläufig: „Es machad eahm nix aus“; ebenso „i schlogad, ziagad, springad, vagessad“. Gerade bei schwachen Verben wie „machen, stellen, kosten, waschen“ usw. bewährt sich diese Eigenheit der bairischen Grammatik. Gerne illustriert man sie damit, dass man den Satz durchbeugt „Wenn ich Schnupftabak hätte, würde ich ihn schnupfen“: „Wann-e an Schmai häd, schnupfaden; (du) wannst an Schmai häsd, schnupfadstn; (er) … schnupfadan; (sie) … schnupfadsn; (wir) … schnupfadman; (ihr) … schnupfadtsn; (sie) … schnupfadnsn“. Wenn es denn eines Beweises bedürfte dafür, dass Bairisch ein eigenständiges und von der Hochsprache weitgehend unabhängiges Sprachsystem darstellt – das dialekteigene Suffix „-ad“ liefert ein überzeugendes Argument. In diesem Punkt ist der Dialekt der Hochsprache einwandfrei überlegen.

„Wenn der Opa endlich käme – oder: kommen würde, könnten wir mit dem Essen anfangen.“ Für den „wenn“-Satz stehen im Dialekt vier Varianten zur Verfügung: „kàm – kàmad – kemmad – kemma dàd“. Die erste Form entspricht lautgesetzlich dem „käme“ des Standards, die 2. und 3. sind mit „-ad“ gebildet, einmal angehängt an den Präteritalstamm („kam-“ mit Umlautung zu „à“), einmal an den Präsensstamm „kemm-“.

Eine Reihe von unregelmäßigen Verben leistet sich endungslose Konjunktive wie „kàm“, allen voran „i wàr“, ferner „i gàb, du stàntst, er fràß, sie fànt, mia nàhman, ees bràchts, sie dàdn“ (entsprechend „ich wäre, gäbe, du ständest/stündest, er fräße, sie fände, wir nähmen, ihr brächtet, sie täten“ im Standarddeutschen). Bemerkenswerterweise enthalten diese Konjunktivformen alle ein helles „à“. Auch bei „gehen“ tritt es auf: „es gàng“ (neben „gehad, gàngad“ statt hochsprachlich „es ginge“). Es gibt den Spruch „Apfekiache àß i gern, awa d’Muatta macht s’ ned gern“ (äße ich).

Außer in Bedingungssätzen (Konditional) tritt der Konjunktiv II auf als Ausdruck des Nicht-Tatsächlichen, Unbestimmten (Irrealis), des Wunsches (Optativ), der Möglichkeit (Potentialis), Wahrscheinlichkeit, Hypothese, des Zweifels, der Unsicherheit, der Befürchtung, der Ablehnung, der Bescheidenheit, der höflichen Bitte, des erreichten Ziels:

„I moanad scho. I kriagad an Schweinsbron. Mia wàrn so weit. Des hätt ma.“ Wir sehen, der Anwendungsbereich des Konjunktivs ist im Bairischen deutlich breiter gefächert als in der Hochsprache. Bezeichnend ist, dass man sich auf bairisch eher im Konjunktiv vorstellt, etwa: „I wàr da Zentner Wiggerl“ (ich bin der Zehetner Ludwig, in aller Bescheidenheit).

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