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Regensburg.

Von der Fletz auf die Gred hinaus

Bairisch rund um Haus und Hof

„Schiassn“ heißt die Firstseite eines Bauernhauses – man kann so aber auch einen Freund burschikos begrüßen. Foto: altrofoto.de/MZ-Archiv

Um Haus und Hof soll es hier gehen, speziell darum, einige bairische Wörter ins Gedächtnis zu rufen und sie vor dem Vergessenwerden zu bewahren.

Der „Schieß, Schiaß/Schäiß“ oder die „Schiassn/Schäissn“ ist die Giebel- oder Firstseite des bäuerlichen Wohngebäudes. An seiner vorderen Längsseite findet sich die „Gred“, eine erhöhte, gepflasterte (früher auch hölzerne) breite Antrittsfläche. Auf dieser konnte man ins Haus gelangen, ohne den früher meist sehr schmutzigen Hofraum betreten zu müssen, in dessen Mitte sich die Miststatt befand, aus der die Mistlacke, der Odel rann. In der Heimatliteratur kommt häufig die „Gredbank (-beng)“ vor: „Der alte Austragler hockt auf der Gredbank und wärmt sich ein wenig auf“ (Georg Lohmeier), ähnlich bei Maximilian Waldschmidt: „Er saß auf der Gred vor seiner Hirwa und schmauchte sein Pfeifchen.“ Aber auch in Sachtexten wie der Beschreibung eines Bauernhauses finden sich Belege, so etwa: „Der Gredboden ist mit Granitplatten ausgelegt“ (Freilandmuseum Neusath-Perschen, 2001). In neuer Bedeutung ist „Gred“ im Gebrauch als Bezeichnung für einen Aufbau aus Latten und Brettern, der am Straßenrand zum Verkauf von Obst oder Gemüse dient. Damit ist das Wort zu einem Synonym für „Bawalatschen“ geworden, im Sinne von „wackeliges Gerüst, Gestell“ oder „provisorische Bühne“. „Gred“ ist wohl von lateinisch „gradus“ (Stufe) bzw. „ingredi“ (eintreten) herzuleiten.

Mit „Schieß“ oder „Schießen“ gibt es originelle Redensarten. Ist jemand derb zurechtgewiesen, vielleicht sogar geohrfeigt oder verdroschen worden, sagt man: „Dem hams an Schiaß owa-putzt“ oder „owa-, runtergweißt“. Freunde begrüßen sich schmunzelnd mit dem Spruch: „Laß di griassn, alte Schiassn.“

Betritt man von der Gred aus das Haus, so kommt man in den gepflasterten Hausgang, und der heißt nicht „Flur“, sondern die „Fletz“ (auch männlich oder sächlich: „der/das Flöz, Fleez“), ein Wort, das sogar der Duden aufführt. In der Bedeutung „abbaubare Kohleschicht“ ist „Flöz“ allgemeindeutsch. „Die Mutter lag in der Fletz, im Vorhaus aufgebahrt“, schreibt Anna Wimschneider („Herbstmilch“), und „als wir von der Trauung zurückkamen, stand die Schwiegermutter im Fletz“. Die Bezeichnung bleibt nicht auf mundartnahes Schrifttum beschränkt. In Georg Dehios „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ (1991) liest man in der Beschreibung des Schlosses Münchshofen (bei Teublitz) von einer „Halle, von der aus eine zweiläufige Podesttreppe den im Westtrakt gelegenen geräumigen Fletz erschließt“.

Die alten Bauersleute sind, sobald sie ihr Anwesen an die jüngere Generation „übergeben“ haben, „Ausnahmsbauer und -bäuerin“. Das galt als eigener gesellschaftlicher Stand. Auf einem verwitternden Grabstein steht: „Hier ruht in Gott / Xaver Lintl / Ausnahmsbauer dahier“. „Die Alten fühlten sich wie Gnadenhäusler, bis sie in ihr kleines Austragshaus über die Straße zogen“ (Lieselotte Denk: „Heimat Los“). Stand ihnen kein „Ausnahm-“ oder „Zuhäusl“ zur Verfügung, mussten sich die „Austrägler (-tràgler)“ mit einem „Austragsstüberl“ begnügen. In Petra Morsbachs Roman „Gottesdiener“ (2004) heißt es von dem späteren geistlichen Herrn: „Er verzog sich zum Lernen in den ersten Stock ins Austragsstüberl, das nach dem Tod der Großmutter nicht ausgeräumt worden war und noch immer nach Urin roch“. Obwohl „in den Austrag gehen“ an sich auf den bäuerlichen Bereich beschränkt war, findet der Ausdruck, scherzhaft verallgemeinert, Verwendung für den Eintritt in den Ruhestand, aus welcher Berufstätigkeit auch immer. „Austragspfarrer“ übernehmen oft seelsorgliche Aufgaben in einer anderen Pfarrei; für solche pensionierte Geistliche gab es die (jetzt veraltete) Bezeichnung „Kommorant“, gebildet zu lateinisch „commorari“ (verweilen). „Seinen Lebensabend verbrachte er als Kommorant in Freising“, liest man in der Biographie eines früheren Pfarrers.

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