Rechenbeispiele des IW
Trotz Steuerentlastungen: So viel mehr Geld müssen Sie 2024 an den Staat zahlen

12.01.2024 | Stand 12.01.2024, 6:41 Uhr |

Auf der Gehaltsabrechnung fallen zwar 2024 weniger Steuern an – dafür steigen die Sozialbeiträge und auch andere Abgaben außerhalb des Lohnzettels. Unterm Strich bleibt vielen daher aufs Jahr gerechnet weniger. − Symbolbild: dpa

Neues Jahr, neue Steuerregelungen: Zwar wurde der Grundfreibetrag angehoben und es bleibt 2024 mehr netto vom Bruttogehalt. Doch nun ergibt eine Berechnung des arbeitgebernahen Instituts für Wirtschaft, dass vielen Bürgern dennoch unterm Strich weniger bleibt – wegen steigender Abgaben. Ein paar Rechenbeispiele.



Alle Rechenbeispiele finden Sie in Tabellen am Ende des Artikels

Insbesondere Gering- und Durchschnittsverdiener müssten 2024 mehr an den Staat abtreten, teilte das Institut am Dienstag mit. Es forderte die Ampel-Regierung auf, Bürgerinnen und Bürgern das versprochene Klimageld zu zahlen, um auch geringe Einkommen angemessen zu entlasten.

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Mit Jahresbeginn ist vieles teurer geworden: Die Sozialbeiträge sind gestiegen, der CO2-Preis auf fossile Energieträger ebenfalls. Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie liegt auf dem ursprünglichen Niveau von 19 Prozent, ebenso die Mehrwertsteuer für Gas, wie das IW aufzählte. Außerdem wurde Strom wegen steigender Netzentgelte teurer. All dem stehe die steuerliche Entlastung bei der Einkommensteuer gegenüber.



Single mit 50.000 Euro Jahresbrutto zahlt trotz Entlastungen 40 Euro mehr im Jahr



Unterm Strich zahle ein Single mit einem Jahresbruttoeinkommen von 50.000 Euro auf das Jahr gerechnet 40 Euro mehr an Steuern und Abgaben, berechnete das IW. Laut Rechenbeispiel kann er oder sie sich zwar über eine Steuerentlastung von 465 Euro freuen, doch dafür steigen allein die Sozialbeiträge um 131 Euro.

Vom gestiegenen CO2-Preis, der Tanken und Heizen teurer macht, ist die Person mit 91 Euro betroffen, höhere Netzentgelte für Strom machen 60 Euro aus, die Mehrwertsteuererhöhung beim Gas macht 128 Euro. Von den Entlastungen bleiben so nur noch 55 Euro übrig. Kalkuliert man dann die gestiegene Mehrwertsteuer in der Gastronomie noch mit ein, gehen im Rechenbeispiel weitere 95 Euro laut IW an den Staat. Unterm Strich stehe dann eine Mehrbelastung von 40 Euro im Jahr.

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Familie mit zwei Kindern und 130.000 Euro Einkommen hat 262 Euro mehr



Eine Familie mit zwei Kindern und einem gemeinsamen Bruttojahreseinkommen von 130.000 Euro (90.000 Euro und 40.000 Euro brutto) dagegen habe am Ende des Jahres 262 Euro mehr, eine Familie mit 42.000 Euro Jahreseinkommen 33 Euro weniger. Verdient ein Partner 42.000 Euro und der andere 24.000 Euro, bleiben im Rechenbeispiel aufs Jahr gerechnet fünf Euro weniger als noch 2023 – weil das IW davon ausgeht, dass man etwa wegen höherer Fahrtkosten mehr vom CO2-Preis betroffen ist und sich mehr Gastronomie-Besuche gönnt und sich somit die dortige Steuererhöhung mehr auswirkt.

Alleinerziehende mit einem Kind besonders betroffen



Besonders hart treffe es Alleinerziehende mit einem Kind: Laut den IW-Berechnungen kommt eine alleinerziehende Person mit einem Jahresbruttoeinkommen von weniger als 36.000 Euro auf ein Minus von 144 Euro.

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Die Ampel-Regierung habe „wochenlang um eine Lösung im Haushaltsstreit gerungen“, so das IW. Das Institut kritisierte, dass am Ende die Steuerzahler „die Versäumnisse der Regierung und die unsachgerechte und verfassungswidrige Haushaltspolitik“ ausbaden müssten. Ein Klimageld, das die Ampel ohnehin als Kompensation für den steigenden CO2-Preis vorgesehen hatte, wäre jetzt wichtig, um auch geringe Einkommen angemessen zu entlasten. Die Verbraucherzentrale fordert hier etwa 139 Euro für alle.