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Fashion

Ein Second-Hand-Outfit aus Bad Kötzting

Im Laden„Mode für alle“ in der Marktstraße gibt es gespendete Kleidung zu günstigen Preisen. Unsere Reporterin war shoppen.
Von Maximiliane Gross

Reporterin Maximiliane Groß hat bei „Mode für alle“ ein modernes Outfit gefunden. Foto: Lausch
Reporterin Maximiliane Groß hat bei „Mode für alle“ ein modernes Outfit gefunden. Foto: Lausch

Bad Kötzting.Der Frühling steht vor der Tür. Für viele ist das ein Anlass, um auf Shoppingtour zu gehen. Ein neues Paar Schuhe, eine schicke Übergangsjacke, eine modische Bluse oder ein Hemd – die Liste ist lang. Für Menschen mit geringem Einkommen stellen diese Anschaffungen oftmals ein Problem dar, weil das nötige Geld fehlt. Der Shop „Mode für alle“ möchte genau diesen Menschen unter die Arme greifen und bietet neue sowie gespendete Kleidung zu erschwinglichen Preisen an. Aber wie realistisch ist es, im Bekleidungsgeschäft der Tafel auch modische Sachen zu finden?

Mit dem Gedanken, ein modernes Frühlingsoutfit zu finden, ist unsere Reporterin Maximiliane Groß nach Bad Kötzting gefahren. Schnell war klar: Mit typischen Frühlingsfarben sieht es im Moment noch schlecht aus. Der Shop verkauft Anfang März noch Winterkleidung. Die Umstellung auf Frühling/Sommer lässt noch auf sich warten. Ein neues Outfit soll trotzdem her. Wenn möglich zumindest dünnere Sachen, wenn’s mit hellen Farben noch nicht klappt.

Jeder kann fündig werden

Die Wildlederjacke kostet 15 Euro. Foto: Groß
Die Wildlederjacke kostet 15 Euro. Foto: Groß

Zusammen mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen stöbere ich in dem kleinen Geschäft. Ich möchte moderne Teile finden und werde fündig. Eine schwarze Jeans mit einem Seitenstreifen, ein cremefarben-schwarz gestreiftes Langarmshirt und eine schwarze Wildlederjacke probiere ich. Alle drei Teile sind neu, haben sogar ein Etikett vom Hersteller dran. Das lässt die Tafel bewusst dran. Die Käufer sollen wissen, dass sie Neuware bekommen. Diese Kleidungsstücke wurden von Einzelhändlern aus der Region gespendet.

Mein Outfit passt ganz gut. Die Jacke ist mir etwas zu groß. Eine Nummer kleiner gibt es sie nicht mehr. Das ist eines der Probleme in Kleiderkammern oder Second-Hand-Geschäften: Was weg ist, ist weg. Weil viele Artikel von Einzelhändlern kommen, gibt es bei „Mode für alle“ die neuen Sachen meistens in verschiedenen Größen.

Die Jeans mit modischem Streifen verkauft „Mode für alle“ für vier Euro. Foto: Groß
Die Jeans mit modischem Streifen verkauft „Mode für alle“ für vier Euro. Foto: Groß

Die Kleidungsstücke, die von Privatpersonen gespendet werden, sortiert die Tafel vor dem Verkauf durch. Nur was qualitativ in Ordnung und einigermaßen modern ist, geht in den Verkauf. Bedürftige und Nicht-Bedürftige können sie jetzt shoppen. Die Preise sind für alle gleich. „Wir haben sehr viel Neuware. Mit den Einnahmen aus dem Shop decken wir auch einen Teil unserer Kosten“, sagt Lausch, Leiter der Tafel. Die übrigen Kosten deckt der Verein über Mitgliedsbeiträge.

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Mein ausgewähltes Outfit ist von der Marke Esmara. Unter diesem Namen designt Topmodel Heidi Klum Kleidung für den Discounter Lidl. Normalerweise würde die Lederjacke circa 60 Euro kosten. Bei „Mode für alle“ kostet sie 15 Euro. Der ursprüngliche Preis für das Shirt und die Hose sind nicht bekannt. Im Shop wird der dünne Pullover für 1,50 Euro verkauft, die Jeans für vier Euro. Preisverhandlungen sind ausgeschlossen. Die Kunden würden das akzeptieren, sagt Arnfried Lausch.

Das gestreifte Langarmshirt gibt es im Doppelpack. Beide kosten drei Euro, eines gibt es für 1,50 Euro. Foto: Groß
Das gestreifte Langarmshirt gibt es im Doppelpack. Beide kosten drei Euro, eines gibt es für 1,50 Euro. Foto: Groß

Mein neues Outfit trifft meinen Geschmack nicht zu 100 Prozent, zufrieden bin ich dennoch. Der Preis ist okay, dafür muss man Kompromisse eingehen. Wem es egal ist, ob die neue Jeans oder der Pullover das neueste Modell ist oder nicht, der findet bei „Mode für alle“ auf jeden Fall das eine oder andere Schnäppchen.

Von Kötzting nach Tschechien

Neue Kleidungsstücke nimmt die Tafel gerne. Kleiderspenden gehören aber genauso dazu. Teile, die die Ehrenamtlichen mangels Qualität beiseitelegen, werden nicht weggeworfen. Die aussortierten Kleidungsstücke eignen sich zwar nicht mehr für den Verkauf in Bad Kötzting. In anderen Ländern sind sie dennoch gefragt. Aus diesem Grund gibt die Tafel diese Teile an Unternehmen weiter, die Endabnehmer haben. Kleidungsstücke mit Flecken, die die Tafel aussortiert, werden laut Lausch von tschechischen Kinder- oder Altenheimen gerne genommen.

Mode bei der Tafel

  • Einrichtung:

    „Mode für alle“ ist Teil der Bad Kötztinger Tafel. Das Bekleidungsgeschäft, in dem sich unsere Reporterin Maximiliane Groß (Foto: altes Outfit) eingekleidet hat, befindet sich in der Marktstraße. Neben Bedürftigen können im Bekleidungsgeschäft auch alle anderen einkaufen. Die Einnahmen werden genutzt, um die Unkosten der Tafel zu decken.

  • Ehrenamt:

    Bei der Tafel in Bad Kötzting arbeiten insgesamt 41 Helferinnen und Helfer. Sieben von ihnen arbeiten bei „Mode für alle“. Zudem gibt es Fahrer. Die Ehrenamtlichen sind im Durchschnitt 68,2 Jahre alt.

  • Öffnungszeiten:

    Lebensmittel können Bedürftige am Dienstag von 10.30 bis 12 Uhr und am Freitag von 12 bis 14 Uhr kaufen. „Mode für alle“ ist Dienstag und Mittwoch von 9 bis 12 Uhr geöffnet und freitags von 9 bis 14 Uhr. Im vergangenen Jahr war der Shop an 150 Tagen geöffnet, die Tafel an 102 Tagen.

Neben der Kleidung erhält der Verein Hygieneartikel, Haushaltsgeräte oder auch Möbel als Spenden. Diese Art der Spenden ist nicht die Regel. Die Gegenstände werden auf Funktionsfähigkeit geprüft und dann zum Verkauf angeboten. Im Shop gibt es von diesen Artikeln nur eine geringe Auswahl. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe. Erstens: Der Platz im „Mode für alle“ ist begrenzt. Zweitens: Im Moment gibt es keine weiteren Artikel im Sortiment. Der Verein bestückt seinen Shop und auch die Tafel ausschließlich aus Spenden. Weder Kleidung noch Geräte oder Lebensmittel kauft der eingetragene Verein zu. Eine Ausnahme gibt es, wie Lausch sagt: „Wenn wir eine Geldspende bekommen, um davon etwas Bestimmtes für die Tafel zu kaufen, dann machen wir das natürlich schon.“ Wichtig sei dabei, dass es haltbare Lebensmittel sind. Denn Frisches spenden in der Regel schon die Supermärkte aus der Region.

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