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Kirsten Armbruster ruft Mütter an die Macht

Matriarchat Eine Riedenburgerin will als Frau und Mutter die Gesellschaft verändern – und ihre Ideen in die Stadtpolitik einbringen.

  • Ein Leitsatz der Familie
  • Die „Casa Naranja“, das orangefarbene Haus im Tannenweg
  • Sie haben für sich den Weg gefunden: Kirsten Armbruster und ihr Mann Franz im selbstgelegten Stein-Irrgarten.

Von Kristina Balbach, MZ

RIEDENBURG. Wer bei Familie Armbruster im Wohnzimmer sitzt, hat nicht das Gefühl, am Gleislhof zu sein: Aus orientalischen Lampen scheint buntes Licht, auf die Wand sind Pyramiden, Kamele und Palmen gemalt. Seit drei Jahren wohnt Kirsten Armbruster mit ihrem Mann und den vier Kindern in dem Haus am Waldrand – und lebt dort, wie sie sagt, ein ganzheitliches Leben. Viele Erlebnisse haben die gebürtige Dortmunderin über die Jahre hinweg umdenken lassen. „Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt der Schöpfung, sondern ein Teil von ihr“, zitiert Armbruster einen ihrer Leitsätze.

Ägypten ins Wohnzimmer geholt

Aber es ist nicht nur die „kosmische Gerechtigkeit“, die die 51-Jährige lebt und für die sie sich einsetzt. Auch die soziale Gerechtigkeit liegt ihr am Herzen. Gerade hat sie ihr drittes Buch veröffentlicht: „Starke Mütter verändern die Welt“, lautet der Titel. Ob in der Politik oder in den Führungsetagen der Geschäftswelt – für Kirsten Armbruster ist die Berufswelt viel zu männerdominiert. Veränderungen seien gefragt, „denn so toll ist unsere Gesellschaft nicht“. Überall brenne es doch: Klimawandel, Rationalisierungen, zudem öffne sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter.

Nach Ansicht der Patriarchatskritikerin gehen Frauen Probleme oftmals anders an als Männer – die sich in der Geschichte eher durch Krieg, Unterdrückung und Sklaverei einen Namen gemacht hätten. Für ihre Vision eines neuen Systems hat Kirsten Armbruster in ihrem Buch einen neuen Begriff geschaffen: die matriviviale Gesellschaft – die weise Mutter verändert die Gesellschaft (siehe Text unten).

„Wir haben nicht nur die Gebärmacht, sondern wir haben die Erziehungsmacht“, erklärt Armbruster. Zudem seien berufstätige Frauen die tragenden Figuren in der Produktion, besäßen also auch die Arbeitsmacht. Was auf den Teller komme, entscheide in den meisten Haushalten die Frau, die zum Einkaufen gehe. Auch ihre Konsummacht sei also nicht zu unterschätzen. Fazit: „Wir haben die Macht, Veränderungsprozesse in Gang zu bringen.“

Ein Ziel ist für die Matriarchatsforscherin die „umgesetzte Partnerschaftsgesellschaft“. Im eigenen Haushalt sieht die Mutter von vier Kindern ihre Gedanken gelebt: „Unsere Familie definiert sich als Team“. Jedes Mitglied habe spezielle Aufgaben oder einen Bereich, um den es sich kümmert. So sind die Kinder für den ersten Stock selbst zuständig, auch die Bügelwäsche erledigt beispielsweise jeder für sich. Einen Fernseher gibt es nicht im Haus – Computer und Internet schon. „Wir lesen viel und machen zusammen Musik“, sagt die Autorin.

Auch Kunst und Kreativität sind den Armbrusters wichtig. In der Hausgestaltung spiegeln sich Reiseerfahrungen wider: Das Wohnzimmer ist nach dem Motto Ägypten gestaltet, besonders an den Lehmputz-Wänden und mit den Fliesen hat sich jedes Familienmitglied verwirklicht. Die Küche „ist“ Mexiko und das Badezimmer gleicht einem orientalischen Bad.

Der Garten der Armbrusters ist nach „tiefenökologischen Grundsätzen“ angelegt: „Das bedeutet, dass wir eine Liebe zur Natur haben. Wir wollen sie achten und bewahren“, erklärt Kirsten Armbruster. Dazu gehört für die Familie, den Garten in seinem natürlichen Kreislauf zu begreifen. „Für mich gibt es kein Unkraut“, sagt Armbruster. Nutzpflanzen und Zierpflanzen sind gleichberechtigt, Tiere jeder Art willkommen. „Wir wollen die Natur nicht verbessern“, sagt Armbruster. „Wo eine Pflanze wächst, da hat sie auch ihre Funktion.“

„Viele Visionen für Riedenburg“

Potenzial für Verbesserungen sieht Kirsten Armbruster allerdings rund um Riedenburg. So hat sie sich dafür entschieden, für die neue „Bürgerliste Großgemeinde Riedenburg“ zu kandidieren. „Die Bürgerliste ist der logische Schritt für mich, denn die Region und das Lokale zu stärken, ist wichtig“, sagt sie. Sie haben viele Visionen und Ideen für Riedenburg – zudem sei es eine gute Zeit für Frauen, etwas zu verändern.

Erschienen: 13.11.2007

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