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Familien

Regenstauf: Kinder zieht es in den Wald

Der Markt rundet die Kinderbetreuung ab. Ab Herbst wird es einen Waldkindergarten geben. Insgesamt werden Kiga-Plätze knapp.
Von Sabine Norgall

Das ganze Jahr hindurch spielen und lernen in der Natur. Ab Herbst bietet der Markt Regenstauf auch eine Waldkindergartengruppe an. Die Kinder können vormittags im Wald spielen und am Nachmittag in einer regulären Kindergartengruppe im Eckert-Kinderhaus betreut werden. Das Foto entstand im Waldkindergarten in Nittendorf. Foto: Krenz
Das ganze Jahr hindurch spielen und lernen in der Natur. Ab Herbst bietet der Markt Regenstauf auch eine Waldkindergartengruppe an. Die Kinder können vormittags im Wald spielen und am Nachmittag in einer regulären Kindergartengruppe im Eckert-Kinderhaus betreut werden. Das Foto entstand im Waldkindergarten in Nittendorf. Foto: Krenz

Regenstauf.Kinderkrippe, Kindergarten, integrative Kindergartengruppe und Kinderhort, all das gibt es in Regenstauf. Ab dem 1. September stockt der Markt sein Angebot auf. Angeschlossen an das Eckert-Kinderhaus wird es eine Waldkindergartengruppe geben. Waldkindergärten, oft in privater Trägerschaft, gibt es einige im Landkreis. Die neue Gruppe in Regenstauf hat ein Alleinstellungsmerkmal, das besonders für berufstätige Eltern interessant ist. Während in anderen Waldkindergärten die Betreuung auf den Vormittag beschränkt ist, können die Regenstaufer Waldkinder nach einem Mittagessen im Eckert-Kinderhaus dort am Nachmittag in einer Regelgruppe weiter betreut werden. Für Daniela Weig, Leiterin des Eckert-Kinderhauses, ist diese Kombination nicht nur aus Sicht der Ganztagsbetreuung ein reizvolles Angebot. Auch pädagogisch überzeugt sie die Kombination zwischen dem ganzjährigen Naturerlebnis am Vormittag und der Regelgruppe am Nachmittag. Der Erfahrungsbereich der Kinder werde so breiter.

Breites Angebot für Kinder

Genau an der Stelle, an der Daniela Weig, Leiterin des Eckert-Kinderhauses, und Andreas Seitz von der Marktverwaltung stehen, soll am Herbst ein gemütlicher Bauwagen für die Waldkindergartengruppe stehen. Foto : Norgall
Genau an der Stelle, an der Daniela Weig, Leiterin des Eckert-Kinderhauses, und Andreas Seitz von der Marktverwaltung stehen, soll am Herbst ein gemütlicher Bauwagen für die Waldkindergartengruppe stehen. Foto : Norgall

Die Idee einer Waldkindergartengruppe, die bis zu 25 Kinder aufnehmen kann, entwickelten Bürgermeister Siegfried Böhringer, Andreas Seitz, Sachbearbeiter für Kindertageseinrichtungen, und Daniela Weig gemeinsam. Zum einen, sagt Böhringer, sei es reizvoll, mit einem Waldkindergarten künftig die ganze Palette der frühkindlichen Betreuung am Ort anbieten zu können. Zum anderen werden die Kindergartenplätze in der Marktgemeinde schon wieder knapp. Aktuell besuchen in Regenstauf 584 Kinder die Krippen, Kindergärten und den Hort, 100 davon den Kindergarten Arche Noah unter Trägerschaft der Pfarrei St. Jakobus. Rund 25 Kinder sind Gastkinder in Kindergärten anderer Gemeinden, etwa genausoviele sind Gastkinder in Regenstauf.

An das neue Eckert-Haus, das gerade im Bau ist, und im Herbst bezogen wird, wollte man, sagt Böhringer, nicht gleich wieder einen Anbau setzen. In Diesenbach allerdings braucht man Platz für eine zusätzliche Gruppe. Dort könnte es eine Containerlösung geben. Erst wenn das Areal der Diesenbacher Sporthalle neu überplant wird, sagt Böhringer, könne man eventuell eine neue Kindergartengruppe integrieren.

Bereits in der vergangenen Woche gab es im Eckert-Kinderhaus einen Informationsabend für Eltern, die sich für ihren Nachwuchs für einen Platz im Waldkindergarten interessieren. Auch bisher schon, sagt Andreas Seitz, schickten einige Regenstaufer Eltern, die vom pädagogischen Konzept überzeugt sind, ihren Nachwuchs in Waldkindergärten in benachbarten Gemeinden. Das Interesse an dem neuen Regenstaufer Waldkindergarten ist so groß, dass die Gruppe fast schon voll ist. Einzelne Plätze sind noch frei. Interessierte Eltern können sich bei Daniela Weig unter der Telefonnummer (09402) 98 38 083 informieren.

Das Konzept des Waldkindergartens

  • Der wesentliche Unterschied der Waldkindergärten gegenüber normalen Kindergärten ist der, dass sich „Waldkinder“ weit überwiegend in der Natur aufhalten und vorwiegend mit den Dingen spielen, die sie im Wald oder auf dem Feld vorfinden. Nur bei besonders schlechtem Wetter bieten Zelte, Bauwägen oder Hütten Unterschlupf zum Geschichten erzählen, Malen, Basteln und Frühstücken.

  • Geschichte:

    Die Idee eines Waldkindergartens wird auf die Dänin Ella Flatau zurückgeführt, die 1952 mit ihren eigenen Kindern und Nachbarskindern den Tag im Wald verbrachte. Seit Anfang der 70er Jahre wurden nach diesem Vorbild in ganz Skandinavien Waldkindergärten gegründet.

  • Angebot:

    In Deutschland gibt es aktuell rund 300 Waldkindergärten. Quelle: Das Kita-Handbuch

Zustimmung für die Waldkindergartengruppe in Kooperation mit dem Eckert-Kinderhaus signalisierte bereits die Betreuung der Kindertageseinrichtungen im Kreisjugendamt. Auf einer gepachteten Fläche von rund 1000 Quadratmetern werden die Kinder ihren bunten Bauwagen oberhalb der Eckert-Seniorenresidenz auf einer Wiese beziehen und von dort aus den Wald erkunden. Das Unternehmen Eckert unterstützt die neue Kindergartengruppe, sichert dem Markt auch das benötigte Wegerecht zu. Bei extremen Wetterlagen, bei Sturm oder Gewitter, kann der Waldkindergarten als Ausweichquartier den Bewegungsraum im Eckert-Kinderhaus nutzen.

Spiele in der Natur entwickeln

Etwas weiter innerhalb des Waldes, wie ursprünglich gewünscht, kann der Waldkindergarten nicht angesiedelt werden. Das Waldgebiet gehört der Stadt Regensburg, die Verhandlungen über einen Standplatz dort, nennt Seitz „schwierig“. Allerdings dürfen die Kinder gemäß eines Nutzungsvertrags in den Wald ausschwärmen und dort spielen. Alle versicherungsrelevanten Fragen übernimmt der Markt. Das bedeutet auch, dass dieser Bäume im Umfeld des Waldkindergartens künftig genau kontrollieren wird, damit die Kinder sicher spielen können.

Im Waldkindergarten, erklärt Daniela Weig das Konzept, lernen die Kinder in der Natur selbst ihre Grenzen kennen. Sie treffen nicht auf vorgefertigtes Spielzeug oder vorgegebene Spielideen. Diese sollen sie selbst entwickeln und auch ihre Spielgeräte zum Teil selbst bauen. Ein entdeckter Regenwurm könne so zum Beispiel in ein Regenwurmprojekt münden. Trotzdem gibt es auch im Waldkindergarten Vorschularbeit, die Kinder lernen den Umgang mit Stift, Kleber und Schere. Und für Kinder, die einfach mal ihre Ruhe brauchen, liegen im Bauwagen, der mit einem Holzofen beheizt wird, auch Bilderbücher bereit.

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