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Walhallabahn

Ein Schatz aus alter Schienenzeit

Neue Bockerlfotos aufgetaucht: Der ehemalige Oberrealschüler Otmar Fritz (74) öffnet jetzt sein Archiv der frühen 50er-Jahre.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Dieses Foto des Walhallabockerls entstand anlässlich eines Besuches im Donaustaufer Betriebswerk. Foto: Otmar Fritz
  • Das Bockerl verlässt mit Volldampf den Bahnhof Donaustauf in Richtung Tegernheim. Foto: Otmar Fritz
  • Die Linie 1 der Regensburger Straßenbahn am Jakobstor Foto: Otmar Fritz
  • Im Hintergrund der Steinbruch von Schwabelweis: Lokführer und Heizer halten ein Schwätzchen. Foto: Otmar Fritz
  • An der Haltestelle Rennplatz. Das Foto datiert vom 25. April 1964. Foto: Otmar Fritz
  • Die Trambahn passiert das Thon-Dittmer-Palais Foto: Otmar Fritz
  • Die Linie 1 am Rennplatz in Richtung Prüfening, Endstation. Foto: Otmar Fritz
  • Die Tram am scharfen Eck am Krauterermarkt beim Bischofshof Foto: Otmar Fritz
  • Auf diesem Gleis verließ die „99253“ Donaustauf Foto: Otmar Fritz

Regensburg.Das Schaffnerstüberl im Kneitinger ist ein guter Ort, seine Fotoschätze auszupacken – gestochen scharfe Hochglanzbilder eines Perfektionisten sind das von der unvergessenen Walhallabahn und der ebenso unvergessenen Regensburger Straßenbahn. Der Fotograf Otmar Fritz hat die besten aus einem Meer aus 10 000 alten Dias gefischt und daraus ein Fotobuch im Format 30x30 gemacht.

„Wissen Sie, die Leute, die das erlebt haben, sterben langsam aus“

Otmar Fritz

Dass er damit jetzt an die Öffentlichkeit geht, ist das Verdienst seines Schulfreundes Thomas Friedrich. Er hatte den Kontakt zu Martin Kempter hergestellt. Der ist einer der Autoren des Buches „Straßenbahn in Regensburg“ aus dem Gietl-Verlag. Der druckte 15 farbige Trambahnbilder ab. Die Schwarz-Weiß-Bilder von der Walhallabahn hatte noch kein Auge gesehen.

Otmar Fritz ist ein nach innen gerichteter Mensch. Leise und einprägsam erzählt er der erlesenen Corona, die Bockerl-Enthusiast Rudolf Rieß spontan versammelt hat, die Geschichte von der Entstehung dieser Fotos. Es war unmittelbar nach der Zeit, die die Eltern dieser alten Regensburger damals als „Zusammenbruch“ erlebten.

Fotos mit seiner ersten Pentacon

Allein die Spiegelreflex-Kamera Pentacon, die sich der 1941 geborene Otmar Fritz mit 16 Jahren zulegte, hat eine spezielle Geschichte, die keinen kalt lässt. Als seine Eltern in Augsburg ausgebombt wurden, retteten sie nur eine Kiste mit einer Märklin 0 aus den Trümmern. Bei Verwandten in Regensburg packte sie Otmar Fritz später in einen Persilkarton und schickte sie, auf ein Inserat aus dem Magazin „Model Railroader“ hin, nach den USA. Der Scheck über 100 Dollar (damals 420 Deutsche Mark) war der Grundstock für seine Pentacon aus Wolfen.

Sogar das Rad, mit dem er auf Fotosafari ging, will uns eine Geschichte erzählen. „Ich hatte es von Nachbarn geschenkt bekommen. Es war das Fahrrad ihres Sohnes, der auf dramatische Weise ums Leben gekommen war.“ Darauf radelte der Schüler der Oberrealschule die Regensburger Schienenstrecken ab und kam bis nach Donaustauf. In jenen vordigitalen Zeiten habe man sich jedes Foto zweimal überlegt. „Die Filme kosteten richtig Geld. Heute wird nur drauflos geknipst,“ stellt der pensionierte Siemensianer fest. Der Münchner Ingenieur war schon damals Perfektionist. Jedes Foto hat er als Kunstwerk komponiert. Das Licht, der Ausschnitt, alles musste stimmen. Aber es hat sich gelohnt. Das schwarze Walhalla-Dampf-Bockerl lebt. Es raucht und zischt, man riecht förmlich die Mischung aus Kohle, Rauch und Ruß, die sie ausstoßen. Man möchte den Heizern und Lokführern zurufen.

Wenn sich Otmar Fritz die Fotos heute anschaut, fasziniert ihn vor allem das ganze Umfeld. Die Art, wie die Leute gekleidet sind, die Autos auf den Straßen. Er identifiziert Kabinenroller, DKW und VW-Käfer. Und er erinnert sich an das gefährlichste Straßenbahn-Eck Deutschlands, drunten beim Bischofshof. „Wenn man da ums Eck fuhr, hatte man Angst, man rumpelt jetzt gleich ins Schaufenster rein.“

Ein Hobby-Fotograf tritt ans Licht

Diese Schätze aus der Regensburger Nachkriegszeit ruhten bei ihm zu Hause. Aber jetzt betritt der Hobby-Fotograf die Bühne. „Wissen Sie, die Leute, die das erlebt haben, sterben langsam aus.“ Nach 60 Jahren ist er jetzt wieder nach Donaustauf gefahren. „Da war mal das Betriebswerk des Bockerls. Außer dem Schild Bahnhofstraße hab ich nichts mehr gefunden.“

Aus der Schatzkiste eines Fotokünstlers

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