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Hart, aber fair: Eisenfuß Jupp wird 60

Einst hielt Jupp Bläser als Vorstopper in Köln, Aachen und Linz die Abwehr zusammen. Heute verdient der ehemalige Profifußballer sein Geld als Goldankäufer.
Von Dietmar krenz, MZ

  • Kompromisslos beim Kampf um den Ball: Jupp Bläser im Zweikampf mit dem Spanier Francisco Fortes bei einem Gastspiel des FC Barcelona vor knapp 40 Jahren am Aachener Tivoli. Fotos: Archiv/Bläser
  • Winfried Berkemeier (von links), Herbert Neumann, „Tschik“ Cajkovski (Trainer 1. FC Köln), Herbert Hein, Bernd Cullmann, Ricardo Neumann, Harald Konopka, Jupp Bläser, Toni Schumacher, Jürgen Glowacz und Wolfgang Overath
  • Aktenordner mit Zeitungsausschnitten sowie unzählige Bilder und Dokumente hat Jupp Bläser aus seiner Zeit als Profifußballer gesammelt. Foto: Krenz
  • Sogar Franz Beckenbauer schickte zum 60. eine Glückwunschkarte
  • Drei Jahre lang spielte „Eisenfuß Jupp“ (Mitte) im Trikot des 1. FC Köln.

Thumhausen.. Er ist in Düren geboren – ebenso wie Karl-Heinz Schnellinger, Harald Konopka oder Toni Schumacher: Der Wahl-Nittendorfer „Jupp“ Bläser, der in den 70-er Jahren für Köln und Aachen in der Fußballbundesliga spielte, feiert 60. Geburtstag. Davon will der Fan des FC Bayern aber nichts wissen. „Ich werde 59 plus 1“, erzählt er lachend. Die Zahl „60“ nimmt er grundsätzlich nicht in den Mund – mit den Löwen aus München kann er gar nichts anfangen.

Begonnen hat seine Fußballer-Karriere sehr früh. Obwohl er noch keine zehn Jahre alt war, mischte er schon in der D-Jugend kräftig mit. Später hielt der Jupp als Spieler beim SC Merzenich (zwischen Aachen und Köln) seine Abwehr derart zusammen, dass seine Härte im ganzen Kreis gefürchtet war. Der Blondschopf überzeugte auf dem Fußballplatz, schaffte es in die Kreiswahl und lief sogar für die Mittelrheinauswahl auf den grünen Rasen.

Spiel im Wankdorf-Stadion in Bern

1970 durfte der Jupp in der A-Jugendauswahl gegen das Schweizer A-Jugendteam im Berner Wankdorf-Stadion antreten. Genau in der Fußballarena, in der 16 Jahre zuvor die deutsche Nationalmannschaft unter Sepp Herberger die Weltmeisterschaft geholt hatte. „Das war wie ein Traum“, erinnert sich Bläser. „Wir haben das Vorspiel des Schweizer Pokalfinales bestritten und waren sogar in derselben Kabine wie die Helden von Bern.“

Noch bevor er seine Lehre als Maler und Lackierer mit 17 Jahren abschließen konnte, wurden „Späher“ des 1.FC Köln auf das Talent aufmerksam. Die „Geißböcke“ verpflichteten Bläser vom Fleck weg für die eigene A-Jugend. Einzige Bedingung: Zunächst musste er seine Lehre abschließen. „Ich werde Profi-Fußballer“, erklärte er seinem damaligen Chef, der ihn stets tatkräftig bei all seinen fußballerischen Unternehmungen unterstützt hatte. Gemeinsam mit dem Dürener Harald Konopka und den späteren Bundesliga-Assen Herbert Hein, Herbert Neumann und Jürgen Glowacz wurde der „Eisenfuß aus Merzenich“ noch im gleichen Jahr ungeschlagen Deutscher Meister bei den A-Jugendlichen (1971). „Wir haben im Fürther Ronhof den 1. FC Nürnberg mit 3:1 Toren geschlagen“, erzählt Bläser.

21 Bundesliga-Einsätze für Köln

Eine Saison später wurden er und Konopka als Profis übernommen. Auf insgesamt 21 Pflichtspiele in der Bundesliga brachte es der knallharte „Vorstopper“. Mit allen Freundschafts-, Vorbereitungs- und Testspielen zog Bläser in rund 100 Begegnungen das Trikot der Geißböcke über. Während seiner drei Jahre in Köln wurde der Jupp auch Deutscher Vizemeister.

Der unvergessene FC-Trainer „Tschik“ Cajkovski, zählte seinen Abwehr- und Mittelfeldspieler Josef Bläser damals zu den „größten Talenten des deutschen Fußballs“, der ohne Hemmungen auch gegen die Superstars Wolfgang Overath, Heinz Flohe, Rüdiger Abramczik, Rolf Rüßmann oder Klaus Fischer zu Werke ging. Da aber für den Blonden mit dem großen Kämpferherz kein Stammplatz zu ergattern war (Nationalspieler Wolfgang Weber spielte auf seiner Position in Köln) konnte der Bundesligist den 21-jährigen Spieler nicht lange halten. Im Sommer 1974 wechselte der Kicker, der von den Fans der Südkurve nur der „eisenharte Jupp“ genannt wurde, für die Ablösesumme von 200 000 Mark in die Zweite Liga zu Alemannia Aachen. „Ich hatte das ewige Bankdrücken einfach satt“, berichtet Bläser.

Am Aachener Tivoli bildete der harte Abwehrchef zusammen mit Klaus Dieter Sieloff ein hervorragendes Stopper-Gespann. Aber das Umfeld war alles andere als gut. „Während meiner knapp fünf Jahre in Aachen hatten wir fünf verschiedene Trainer. Hatte man sich auf einen eingestellt, wurde einem über Nacht schon wieder sein Nachfolger präsentiert. Unglaublich, was da am Tivoli los war“, erinnert sich Bläser. Wenn mal kein Geld da war, um die Spielergehälter zu zahlen, wurden einfach die Hartgeldrollen aus den Stadionkassen als Abschlagszahlungen verwendet.

Nach schweren Differenzen mit der Vereinsführung (Bläser hatte sich als Schlagerstar in einer Disco versucht und war von einem Bild-Reporter abgelichtet worden) kam das Angebot des LASK (Linzer Athletik-Sport-Klub) gerade recht. Die Österreicher hatten gerade den Sprung in die erste Division geschafft und Spielervermittler Wolfgang Fahrian (selbst Nationaltorhüter bei der WM in Chile) fädelte den Wechsel ein. „Die brauchen einen deutschen Vorstopper, der alles wegnagelt“, lautete die Ansage von Fahrian. Und sie wollten unbedingt den 26-Jährigen aus Aachen. „Das Angebot war so unglaublich gut, dass ich nicht ablehnen konnte,“ lacht Bläser.

Populärer Stopper in Linz

Gleich in der ersten Saison gab es einen 2. Platz, der die Teilnahme am Uefa-Cup brachte. Bläser hatte großen Anteil am Erfolg der Linzer Mannschaft, für die er drei Jahre spielte. Zusammen mit Edi Krieger und Kurt Nagl gehörte der strohblonde Deutsche zu den populärsten Spielern beim LASK. Dennoch wurde sein Vertrag 1982 nicht verlängert.

Da sich kein Verein fand, der die stolze Ablösesumme von 100 000 Mark bezahlen wollte, wurde der Jupp wieder Amateurfußballer. Für eine Kopiermaschinenfirma arbeitete in Dachau und spielte noch einige Jahre für den TSV und den ASV Dachau. Nach Ausflügen in die Selbstständigkeit als Tierheimleiter oder Grußkartenverkäufer verdient er jetzt als Goldankäufer seine Brötchen. Mit seiner Ehefrau Sabina (die lange Jahre als Chefsekretärin beim ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber in München arbeitete) sowie vier Hunden lebt der „Jupp“ heute in Thumhausen bei Nittendorf.

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