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Elektrotechnik

SGB-SMIT ist stille Spitze der Stromwelt

Der führende Trafo-Hersteller aus Regensburg hat Perspektiven, von denen gerade der Nachwuchs profitieren kann.
Von Roman Hiendlmaier, mz

Zwei Mitarbeiter-Generationen, eine glänzende Perspektive: Die Transformatoren, die SGB-SMIT unter der Leitung von Harald Mayerhofer (l.) und Johann Hörandner vertreibt, erfreuen sich weltweit großer Nachfrage. Foto: Lex

Regensburg. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die im Regensburger Stadtteil Burgweinting seit mehr als 60 Jahren geschrieben wird: Knapp 500 Mitarbeiter fertigen dort Transformatoren, die zu den besten ihrer Art weltweit gehören. Der Standort ist Sitz der SGB-SMIT-Gruppe, eines führenden internationalen Anbieters von Leistungstransformatoren. Das Spezialgebiet der Unternehmensgruppe mit Standorten in Regensburg, Sachsen, den Niederlanden, Malaysia und den USA sind Transformatoren bis zur Größe eines Einfamilienhauses. Für Fachleute: Leistungstransformatoren mit bis 1000 MVA Leistung und 800 kV Betriebsspannung.

Die bis zu 600 Tonnen schweren Kolosse wandeln etwa in Kraftwerken Generator-Spannung so um, dass der Strom in die Übertragungsnetze eingespeist werden kann. „Unsere Kunden sind Energieversorger, Industrieunternehmen oder Windkraftanlagen-Hersteller, aber auch Anlagenbauer, Stadtwerke und Verkehrsbetriebe rund um den Globus. Sie setzen unsere Trafos dort ein, wo Zuverlässigkeit besonders wichtig ist, wie in U-Bahnen, Krankenhäusern, Rechenzentren und in der gesamten Stromversorgung“, sagt Harald Mayrhofer, Mitglied der Geschäftsführung der Gruppe mit dem etwas sperrigen Kürzel-Namen SGB-SMIT.

80 Millionen Euro investiert

Dieser sei dem Wachstum und der Tradition des Unternehmens geschuldet, erklärt Mayrhofer. Er entstand zur Jahrtausendwende, als die damalige RWE-Tochter SGB Regensburg durch das niederländischen Traditionsunternehmen SMIT verstärkt wurde. „SMIT ist mit knapp 100 Jahren sogar noch älter als SGB. Zusammen ergibt das ein geballtes Know-how, auf dem unser Erfolg zum großen Teil fußt.“

Wie viele andere deutsche Hersteller verkauft auch SGB-SMIT am Weltmarkt nicht allein über den Preis, sondern vor allem über die Faktoren Individualität, Qualität und Zuverlässigkeit. „Es gibt am Transformatoren-Markt unterschiedliche Qualitätslevel – wir sind an der Spitze der höchsten Kategorie zuhause“, so Mayrhofer. Im harten Energiegeschäft seien „Made in Germany“ und „Made in the Netherlands“ nach wie vor ein gutes Verkaufsargument. Der Manager ergänzt: „Wenn sich die Kunden ausrechnen, was sie der Ausfall eines Transformators kosten würde, entscheiden sie sich häufig für unser Angebot.“

In den vergangenen Jahren muss diese Entscheidung oft pro SGB-SMIT gefallen sein. Seit Jahren wächst der Umsatz der Gruppe, teilweise sogar zweistellig. Die Zahl der Mitarbeiter stieg in der Gruppe auf 1400, davon 470 in Regensburg. In den vergangenen drei Jahren wurden rund 80Millionen Euro investiert, zum größten Teil in die Erweiterung und Modernisierung der Produktionsanlagen.

Mayrhofer sieht gute Chancen, dass die nun einem Finanzinvestor gehörenden Trafo-Experten weiter wachsen: „Der Bedarf ist da und unsere Position stimmt.“ Zudem sei die finanzielle Basis vorhanden, um auch über Akquisitionen wachsen zu können.

Die gesamte Elektrotechnik-Branche dürfte in Zukunft davon profitieren, dass in Europa die Netze zunehmend in die Jahre kommen. „Von rund 8000 Mittelleistungstransformatoren in den Umspannwerken ist etwa die Hälfte bereits 40Jahre oder älter“, sagt Mayrhofer. Branchenexperten bemängeln, dass die Netzbetreiber seit Jahren zu wenig in den Ausbau investiert haben. Fachleute taxieren den künftigen Bedarf an neuen Stromautobahnen allein in Deutschland inzwischen auf bis zu 4400 Kilometer.

Regensburg bleibt der Hauptsitz

Aber die Stromnetze müssen im Zuge künftiger Anforderungen nicht nur erneuert, sondern auch flexibler werden – das Stichwort lautet „Smart Grid“: „Die Energieerzeugung von zentralen Großkraftwerken auf hunderte oder tausende kleine Erzeugungsstellen umzustellen, ist eine riesige Herausforderung“, sagt Mayrhofer. Man könnte aber auch sagen, die Energiewende ist ein riesiger Kuchen, von dem sich viele eine Scheibe abschneiden wollen: Laut Schätzungen des Marktforschungsinstituts Pike Research werden bis 2020 in Europa Investitionen in Höhe von rund 56 Milliarden Euro in die Netze fließen.

„Für solche Potenziale brauchen wir jetzt unbedingt gute Leute“, sagt Mayrhofer. Die Ausbildungsquote im Unternehmen liegt bei acht Prozent und könnte auch noch steigen, wenn sich motivierter Nachwuchs findet. Am Hauptsitz Regensburg werde nicht gerüttelt, der Ausbau von Kapazitäten im Ausland – etwa in Malaysia und den USA – erfolge mit Blick auf die dortigen Marktchancen.

Die im Gegensatz zu Konzernen flachen Hierarchien sorgten dafür, dass sich Azubis nach der Lehre rasch Karrierechancen böten, wenn sie Verantwortung übernehmen wollen und flexibel sind. Mayrhofer erzählt die Geschichte eines tüchtigen 27-Jährigen, dem er eine verantwortungsvolle Position in der Niederlassung in Malaysia angeboten habe: „Der junge Mann schwankte zunächst, hat dann aber kurzerhand seine Freundin geheiratet und ist gemeinsam mit ihr nach Kuala Lumpur gegangen.“

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