Chamer Kreistagsbeschluss
Cham erhöht Preis: Das Wasser aus der Leitung wird wertvoller

21.11.2023 | Stand 21.11.2023, 15:27 Uhr |

Das Wasser wird teurer: Deutlich mehr müssen die Kunden der Kreiswerke ab 1. Januar 2024 zahlen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Wer sein Wasser im Haus über die Kreiswerke bezieht, der muss künftig erheblich tiefer in die Tasche greifen als bisher. Es geht von netto 1,55 Euro je Kubikmeter Trinkwasser auf 2,15 Euro (2,30 Euro brutto). Das hat der Kreistag bei einer Gegenstimme beschlossen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Alle zwei Jahre werde neu kalkuliert, so Kreiswerkechef Klaus Amberger im Kreistag. Grundlage für 2024/25 seien die Jahre 2021/22 und 2023. Es gebe hier eine Unterdeckung von 123000 Euro. Der Strompreis sei ein Faktor, der maßgeblich gewesen sei und auch weiterhin ein schwieriges Thema ist.

Denn, wie Amberger erläuterte, gab es bei der ersten Sammelausschreibung kein wirtschaftliches Angebot für den Stromverbrauch der Kreiswerke im Bereich Wasser. Bislang wüssten die Kreiswerke nicht, wie hoch der Strompreis am Ende ausfalle – man rechne mit 18 Cent je Kilowattstunde zuzüglich aller weiteren Steuern und Gebühren. Und man wisse auch nicht, ob der Wirtschaftsstabilitätsfonds des Bundes, der bei zu hohen Preisen einspringt, komme oder nicht, erläuterte Amberger.

Man wolle in jedem Fall die Eigenstromnutzung ausbauen, was zunächst auch Investitionen koste, wie auch die Pumpen effizienter machen. Zudem kämen 2024 gestiegene Lohnkosten auf die Kreiswerke zu. Daher die Anhebung.

Kreisrat Marius Brey von den Linken stimmte dagegen, nachdem er eine Sozialtarif angemahnt hatte. Landrat Löffler meinte, dafür gebe es Bürger- und Wohngeld.

Vhs im Auf und Ab

Nach einem Minusjahr 2020 mit 133000 Euro Defizi folgte 2021 ein positives Jahresergebnis. Für 2022 hat die Jahresrechnung wieder rote Zahlen ausgewiesen. Und auch 2023 wird wohl wieder ein Negativergebnis ausgewiesen, obwohl mit einem ausgeglichenes Ergebnis von Seiten der Geschäftsführung gerechnet worden war. Die Zahlen wurden am Montag im Kreistag präsentiert.

Ein Defizit von voraussichtlich 251000 Euro hatte sich im Jahr bis August angesammelt. Als Hauptgründe führen die Verantwortlichen die gestiegenen Strompreise wie die ebenso gewachsenen Heizungskosten an. Zudem habe man mehr Personal aufgrund der Zunahme der Flüchtlinge, etwa für Deutschkurse, anstellen müssen. Die Vhs, die neben den Bildungsangeboten für Bürger auch fünf Berufsfachschulen verantwortet, bekommt dafür vom Landkreis einen Kostenzuschuss in Höhe von 10000 Euro, der je nach Bedarf verteilt werden können. Zudem hat der Kreistag einen Zuschuss für die Dachsanierung bei einem Vhs-Gebäude beschlossen. Fast 400000 Euro werden aus der Landkreiskasse dorthin fließen.

Für 2023 werden der Vhs ein Sockelbeitrag von 40000 Euro zugesprochen, während das Mehrgenerationenhaus in Waldmünchen ebenfalls als Teil der Erwachsenenbildung 4000 Euro erhält. Dazu bekommt die Vhs einen möglichen Restbetrag von 160000 Euro, je nach Nachweis.

Kosten durch Lohnzuwachs

„Das sind Tarifsteigerungen, die ich so noch nicht gehabt habe, solange ich hier bin“ – Landrat Franz Löffler nahm die Kreistagseröffnung zum Anlass, um die aktuelle Lage anzusprechen.

Die zehn Prozent plus, die da 2024 kämen, werde viel kosten. Dazu kämen erhöhte Energiekosten und die Inflation. Erstmals wieder werde sich daher der Bezirk für Investitionen neu verschulden. Landesweit sei außerdem erstmals eine Abschwächung der Steuerkraft absehbar: „Man kann nicht mehr aus dem Vollen schöpfen!“

Dazu komme das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das eine Lücke von 60 Milliarden aufmache. „Das sehe ich mit Sorge“, so Löffler. Komme die Schuldenbremse, fielen die Folgen schnell nach unten bis auf die Kommunen durch, befürchtete der Landkreischef.