Die Triathlon-WM hat Konsequenzen
Die Bilanz eines Tristar-Trios: Ein Honigkuchenpferd und zweimal Horror

29.11.2023 | Stand 01.12.2023, 10:32 Uhr |

Auf Hawaii lief es für Nadine Scherübl so gut, dass sie nicht noch ein zweites Mal hin will und muss. Foto: Scherübl

Rückblick und Ausblick sind in den Novembertagen bei Sportlern fällig – auch bei den drei Tristar-Aushängeschildern, die es heuer bis zu den Langdistanz-Weltmeisterschaften über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dem 42-Kilometer-Abschlussmarathon im legendären Hawaii und Nizza schafften.

Die produzierten Geschichten für das Triathlon-Trio Nadine Scherübl, Jochen Stöberl und Anselm Groda fielen höchst unterschiedlich aus, auch die Konsequenzen für 2024 sind es.

Wenn Scherübl beginnt, über Hawaii zu sprechen, ist das Honigkuchenpferd-Grinsen sofort zurück. „Es ist genauso, wie man es 100 Mal gelesen hat. Ich habe das Grinsen eine Woche nicht aus dem Gesicht gebracht. Man schwebt auf Hawaii“, sagt der WM-Neuling, die in der Hoffnung eines Wettkampf-Genusses begleitet von Vater und zwei Freunden die weite Reise antrat und – überraschenderweise genau den erlebte. „Ich hatte einen Sahnetag.“

Noch eine letzte Langdistanz

Das erleichtert auch den Entschluss fürs neue Jahr, eben „weil ich einen so guten Tag hatte“. Wie vorher geplant, soll es nach Roth gehen. „Aber das ist dann vorerst meine letzte Langdistanz. Das Training nimmt einem auf Dauer einfach zu viel“, sagt die Bauingenieurin. Auch wenn es schon trotzdem extrem bleiben muss. „Neben Roth habe ich mit dem Transalpinlauf noch ein zweites Ziel“, gibt die 28-Jährige zu, die auch Teil des Tristar-Zweitligateams bleibt. „Das macht viel Spaß und da bist du mal nicht alleine. Und wir haben jetzt ja sogar ein zweites Damenteam.“ Klub-Chef Markus Maier freut obendrein, dass Tristar wieder ein Herrenteam ins Rennen schicken kann. „Da fangen wir unten an und auch in der Jugend bildet sich was.“

Die Herrenstarter Jochen Stöberl (44) und Anselm Groda (58) waren bei der WM-Premiere in Nizza dabei, weil die Ausrichterorganisation Ironman ob der Starterflut die Geschlechter auf Hawaii nur noch im Wechsel antreten lassen kann. „Nizza wird nie ein Hawaii werden. Das war in keiner Weise vergleichbar“, berichtet Stöberl. Groda sieht es ein bisschen wohlwollender. „Für mich war‘s besser, als ich es erwartet hatte. Aber klar, den Mythos von Hawaii wird man sonst nirgends auf der Welt hinkriegen.“

Über ihr Abschneiden decken beide eher den Mantel des Schweigens. „Für mich war der Wettkampf nach 40 Kilometern auf dem Rad beendet. Ich habe einfach keine Verpflegung in mich reingekriegt und zwölf Liter Cola, glaube ich, getrunken. Das hat immer wieder kurz gehalten, aber dann war’s vorbei“, erzählt Stöberl, der schon geknickt angereist war, weil die Auswertung einer Leistungsdiagnostik zehn Tage vor Nizza deprimierende Ergebnisse brachte. „Das zu machen war ein Fehler: Denn die war genauso wie im Januar.“

Die Folge: „Sonst schaust du auf dem Rad ja nur nach unten und vorne. Diesmal habe ich sogar was von der Landschaft mitgekriegt.“ Ganz konkrete Konsequenzen gibt es auch: Stöberl, der auf der Suche nach dem „perfekten Rennen“ bleibt, wechselt zu Wolfgang Schmatz als Trainer und schiebt die angedachten Langdistanz-Starts in Frankfurt und Hamburg auf 2025. „Ich mache 2024 nur zwei, drei 70.3.-Wettkämpfe, also Halbdistanzen.“

Ganz anders geht es Anselm Groda an, der den Wettkampf auch nur halb gehend, halb laufend und nach 50-minütiger Liegend-Pause zu Ende brachte („Am Anfang lief es ja noch gut. Da lag ich zwischen drei und sieben. Aber es war nicht mein Tag“), aber im Juni wieder nach Nizza will. „Ich will die Rechnung sofort begleichen – also, wenn‘s die Sehne zulässt“, sagt der 58-Jährige. „Momentan bin ich ja verletzt.“

Eine Oper als Vorbereitung

Ein fürs Frühjahr gebuchtes Ticket für eine Oper würde dann zur Vorbereitung dienen. „Madame Butterfly wird in Nizza gespielt. Das wollte meine Frau sehen. Und ich kann ja vielleicht einen Tag die anspruchsvolle Radstrecke abfahren.“

Infos zur Triathlon-WM

Nadine Scherübl
belegte auf Hawaii in 10:24:38 Stunden (1:08:00, 5:23:48, 3:43:45) auf Platz 18 in der Altersklasse 25 bis 28 und Gesamtplatz 137.

Jochen Stöberl landete in der Altersklasse 40 bis 44 in11:08:53 Stunden (1:02:59, 5:58:36, 3:58:41) auf Rang 87 und Gesamtplatz 504.

Anselm Groda fand sich ebenfalls in Nizza nach 12:47:50 Stunden (1:02:10, 5:55:07, 5:42:32) in der Altersgruppe 55 bis 59 auf Rang 81 (Gesamt 1280).