Weil am Ende nur die Zeit zählt
Die Marathon-Asse aus Regensburg müssen Frankfurt erst verdauen

30.10.2023 | Stand 30.10.2023, 17:36 Uhr |

Auf der Ziellinie huschte Miriam Dattke zumindest noch ein kleines Lächeln über die Lippen.

„Was haben wir nur verbrochen, dass wir immer solche Bedingungen erwischen.“ Trainer Kurt Ring klang verzweifelt ob der gescheiterten Pläne seiner Regensburger Aushängeschilder beim Frankfurt-Marathon.

Statt einer 2:07 stand bei Simon Boch eine 2:12 in der Ergebnisliste. bei Miriam Dattke war‘s eine 2:28:12 statt der angepeilten Zeit unter 2:25 Stunden. Dass beide damit als Neunter und Elfte beste Europäer waren, spendete wenig Trost – die Olympia-Ambitionen sind zwar noch nicht erledigt, aber in die Ferne gerückt.

„Es konnte ja keiner ahnen, dass die Straße plötzlich wie Schmierseife wird. Wir hatten die Profilsohle von Wanderschuhen und sind trotzdem gerutscht“, berichtete Ring als Vor-Ort-Beobachter von den Verhältnissen mit zusätzlichem Wind, der allgemein Topzeiten erschwerte. So hielt Dattke trotz aller Probleme („Bei Kilometer 33, 34 war der Stecker raus“) mit Matea Parlov Kosta (2:28:37) immerhin die Vize-Europameisterin in Schach.

In Ruhe zusammensetzen

„Spät rauszugehen hätte psychisch noch mehr Schaden angerichtet“, sagt Kurt Ring über seine Schützlinge, die in Frankfurt liefen, weil ein Infekt den Start in Berlin verhindert hatte. „Keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht. Da müssen wir uns erst in Ruhe zusammensetzen. Aber wenn sie Profis sein wollen, dann müssen sie da durch.“

Auch der deutsche Rekordhalter Amanol Petros, der den mit leerem Blick im Ziel sitzenden und später Tränen vergießenden Simon Boch tröstete, empfahl schon im TV-Interview beim Hessischen Rundfunk: „Da muss man mental stark bleiben. Es gibt immer noch Chancen.“

Am Tag danach verdauten die beiden Protagonisten der LG Telis Finanz die Geschehnisse noch. „Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich nicht vielleicht doch ausgestiegen bin. Irgendwie habe ich mich nie ganz wohl gefühlt, habe aber der Gruppe vertraut“, erzählt Simon Boch. „Und irgendwo bei 30, 32 Kilometer hat es dann doch peng gemacht. Ich hatte ja einen begleiter, der in Wien eine 2:07 gemacht hat. Und auch der war plötzlich weg. Miri und mich hat die hintere Muskulatur, die man nach dem Wegrutschen dauernd brauchte, gekillt.“

„Auf lange Sicht extrem wichtig“

Auch Miriam Dattke haderte noch mit sich. „Aussteigen, weiterlaufen: Ich habe dauernd überlegt. Aber ich wollte ja auch in diese Halle reinlaufen. Und ich glaube, dass es für Simon und mich auf lange Sicht extrem wichtig sein kann, dass wir trotzdem ins Ziel gekommen sind. Wir sind ja beide nicht die erfahrensten und noch junge Marathonläufer.“

Für Dattke, die befand, dass auch die hohe Aufmerksamkeit, die das Telis-Duo in Frankfurt genoss, „eine Ausnahmesituation für uns beide war“, bleiben auch die 10000 Meter eine Option. „Aber das war schon vor Frankfurt klar, dass ich das 2024 mache. Ich will meine Unterdistanzen nicht vernachlässigen.“