Idee
Bald fließt Wein aus Barbing

Vier Freunde haben vor der Barbinger Auburg Reben gepflanzt. Mit biologischem Anbau soll ein edler Tropfen entstehen.

06.06.2018 | Stand 16.09.2023, 6:09 Uhr

Robert Gerl und seine Freunde Christian und Martin Eicher sowie Bernd Kalbas (von rechts) haben vor der Auburg Weinreben gepflanzt. Foto: Lex

Robert „Rob“ Gerl, Christian und Martin Eicher sowie Bernd Kalbas sind vier echte Kumpels: in unregelmäßigen Abständen treffen sie sich, um über Gott und die Welt zu plaudern oder einfach nur mal ein Bier oder – besser gesagt – einen Wein miteinander zu trinken. Da Christian Eicher seit geraumer Zeit seinen eigenen Wein (Spätburgunder und Zweigelt) bei sich zuhause anbaut und bei einer Wanderung zu ihm die anderen drei Kameraden seinen selbst gemachten Wein probieren durften, kamen sie auf die Idee, selbst Wein anzubauen. Aber nicht irgendwo, sondern vor der Auburg.

Die Auburg ist seit Jahren im Besitz von Robert Gerl, der sie zusammen mit einigen Mitstreitern vor dem Verfall retten konnte. Für diesen Einsatz bekam Gerl vom Landkreis Regensburg 2016 den Denkmalschutzpreis. „Ob wir mit unserem Wein einen Preis gewinnen werden, kann ich nicht sagen. Wir arbeiten daran“, meint er augenzwinkernd.

Drei Jahre bis zur ersten Lese

Auf 740 Quadratmetern haben die vier Männer zusammen mit einigen Helfern jetzt Weinreben gepflanzt und man sieht erste Erfolge. „Es wird bestimmt noch drei Jahre dauern, bis wir die erste Weinlese haben werden. Doch es sieht sehr gut aus. Wir geben uns größte Mühe“, sagt Christian Eicher. Die Auburger Winzer haben sogar eine Bodenanalyse erstellen lassen. Sie sollte klären, ob es sinnvoll sei, hier Wein zu pflanzen.

Und in der Tat ist dieser Boden besonders geeignet.

„Hier laufen die Hühner herum. Das sind natürliche Schädlingsbekämpfer, und in dem Boden haben wir Haarmehlpellets eingebracht, damit der Wein besonders gut wächst.“Robert Gerl

„Alles hier ist biologisch. Hier laufen die Hühner herum. Das sind natürliche Schädlingsbekämpfer, und in dem Boden haben wir Haarmehlpellets eingebracht, damit der Wein besonders gut wächst“, sagt Robert Gerl. Damit der Wein in guter Nachbarschaft gedeihen kann, wurden diverse Wiesenblumen und Kräuter entlang der Rebstauden gepflanzt, die bereits jetzt viele Bienen und Hummeln anlocken. „Früher hatten wir hier natürliche Wiesen mit Kräutern und Blumen aller Art. Durch die Landwirtschaft wurde das alles zurückgedrängt. Aber mit dieser Maßnahme können wir vielleicht das Rad ein wenig zurückdrehen“, meint Gerl.

Absolut wichtig war von Anfang an die Wahl der angebauten Weinsorten. Es sollten vor allem Rebsorten sein, die eine gewisse Pilzresistenz vorweisen können. „Wir haben hier sehr lange gerätselt und sind schließlich zu dem Schluss gekommen, dass wir zwei Drittel Weißwein und ein Drittel Rotwein anbauen werden – es handelt sich hier um neue Sorten“, erklärt Christian Eicher. Von der Lage her könnte es ein sehr guter Wein werden, denn nahe der Auburg weht immer ein leichter Wind. Derzeit kann man am Tag mindestens mit zwölf Sonnenstunden rechnen. Der Wind lässt alles gut abtrocknen. „Es ist hier schon fast wie im Süden. In diesem Jahr brauchen wir uns nicht vor Italien oder Spanien zu verstecken. Teilweise ist es hier wärmer als dort“, freut sich Bernd Kalbas.

Qualität geht vor Quantität

Den vier Winzern geht es vor allem um Qualität, weniger um Quantität. „Unser Anspruch ist es, dass wir es schaffen, einen guten Wein zu kreieren. Mit der Bio-Dynamik hoffen wir auf bessere Ergebnisse“, sagt Eicher. Nur rund acht Prozent aller weinproduzierender Betriebe in Deutschland setzen auf Bioanbau. Doch den vier Winzern aus Auburg ist das egal – ihnen ist es wichtig, die Umwelt zu erhalten und im Einklang mit ihr einen edlen Tropfen zu produzieren. Das Credo heißt: Hobby, nicht Wirtschaftlichkeit!

Eine kleine Anekdote konnte Burgherr Gerl dann doch noch aus dem Hut zaubern: „Als wir die ersten Reben gepflanzt hatten, setzte sich ein Storch auf das Dach und schaute uns zu. Einen Tag später gingen die ersten fünf Knospen auf. Ich denke mal, das war ein positives Zeichen für uns, weiter an unserem Wein zu arbeiten.“

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