Berufswahl
Der Ausbildungsmarkt im Landkreis Cham entwickelte sich positiv

07.11.2022 | Stand 15.09.2023, 3:00 Uhr
Gesprächsrunde zur Ausbildungsbilanz 2022 im Landratsamt mit Vertretern der Agentur für Arbeit, aus der Wirtschaft und von den Schulen −Foto: Ferdinand Schönberger

„Die Ausbildung junger Menschen zu Fachkräften ist eine Investition in die Zukunft des eigenen Unternehmens.“ Mit diesen Worten von Landrat Franz Löffler lässt sich das Ergebnis einer Gesprächsrunde zusammenfassen, zu der er gestern Vertreter des Netzwerks aus Wirtschaft und Bildungseinrichtungen ins Landratsamt geladen hatte.

Sei es vor 15 Jahren noch ein Problem gewesen, Schulabgänger als Auszubildende unterzubringen, so habe sich das total verändert: wegen des demografischen Wandels, aber auch wegen der Entwicklung des Landkreises mit seinem phänomenalen Zuwachs an Arbeitskräften.

2,3 Stellen pro Bewerber

Der Ausbildungsmarkt im Landkreis, so Bernhard Lang, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Schwandorf, habe sich im Zeitraum von Oktober 2021 bis September 2022 trotz angespannter Wirtschaftslage sehr positiv entwickelt. Während die Zahl der Bewerber für eine Ausbildungsstelle um 14,4, Prozent auf knapp 590 Personen gesunken sei, vermeldeten die Arbeitgeber mit 1746 Stellen 163 mehr als im Vorjahr. Für dieses hohe Engagement sprach Lang den Betrieben seinen Dank aus. Somit standen jedem Bewerber statistisch gesehen 2,3 Stellen zur Verfügung. Für Unternehmen, die enormen Bedarf hätten, sei die Suche nach Auszubildenden schwieriger geworden. Der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter stehe ihnen hier zur Seite.

13 Prozent der gemeldeten Bewerber hätten (Fach-)Abitur. Durch das durchlässige Bildungssystem sei mit dualer Ausbildung beruflicher Aufstieg möglich. Um ihre berufliche Heimat zu finden, sei für die Jugendlichen eine gute Berufsorientierung entscheidend.

Landrat Löffler gab in seinem Statement zu bedenken, dass diese Zahlen für Bewerber gelten, die über die Agentur für Arbeit liefen. Die tatsächlichen Zahlen, derzeit nur geschätzt, seien mit bis zu 1000 weitaus höher. Der Landkreis sei angesichts effektiver Maßnahmen wirtschaftlich gut durch die Coronazeit gekommen. Im ersten Halbjahr habe man beim Gewerbeaufkommen den Höchststand aller Zeiten erreicht, auch in der Zahl der Arbeitsplätze. Man sei in verschiedenen Branchen breit aufgestellt und dadurch widerstandsfähiger: „Bekamen früher andere eine Grippe, hatten wir gleich einen Herzinfarkt.“ Diese Zeiten seien vorbei.

Dennoch bleibe eine Herausforderung, wenn jährlich 1,2 Millionen Menschen in Rente gehen und die Schulen 700 000 Schüler/innen in den Arbeitsmarkt entlassen. Es gelte zum einen, dass die Azubis in der Region ihre Zukunft sehen, und sie zu halten, zum anderen, möglichst auch von außen – aus Tschechien – Potenzial hereinzuholen. Täglich kämen 5500 Fachkräfte von dort. Richard Brunner von der IHK Geschäftsstelle Cham berichtete von einem Zuwachs von zwei Prozent bei den Auszubildenden - erstmals wieder über 500 im Landkreis. Bereits im dritten Jahr habe man einen positiven Blickwinkel mit Wachstum ohne Einbrüche in den einzelnen Berufen. Technische Berufe (Metall, Elektro) stehen an der Spitze, was den Landkreis als starker Industriestandort bestätige. Im kaufmännischen Bereich sei der Industriekaufmann gefragt.

Die Gastrobranche, die eindrucksvoll vorgemacht habe, dass Jammern nichts bringe, sondern gemeinsame Maßnahmen, konnte 30 Prozent mehr Auszubildende vermelden. Auch Brunner bestätigte den wachsenden Bereich von Schulabgängern mit Hochschulreife, die eine Berufsausbildung beginnen.

Insgesamt sei es notwendig, die Eltern als entscheidende Kraft gezielt anzusprechen, sich in dieser wichtigen Lebensentscheidung ihrer Kinder aktiv mit einzubringen und Rückendeckung zu geben, wenn statt eines Studiums eine Berufsausbildung gewählt wird.

Von leicht zurückgehenden, doch stabilen Zahlen bei den Auszubildenden sprachen Georg Braun und Rosmarie Tragl-Kraus von der Kreishandwerkerschaft. Dennoch sei die Lage so gut wie nie und die Ausbildungsbereitschaft nach wie vor groß. Alfons Weiß vom Bayer. Hotel- und Gaststättenverband ging auf die Ausbildungsreform mit sieben neuen Berufen ein. Im Vergleich zu 2021 seien 30 Prozent mehr Ausbildungsplätze geschaffen worden: für jeden in jeder Ausbildungsfasson.

19 offizielle Bauberufe

In der Bau-Innung bilden 50 von 65 Baubetrieben regelmäßig aus, wie Obermeister Franz Wilhelm erklärte. 19 offizielle Bauberufe stünden zur Verfügung und dass ein Maurer sein eigenes Haus bauen könne, sei eine große Motivation bei der Nachwuchsgewinnung. Thomas Sponfelder vom Kolping-Bildungswerk sieht seine Einrichtung als Schnittstelle zwischen Schule, Handwerk und Betrieben.

Die Berufsschule liefere viele Jahre schon konstante Zahlen, wie Schulleiter Siegfried Zistler ausführte. „Unsere Mittelschüler sind mit ihren 15 Jahren die ersten, die in Arbeit gehen“, hob Johannes Reutner vom Staatlichen Schulamt hervor und lobte die vielen Messen und Wettbewerbe im Landkreis. Wolfgang Kürzinger als Leiter der Agentur für Arbeit schloss mit den Worten: „Wichtig ist, dass die Leute in der Region bleiben.“