Öffentlicher Dienst
Tarifstreit: 650 Streikende ziehen durch Regensburg

17.02.2023 | Stand 15.09.2023, 1:34 Uhr
Rund 500 Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst zogen durch Regensburg und verliehen ihren Forderungen lautstark Nachdruck. −Foto: Fotos: Tino Lex

Freitagsdemos kennt man von Fridays for Future. An diesem Freitagmorgen aber gingen die Beschäftigten von Medbo und dem Öffentlichen Dienst lautstark auf die Straße. Die Beschäftigten sind ziemlich sauer.



„Statt eines verhandlungsfähigen Angebots hatten die Arbeitgeber von Bund und Kommunen nur fadenscheinige Argumente und Absagen im Gepäck“, bedauert Alexander Gröbner, Geschäftsführer Verdi Bezirk Oberpfalz, die aktuelle Haltung der öffentlichen Arbeitgeber in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst. „Deshalb bringen wir unseren Unmut mit Warnstreiks zum Ausdruck.“ Rund 650 Streikende zogen laut Gewerkschaft von der Medbo aus in Richtung Innenstadt und trafen sich mit anderen Streikenden vor dem Europabrunnen.

Neben den Beschäftigten der Medbo seien auch Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr, des Recyclinghofes, der Straßenreinigung, der Bauhöfe, des Stadtgartenamtes, des Klärwerks und des Kanalunterhalts der Stadt Regensburg aufgerufen, so Gröbner. Darüber hinaus beteiligten sich die Beschäftigten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Donau MDK in Regensburg sowie der Rewag am ganztägigen Warnstreik.

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Verdi droht, Warnstreiks auszuweiten

Verdi fordert die Arbeitgeberseite auf, in der nächsten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen, um eine weitere Ausweitung der Warnstreiks zu vermeiden. „Wir wollen auf dem Verhandlungswege zu einem Ergebnis kommen. Aber die Beschäftigten erwarten deutliche Einkommenssteigerungen und die brauchen sie angesichts der Inflation und der Energiepreissteigerungen in den letzten Monaten dringend“, erklärt Gröbner die aufgeheizte Stimmungslage bei den Beschäftigten.

Die Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten und den geforderten Mindestbetrag von 500 Euro pro Monat sowie 200 Euro mehr für die Auszubildenden lehnten die Arbeitgeber bislang vehement ab. „Gerade in Zeiten hoher Inflation, von der die unteren und mittleren Einkommen besonders betroffen sind, muss es einen deutlichen Ausgleich dafür geben“, betont Gröbner.

Wettbewerbsfähige Einkommen gefordert

Zusätzliche Aufgaben und mehr als 300.000 unbesetzte Stellen lassen die Beschäftigten am Limit arbeiten. „Für einen starken öffentlichen Dienst brauchen wir gute Arbeitsbedingungen sowie wettbewerbsfähige Einkommen“, erklärt Marina Mühlbauer, stellvertretende Geschäftsführerin von Verdi im Bezirk Oberpfalz.

Simon und Bianca von der Verdi-Jugend, zwei Pflegeauszubildende der Medbo, schilderten ihre Situation: „Viele Azubis haben Nebenjobs oder wohnen wegen der hohen Mietkosten noch bei den Eltern.“ Zudem bekämen sie die Ausmaße des Pflegemangels zu spüren. „Es kommt schon mal vor, dass zwei Azubis im zweiten Lehrjahr alleine eine Station mit 24 Bewohnern versorgen und mehrere Überstunden machen müssen.“ So könne es nicht weiter gehen. Es sei mitunter so weit, dass manche aus schierer Überforderung heimlich auf der Toilette weinen. Auch Einsätze in Wäscherei und Küche, die nicht zu Ausbildungsanforderungen passten, seien an der Tagesordnung. Martin Schmalzbauer von Verdi gab sich kämpferisch: „Dies ist nur die erste Welle der Streiks. Die Arbeitgeber sollten ein vernünftiges Angebot abgeben, sonst gehen die Streiks weiter.“