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Telefonzelle wird zum Bücherregal

Studenten der Regensburger OTH richteten in Stadtamhof einen öffentlichen Bücherschrank ein. Dort werden Schmöker getauscht.

14.01.2017 | Stand 16.09.2023, 6:27 Uhr
Am Samstag füllten die Studenten den Bücherschrank am Andreasstadel zum ersten Mal. −Foto: Geradtz

Buch für Buch soll sich die Telefonzelle füllen. 14 Studenten der OTH haben sie aufgestellt. Das Ziel ihres Projekts, das den Namen „Seiten-Wechsel“ trägt: Das am Andreasstadel aufgestellte kleine Häuschen soll zum Umschlagplatz für Bücher werden. Am Samstag wurde der Bücherschrank offiziell eröffnet und zum ersten Mal mit Büchern gefüllt.

Die Idee brachten zwei Studentinnen aus München mit. Dort gibt es mehrere öffentliche Bücherschränke. Passanten dürfen sich aus ihnen bedienen. Wer ein Buch herausnimmt, kann es behalten, zurückstellen oder ein anderes in den Schrank legen. Die Idee gibt es in zahlreichen Städten. In Regensburg ist das Konzept neu.

Projekt wird weitergegeben

Felix Fröhlich, einer der Initiatoren des Regensburger Bücherschranks hofft, dass es immer Nachschub an Büchern gibt. Der Idealfall sei, dass jeder, der eins entnimmt, ein neues in das Regal stellt. Doch das ist keine zwingende Vorgabe. „Wir hatten auch Kontakt mit den Initiatoren des Bücherschranks in Wiesloch. Der wurde gut angenommen“, sagt Fröhlich. Das habe die Gruppe dazu motiviert, sich um das Projekt zu kümmern.

Fröhlich absolviert wie die anderen Projektverantwortlichen den Bachelorstudiengang „International Relations and Management“. Im Seminar „Projektmanagement“ haben sie sich in diesem Semester für die Verwirklichung des Bücherschranks eingesetzt. Um als Studenten-Projekt infrage zu kommen, musste es eine wichtige Voraussetzung erfüllen: Ein externer Partner musste die Idee in Auftrag geben. Der Auftraggeber war in diesem Fall die Stadtbücherei. Die Planung und Ausführung übernahmen die Studenten. Mit der Eröffnung ist aber auch ihre Projektarbeit beendet. Der Verein „Kultür“ betreut den Bücherschrank nun weiter.

Dieser werde sich ab sofort um die Ordnung kümmern, sagt Studentin Johanna Engel. „Kultür wird regelmäßig kontrollieren, wie der Schrank ausschaut und darauf achten, dass unsere Regeln eingehalten werden.“ Denn den Studenten ist wichtig, dass der Bücherschrank auch von Kindern und Jugendlichen genutzt werden kann. Deswegen dürfen keine pornografischen oder rassistischen Bücher angeboten werden.

Schwierige Standortwahl

Felix Fröhlich sagt, dass die größte Herausforderung gewesen sei, einen geeigneten Standort zu finden. Die Altstadt wäre wegen der geltenden Unesco-Richtlinien nicht infrage gekommen. Andere öffentliche Orte mussten wegen zu langer Genehmigungsverfahren ausgeschlossen werden. „Wir hatten schon die Befürchtung, dass wir keinen Ort mehr finden“, erklärt Fröhlich. Die Zeit drängte, denn die Projektverantwortlichen gehen bald studienbedingt für ein Jahr ins Ausland.

Den Andreasstadel hält der Mitinitiator aber für einen guten Platz. Vor allem im Sommer käme die gute Lage an der Donau zum Tragen. Seine Kommilitonin Engel stimmt ihm zu. Sie hofft darauf, dass die Gäste des Restaurants das Angebot für sich entdecken. „Vielleicht leihen sie sich in der Zeit, in der sie einen Kaffee trinken, ein Buch aus“, sagt sie.

Die Telefonzelle soll sich in die Natur einfügen. In den nächsten Tagen wird der Graffiti-Künstler Marius Dominic Altmann, der auch unter seinem Pseudonym „Madhu“ bekannt ist, noch einmal Hand anlegen. Dann wird das Häuschen die Optik eines Bücherregals auf der einen Seite und die eines Baums auf der anderen Seite verpasst bekommen.

Zur Einweihung des Schranks organisierten die Studenten eine Lesung mit den Autoren Sabine Eva Rädisch und Harald Grill.

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