Polizeikontrollen am Arber
Ü 50-Motorradfahrer sind die neue Gefährdungsgruppe

16.08.2022 | Stand 15.09.2023, 3:59 Uhr |
Insgesamt wurde die Kontrollaktion gut angenommen, in der Mitte stehend Einsatzleiter Manuel Baumer −Foto: Maria Frisch

Im Landkreis Cham passierten in der laufenden Motorradsaison schon 19 Unfälle, bei denen Motorräder beteiligt waren oder von diesen verursacht wurden. „Der Hauptgrund ist die zu hohe Geschwindigkeit“, weiß Polizeihauptmeister Manuel Baumer.

Er war am Sonntag von 12 bis 17 Uhr Einsatzleiter beim Kontrolltag auf der beliebten Motorradstrecke zum Arber. „Von den 19 Unfällen wurden bei acht die Fahrer bzw. Mitfahrer schwer verletzt. Leider waren auch zwei Todesfälle darunter - bei Chamerau und in Waldmünchen“, bedauerte Baumer.

Die Kontrollaktion sollte den Motorradfahrern die Gefahren wieder bewusster machen, wie die Polizeichefs Christian Pongratz und Josef Weindl sowie Einsatzleiter Manuel Baumer unisono betonten.

Zweckmäßigerweise positionierte man sich an der beliebten Motorradstrecke zum Arber. Die Kräfte der Aktion stammten aus der Kontrollgruppe Motorrad, die beim Polizeipräsidium Oberpfalz angesiedelt ist, und der Polizeiinspektion Bad Kötzting.

Wie immer waren in Lohberghütte Beamte mit einer Geschwindigkeitskontrolle stationiert, die über Funk bereits Schnellfahrer durchgaben. „Die ziehen wir natürlich heraus“, erklärte Pongratz. Das gelte auch bei geräuschintensiven Wahrnehmungen, sprich lauten Auspuffanlagen, die Anwohner nerven.

„Wir stellen fest, dass viele ältere Motorradfahrer unterwegs sind“, erläuterte Christian Pongratz. Die über 50-Jährigen (Ü 50) haben zwar in der Regel eine sehr gute Ausstattung mit entsprechender Schutzausrüstung, sind aber meistens lange nicht mehr gefahren.

„Wer wieder einsteigt, sollte sich physisch und psychisch in der Verfassung dazu fühlen“, legte der Polizei-Chef ans Herz. Ratsam sei im Frühjahr bei Saisonstart, an einem Sicherheitstraining teilzunehmen. Die eigene Sicherheit sollte einem das schon wert sein, weil Wiedereinsteiger nun mal keine 20 mehr sind und Zeit vergangen ist, seit sie mit ihrer Maschine umzugehen gelernt haben.

„Das ist eine Gefährdungsgruppe dahingehend, weil sie leicht Fahrfehler machen“, bestätigte Pongratz. Das spiegele sich in den beiden Todesfällen mit 51 und 53 Jahren wider.

„Die Zeiten haben sich gewandelt. Zu meiner Jugend sind nur die jungen Leute auf ein Motorrad gestiegen. Jetzt fahren die Älteren hochwertige Maschinen“, berichtete der Bad Kötztinger Dienststellenleiter.

An die Geschwindigkeitssünder verteilten die Einsatzkräfte einen Flyer in Herzform mit der Aufschrift „Es liegt an dir, ob du die Kurve kriegst…“ Die Reaktionen darauf waren ebenso verständnisvoll wie bei der Feststellung anderweitiger Verstöße. „Wenn z. B. Teile angebaut wurden, die nicht zugelassen sind“, schilderte Manuel Baumer.

Im Falle eines Unfalls könne das sehr teuer werden, weil aufgrund einer erloschenen Betriebserlaubnis das Fahrzeug nicht versichert sei. Dem einen oder anderen war das nicht aufgefallen, als sie sich ihre Maschine kauften. „Es geht hier um Prävention“, betonte auch PHM Manuel Baumer.

Die Kontrollgruppe Motorrad rekrutiert sich ausschließlich aus aktiven Motorradfahrern, denen man nichts vormachen kann. „Aus dem Munde eines Insiders klingen die Hinweise gleich authentischer“, weiß Christian Pongratz.

Insgesamt wurde die Aktion gut angenommen. Der Clou war dann doch, dass eine Gruppe aus dem Landkreis ein Gruppenfoto mit den Polizisten wollte. So etwas gibt es nicht alle Tage. „Es freut mich, wenn sich die Leute bedanken, obwohl sie zahlen mussten“, konstatierte Josef Weindl, dass die Gesundheit schlussendlich mehr wert sei als das Geld.

An der Kontrollstelle in Lohberg wurden insgesamt 112 Motorräder und 30 Personenwagen observiert. Bei einem Motorrad erlosch die Betriebserlaubnis durch selbst montierte Highway Pegs. Der Fahrer durfte nach der Demontage die Fahrt fortsetzen.

Zusätzlich wurden bei drei weiteren Motorrädern von der Polizei geringfügige Mängel festgestellt.

− kfl