MyMz

Denkmal

Söders Trip in König Ludwigs Linderhof

Ortstermin in der Venus-Grotte, die bald für Jahre schließt. Die Kronprinzenfrage an den Minister ist dabei unausweichlich.
Von Christine Schröpf, MZ

Markus Söder in der Venusgrotte: Anlass des Ortstermins: Das Refugium Ludwigs II. wird in 100 Tagen wegen Sanierungsarbeiten für fünf Jahre geschlossen. Der Finanzminister ist qua Amt auch Herr über die bayerischen Schlösser.
Markus Söder in der Venusgrotte: Anlass des Ortstermins: Das Refugium Ludwigs II. wird in 100 Tagen wegen Sanierungsarbeiten für fünf Jahre geschlossen. Der Finanzminister ist qua Amt auch Herr über die bayerischen Schlösser. Foto: dpa

Ettal.Finanzminister Markus Söder tritt die Tour nach Schloss Linderhof mit bandagiertem Handgelenk an. „Vertwittert“, witzelt er – in Anspielung auf seinen umstrittenen Kommentar zu Mesut Özils Elfmeterschwäche bei der Fußball-EM im Kurznachrichtendienst Twitter. An diesem Tag aber geht es für Söder nicht um Fußball. Er will die Venusgrotte auf Schloss Linderhof in den Fokus rücken, die noch 100 Tage geöffnet ist, bevor sie für fünf Jahre wegen Sanierungsarbeiten geschlossen wird. 25 Millionen Euro nimmt der Freistaat dafür in die Hand. Marode Konstruktionen werden stabilisiert, neue LED-Lichttechnik eingebaut – sogar eine Einflugschneise für die Hufeisennase, eine Fledermausart, ist inklusive. Linderhof soll herausgeputzt werden, bevor sich der Freistaat mit seinen Schlössern um die Einstufung als Weltkulturerbe bewirbt. 450 000 Menschen besuchen jedes Jahr Linderhof. Platz 2 hinter Schloss Neuschwanstein mit 1,51 Millionen Touristen.

„Wir sind im Prinzip im Inneren alle Romantiker – und auch ein bisschen anarchisch veranlagt.“

Finanzminister Markus Söder

König Ludwig II. hatte sich mit der Grotte eine Traumwelt erschaffen – inspiriert von der blauen Grotte auf Capri. Der Märchenkönig schaukelte in seinem Privat-Refugium im goldenen Muschelkahn auf türkis-blauem Wasser. „Ich bin ein Fan von Ludwig II. – auch wenn er kein Realpolitiker war“, sagt Söder am Freitag beim Ortstermin in der Grotte. „Er war der James Dean des Adels.“ Vom Band ertönt dabei Musik des Lieblingskomponisten des Kini – aus dem 1. Akt der Richard-Wagner- Oper „Tannhäuser“.

Stippvisite in einer weiteren Sehenswürdigkeit im Schlosspark Linderhof. Der „Maurische Kiosk“ war für Ludwig II. ein mondänes Lesezimmer.
Stippvisite in einer weiteren Sehenswürdigkeit im Schlosspark Linderhof. Der „Maurische Kiosk“ war für Ludwig II. ein mondänes Lesezimmer. Foto: dpa

Söder lauscht den Tönen – und betrachtet die bis ins Detail durchchoreographierte Illusionswelt des Märchenkönigs. Ludwig II. stattete die Grotte mit Wellenschieber und Wasserfall aus, ließ ausgeklügelte Farbenspiele installieren. Auf dem Mini-See zogen wohl auch Schwäne ihre Kreise. „Wir sind im Prinzip im Inneren alle Romantiker – und auch ein bisschen anarchisch veranlagt“, sagt Söder. Der Muschelkahn stünde für ihn für einen historisch-authentischen Kurztrip bereit. Journalisten ermuntern ihn, an Bord zu gehen – sie spekulieren auf ein symbolträchtiges Bild des CSU-Kronprinzen im Kini-Boot. Doch bei Söder ist noch zu gut der Spott in Erinnerung, den er 2015 mit einer Gondol-Fahrt auf dem Nymphenburger Kanal ausgelöst hatte.

Der aussichtsreiche Aspirant auf die Nachfolge von Regierungschef Horst Seehofer bringt Fragen zu seiner politischen Zukunft am Freitag nicht selbst zur Sprache – das übernimmt unbeabsichtigt die Verwalterin von Schloss Linderhof, Sigrid Stache. Sie warnt Söder vor einem Abstecher in die Grotten-Königsloge. „Nicht ohne Helm betreten, sonst wird eine Stelle frei“, sagt sie – und löst damit allgemeines Gelächter aus.

Söder lässt das Schwert stecken

Der Rundgang durch den Schlosspark liefert weitere Optionen für Anspielungen auf Söders Karrierehoffnungen: In der rekonstruierten Hunding-Hütte, Brotzeitdomizil des früheren Kinis, gestaltet nach einem Bühnenbild der Wagner-Oper Walküre, steckt ein Schwert in einem Baumstamm. Ein Schwert, das angeblich unbesiegbar macht.

Söder lässt es stecken. Er nutzt später vielmehr die Gelegenheit Seehofer für die Arbeit der letzten Wochen Respekt zu zollen. Er spricht auch von der doppelten Botschaft, die aus der Parteibasis derzeit zu hören sei. „Markus nicht drängeln“, bekommt er selbst signalisiert. „Behandel den Markus gut“, sei die Botschaft an Seehofer.

Weitere Nachrichten aus Bayern lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht