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Zehn Fragen an eine Jungfrau

Mit 20 Jahren noch keinen Sex gehabt: Für viele wäre das ein Tabuthema. Aber Anna aus Ingolstadt will andere bestärken.
Von Jennifer Schneider und Jana Mitterbuchner

„Ich bin Jungfrau“ - diesen Satz offen auszusprechen trauen sich wahrscheinlich die wenigsten Erwachsenen. Foto: Jennifer Schneider
„Ich bin Jungfrau“ - diesen Satz offen auszusprechen trauen sich wahrscheinlich die wenigsten Erwachsenen. Foto: Jennifer Schneider

Regensburg.Anna ist 20 Jahre alt und Jungfrau. Die Studentin aus Ingolstadt möchte uns ihr Gesicht nicht zeigen, aus Angst, erkannt zu werden. Dennoch möchte sie Menschen, denen es ähnlich ergeht, vermitteln, dass sie sich deswegen nicht stressen sollen. Denn sonst sei man nur enttäuscht von sich selbst.

Du hattest noch keinen Sex. Warum?

Ich bin nicht streng was das betrifft, ich will aber auch nicht jeden. Es hat jetzt auch keine religiösen Gründe oder so. Ich warte einfach noch.

Benutzt du Dating Apps wie Tinder?

Ja, aber ich suche keine One-Night-Stands. Man hofft halt darauf, dass sich da irgendwann etwas ergibt, aber ich suche nicht nach einer Beziehung auf Tinder. Ich bin auch der Typ, der sagt, einen Partner sollte man im echten Leben kennenlernen. Man sollte sich aber Zeit lassen, sonst endet es meist nicht gut.

Einerseits möchte man es, andererseits auch nicht, weil man es nicht anders kennt. Es ist eine Zwickmühle.

Anna

Erzählst du deinen Dates, dass du Jungfrau bist?

Ja. Ich möchte, dass sie es wissen, damit sie sich vielleicht auch etwas zurückhaltender verhalten. Das akzeptieren die meisten, aber es ist trotzdem ein ungutes Gefühl, wenn der andere sich schon auskennt, und man selbst nicht. Ich hatte auch Angst vor zweiten Dates, weil es ja sein kann, dass es dann zu Sex kommt. Es ist blöd, weil einerseits möchte man es, andererseits auch nicht, weil man es nicht anders kennt. Es ist eine Zwickmühle. Ich bräuchte entweder Alkohol oder jemanden, den ich schon lange kenne und mit dem ich auch zusammen sein will.

Wenn du beim Feiern die Gelegenheit auf einen One-Night-Stand hättest, würdest du sie nutzen?

Ich glaube nicht. Es ist mir schon öfter passiert, dass jemand mit mir ins Bett wollte, aber ich wollte es dann nicht. Manche sind enttäuscht, oder versuchen einen zu überreden, aber ich sage einfach nein. Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich bin jemand der sagt, ich möchte keine One-Night-Stands vor meiner ersten Beziehung, danach vielleicht schon, wenn die Beziehung auseinander geht. Aber ich glaube, man kann nur Spaß beim ersten Mal haben, wenn man in einer Beziehung ist.

Siehst du es als Nachteil, dass du noch keinen Sex hattest?

Gute Frage. Es kann Nachteil und Vorteil sein. Ich würde es aber tatsächlich eher als Nachteil sehen. Weil viele Leute in dem Alter schon mehr Erfahrung haben und weil man Angst hat, etwas falsch zu machen, oder nicht richtig zu reagieren in bestimmten Momenten.

Es scheint für dich nicht unangenehm zu sein, in deinem Umfeld über Jungfräulichkeit zu sprechen.

Nein. Aber wenn zum Beispiel Freunde darüber reden und man einfach nicht mitreden kann, dann ist es schon unangenehm. Ich schäme mich nicht dafür, aber ich möchte nicht, dass es die ganze Welt weiß. Freunde von mir, auch wenn sie nicht eng sind, dürfen das wissen. Das stört mich nicht.

Nur habe ich das Gefühl, man rutscht bei Typen relativ schnell in die Friendzone. Sie stempeln einen ab. Vor allem wenn man selbst darüber Witze macht, also wenn man es nicht versteckt. Es nimmt ihnen vielleicht auch das Interesse an mir als Frau. Aber es gibt auch Leute, die unbedingt Sex mit einer Jungfrau haben wollen, damit sie sich danach toll fühlen können. Es ist verschieden.

Empfindest du Jungfräulicheit als Tabu?

Es ist deshalb ein Tabu, weil man zu viel über Sex spricht. Und da gehen die, die noch nie Sex hatten, unter. Man wird nicht dafür verspottet, aber es wird nicht angesprochen. Man selbst macht manchmal Witze darüber. So merken die anderen nicht, dass es einen eigentlich unter Druck setzt.

Weiß deine Familie Bescheid?

Ja. Wenn man mit verdeckten Karten spielt, dann fühlt man sich selbst auch unwohl dabei. Und ich fühle mich besser damit, dass es jeder weiß.

„Kommentare kommen manchmal von meinen Eltern, dass es Zeit wäre. (...) Sie wollen nur das Beste für ihr Kind und haben etwas Angst, dass man auf der Strecke bleibt.“

Anna

Gab es auch negative Reaktionen?

Mitleid ein bisschen vielleicht. Auch Freunde sagen dann: „Schade, dass es bei dir noch nicht dazu gekommen ist“. Kommentare kommen manchmal von meinen Eltern, dass es Zeit wäre. Eigentlich würde man erwarten, dass sie das nicht stören würde, aber bei mir ist es das Gegenteil. Sie wollen nur das Beste für ihr Kind und haben etwas Angst, dass man auf der Strecke bleibt. Ich hatte ja auch noch keine Beziehung.

Hast du das Gefühl, dass du etwas verpasst?

Ja. Meine Mama fragt ja auch nach. Alle sagen immer, man muss doch Erfahrungen sammeln, aber ich suche jemanden, mit dem ich mein Leben verbringen will und nicht jemanden, den ich nach drei Tagen vergesse. Ich hatte mal eine Zeit lang Angst davor, dass ich was verpasse, aber inzwischen nicht mehr. Man möchte zwar, dass es zeitnah passiert, aber ich mache mich nicht fertig deswegen.

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