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Flick-Spross mit Oberpfälzer Wurzeln

Friedrich Christian Flick wurde in Sulzbach-Rosenberg geboren, doch über diesen Umstand ist wenig bekannt. Schlagzeilen machte er als Kunstsammler.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Gegenwartskunst ist seine Leidenschaft: Friedrich Christian Flick mit einem „Kippenberger“Foto: dpa

Sulzbach-Rosenberg.Der bedeutende Kunstsammler Friedrich Christian Flick wird als beeindruckende Erscheinung geschildert. Wo er auftaucht, füllt er den Raum und nicht selten auch die Klatschspalten der Yellow Press. Er galt als Playboy des Jet-Sets bevor er Maya Gräfin von Schönburg-Glauchau, die ältere Schwester von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, heiratete. Aber nicht erst seit dieser Zeit gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Spross aus der Flick-Dynastie und der Oberpfalz. Denn Friedrich Christian Flick, genannt Mick, kam hier am 19.September 1944 zur Welt. In seinem Pass ist Sulzbach-Rosenberg als Geburtsort eingetragen, jene Stadt, in der sein Großvater Friedrich Flick seit 1929 das Stahlwerk Maxhütte besaß.

In der Stadt ist heute nur noch wenig über das Leben der Flicks bekannt. Stadtarchivar Johannes Hartmann kann noch nicht einmal darüber Auskunft geben, wie häufig Mitglieder des Flick-Clans in ihrer Villa in Sulzbach-Rosenberg weilten. „Es ist auch nirgendwo vermerkt, ob sie überhaupt längere Zeiträume hier lebten.“ Nach den Meldedaten war Mick Flick bis 1965 Einwohner der Stadt, seine Mutter Barbara sogar bis 1970. Nach anderen Quellen verbrachte Mick Flick seine Kindheit am Starnberger See.

Einer der bedeutendsten Konzerne

Der Name Flick steht für den einst bedeutendsten Wirtschaftskonzern Deutschlands, aber auch für ein dunkles Kapitel in der Geschichte. In Flick-Werken – darunter auch der Maxhütte – wurden während des Nationalsozialismus 40000 Zwangsarbeiter ausgebeutet. Friedrich Flick wurde wegen seiner Nähe zum Nazi-Regime bei den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher verurteilt, weigerte sich aber sein Leben lang, in einen Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter einzuzahlen.

Trotz seiner Nazi-Vergangenheit galt der Patriarch in der Oberpfälzer Stadt immer als ein angesehener Mann, über seine Vergangenheit als Kriegsverbrecher wurde damals nicht viel gesprochen, weiß der Stadtarchivar. Wie bei der Schließung der Maxhütte 2002 in einem Artikel der „Zeit“ zu lesen war, hing bis zuletzt ein Foto von Friedrich Flick in dem Unternehmen, dabei war er da schon seit 30 Jahren tot und sein Konzern schon lange nicht mehr Inhaber der Maxhütte. Doch die Menschen hatten nicht vergessen, dass Flick Gutes für die Region tat. Er gab den Menschen Arbeit –in Glanzzeiten waren in der Maxhütte 9000 Menschen beschäftigt –, er baute ihnen Werkswohnungen, beteiligte sich am Bau des Krankenhauses und förderte den Sport. Bis heute gibt es das Friedrich Flick Stadion in der Stadt. Die Flick-Villa, der Ort, wo vermutlich 1944 auch Mick Flick zur Welt kam (Unterlagen gibt es bei der Stadt darüber nicht), trägt heute keinen Namen mehr und Teile der um das Gebäude angelegten Grünanlagen, einst Flick-Park genannt, wurden mit Häusern bebaut.

Die Geschichte der Flicks in Sulzbach-Rosenberg hat nie jemand aufgearbeitet – weder die Glanzzeiten, noch die Schattenseiten. Auch Friedrich Christian Flick spricht nicht darüber. Eine Interviewanfrage der MZ zu den Flicks in der Oberpfalz und seinen persönlichen Erinnerungen an diese Region lehnt er ab. Über sein Management der Flick Collection in Berlin lässt der 66-Jährige mitteilen, dass er „derzeit in diverse Projekte eingebunden ist“ und sich deshalb nur „auf wenige Presseberichte“ konzentrieren möchte.

Dass die Oberpfalz für Flick, der seinen Hauptwohnsitz im schweizerischen Gstaad hat, dennoch kein unbedeutender Fleck auf der Landkarte ist, kann man seiner Lebensgeschichte entnehmen.

Schließlich wurde er hier nicht nur geboren, sondern durch seine Heirat mit Maria Felicitas Gräfin von Schönburg-Glauchau 1985 auch mit der bekanntesten Regensburgerin verwandt – mit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Mit deren Schwester hat er zwei Söhne und die behinderte Tochter Maria-Pilar, heute 23, die mit einer Mikrozephalie, einer abnormen Kleinheit des Kopfes zur Welt kam. Längere Zeit wurde das Mädchen nach Informationen der MZ in einer Regensburger Fördereinrichtung betreut, was sicherlich für die Qualität dieser Einrichtung spricht, denn aus finanzieller Sicht kann und will sich Flick das Beste leisten, denn das Schicksal seiner Tochter liegt ihm sehr am Herzen, wie er in Interviews immer wieder betont. So sagte er einmal dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, dass sein größter Wunsch wäre, dass seine Tochter ein glückliches Leben führen könne. Von Glorias Schwester ist Flick seit 1994 geschieden. Ob er noch engeren Kontakt ins Regensburger Fürstenhaus hält, ist nicht bekannt.

Vom Kaviar zur Kunst

Heute hat der Flick-Spross kein Interesse mehr an den Kaviar-Partys der Reichen und Schönen. Und so findet man ihn auch nur noch gelegentlich in den Gesellschaftskolumnen. Schlagzeilen will er nur noch mit seiner Kunstsammlung machen. Seit 2004 wird die Friedrich-Christian-Flick-Collection im Hamburger Bahnhof in Berlin gezeigt. Sie ist nicht unumstritten, denn Mick Flick wird insbesondere vom Zentralrat der Juden vorgeworfen, dass er seine Sammlung auch mit „Blutgeld“ aus dem Erbe des Großvaters finanziert hat. Zusammen mit seinen Geschwistern Gert-Rudolf und Dagmar hatte Mick Flick nach dem Ausscheiden aus dem Konzern 500 Millionen Mark geerbt und später durch spektakuläre Investmentgeschäfte um ein Vielfaches vermehrt.

Deshalb trat Friedrich Christian Flick solchen Anschuldigen immer entschieden entgegen, brachte aber auch sein „sein persönliches Verantwortungsgefühl zum Ausdruck“, wie es im „Who is who“ heißt und gründete 2001 eine Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus unter Jugendlichen. Außerdem zahlte er im April 2005 fünf Millionen Euro an die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und finanziert einen Forschungsauftrag des Münchner Instituts für Zeitgeschichte zur Aufarbeitung der Familiengeschichte. In Interviews machte er stets deutlich, dass unter seinem Großvater Unrecht geschehen sei. Mit seiner Kunstsammlung und den Ausstellungenen wolle er der Familiengeschichte nun eine neue Facette hinzufügen.

Dass Friedrich Christian Flick sich seit Jahrzehnten ganz seiner Liebe zur Kunst widmen kann, verdankt er dem Umstand, dass sein Vater Otto-Ernst, obwohl der Erstgeborene, nicht als Firmenerbe eingesetzt wurde, sondern der Großvater dem jüngerer Sohn Friedrich Karl den Vorzug gab. Otto- Ernst schied in den 1960er Jahren nach einem erbitterten Kampf, wie es in der ARD-Fernsehdokumentation „Flick“ dargestellt wird, mit einer Abfindung aus dem Konzern aus. Bis zum Tod des Patriarchen kam es nicht mehr zu einer Versöhnung. Selbst der Beerdigung seines Vaters 1972 blieb Otto- Ernst, der zwei Jahre später starb, fern.

Der gestohlene Sarg des Onkels

Später, in den 1980er Jahren, machte Mick Flicks Onkel als Protagonist einer Parteispendenaffäre Schlagzeilen, sie ging als „Flick-Affäre“ in die Geschichtsbücher ein. Und selbst nach seinem Tod 2006 fand der Firmenerbe noch keine Ruhe. 2008 wurde seine Leiche samt Edelstahlsarg aus dem Mausoleum am Wörthersee gestohlen. Auch das wurde von den Medien mit großem Interesse verfolgt. Der Name Flick zieht eben immer. Vielleicht nimmt sich ja doch irgendwann ein Historiker auch den unerforschten Spuren der Flicks in der Oberpfalz an.

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