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Regensburg.

Zwee, zwou, zwoa – der Schwarze Einser

Auch bei Zahlwörtern gelten eigene Regeln.

Die erste deutsche Briefmarke ist „der Schwarze Einser“. Foto: dpa

Ein neues Jahr beginnt, wir fangen von vorn an mit dem Zählen von Tagen und Wochen. Man möchte es nicht glauben, dass es in einem so nüchternen Bereich wie den Zahlwörtern etliche Differenzen zwischen Hochsprache und Mundart gibt. Da ist zuerst einmal die von Dialektunkundigen mit Verwunderung zur Kenntnis genommene Tatsache, dass die Zahlwörter eins (einer) und zwei einen anderen Zwielaut aufweisen als drei: „oans, zwoa“ – aber „drei“. Das ist nicht etwa launische Willkür, sondern entspricht der Herkunft. Die ersten beiden hatten im Mittelalter den Diphthong „ei“, der sich im Oberdeutschen zu „oi“ und weiter zu „oa“ entwickelt hat: schwäbisch „oinr, zwoi“, bairisch „oana, zwoa“. Das alte „driu, drî“ aber führte zu „drei“. Während in der Hochsprache altes und junges „ei“ zusammengefallen sind, unterscheiden es die Dialekte nach wie vor.

Immer wieder taucht die Frage auf, warum man in ländlichem Bairisch hört: „zwee Mana, zwou Kiah/Käih, zwoa Haisa“ (zwei Männer, Kühe, Häuser). Unmöglich wäre „zwou Bam“ oder „zwee Messer“; denn „zwee“ steht nur bei männlichen, „zwou“ bei weiblichen, „zwoa“ bei sächlichen Substantiven. Das geht auf das Alt- und Mittelhochdeutsche zurück, wo dieses Zahlwort sich eigene Formen für die drei Geschlechter geleistet hat: männlich „zwene, zwe“, weiblich „zwo“, sächlich „zwei“. Die letztere (Neutrum-) Form hat sich hochsprachlich durchgesetzt.

Treten Zahlwörter für sich allein auf, also ohne Benennung dahinter, so erhalten diejenigen zwischen vier und 99, ebenso „halb“, im Bairischen die Endung „-e“. „Wia/wäi vui/vüll Kinder ham de, viere oder fünfe? Mia samma unser äife/ölfe. Fuchzehne warn zvui/zväi/zvüll. I hob d’Hena zäid/zöld, genau zwoarazwanzge san’s.“ Das gilt insbesondere bei Uhrzeitangaben: „ummara hoiwe/holwe achte; es schlogt zwäife/zwölfe; vo zehne bis um viere“ (um etwa halb 8 = 7:30 oder 19:30 Uhr; 12 Uhr; von 10 bis 4 Uhr). In diesem Fall werden Wörter ausnahmsweise einmal länger als in der Schriftsprache. Andererseits aber trifft der Ausfall unbetonter Vokale alle Zehnerzahlwörter: „zwanzg, dreißg, vierzg, fuchzg, … neinzg“.

Gemeindeutsch sind Bezeichnungen wie „Vierer“ für ein Boot mit vier Mann, „Achter“ für eine Figur im Eiskunstlauf, ebenso Kurzformen wie „Sechziger“ für den TSV 1860 München oder die 1960er Jahre. Im Süden des deutschen Sprachraums aber, also in Bayern, Österreich und in der Schweiz, sind alle Zahlsubstantive grundsätzlich Maskulina mit dem Wortausgang „-er“: „der Einser, Fünfer, Hunderter“. Mit „Fuchzger“ kann eine 50-Euro-Banknote gemeint sein oder ein 50-Jähriger oder der 50. Geburtstag: „Der deaffad scho a guada Fuchzger sei. Sein Fuchzger hamma groß gfeiert.“ Einen hinterlistigen, betrügerischen Menschen nennt man einen „falschen Fuchzger“. In der Schule bekommen die Kinder einen „Einser, Zweier, Dreier, Vierer, Fünfer“ oder gar einen „Sechser“. „Haste auch ’ne Eins im Zeugnis?“ fragt die Tante aus Berlin. „Scho“, antwortet der Bub, „im Sport howi an Oanser, sonst lauter Zwoarer und Dreier“.

Die Handschellen, die Polizisten einem Verbrecher anlegen, um ihn abzuführen, heißen „Achter“. Ein Fahrrad kann „einen Achter“ haben, wenn die Felge verbogen ist und nicht rund läuft. Auf Volksfesten fährt man mit der „Achterbahn“. Diese Benennungen spielen an auf die Ähnlichkeit mit einem „Achter“, also mit der Ziffer 8. Die erste deutsche Briefmarke ist der „Schwarze Einser“, ausgegeben vom Königreich Bayern am 1. November 1849. Sie heißt so, weil sie in der Mitte einen großen schwarzen Einser trägt (Wertangabe: 1 Kreuzer).

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