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Ein Investor ohne Mitspieler

Fans und Führung des SSV Jahn Regensburg lehnen Philipp Schober ab. Auch einen vermeintlichen Berater hat er längst verloren.
von Christine Straßer, MZ

Der Unternehmer Philipp Schober hält 90 Prozent der Anteile der Kapitalgesellschaft des SSV Jahn Regensburg. Foto: Lex
Der Unternehmer Philipp Schober hält 90 Prozent der Anteile der Kapitalgesellschaft des SSV Jahn Regensburg. Foto: Lex

Regensburg.Fans des SSV Jahn Regensburg protestieren seit Wochen lautstark gegen Philipp Schober, den neuen Investor des Zweitligisten. Die Vereinsführung kann sich eine Zusammenarbeit mit dem 31-Jährigen, der gebürtig aus Vohenstrauß (Lkr. Neustadt/Waldnaab) stammt und inzwischen bei München lebt, nicht vorstellen. Nun ergaben Recherchen unseres Medienhauses, dass auch ein vermeintlicher Schlüsselspieler gar nicht mehr in Schobers Team ist. Schon seit Monaten steht Stephan Grühsem, früherer Kommunikationschef von VW und Vize-Aufsichtsratschef des VfL Wolfsburg, nicht mehr beratend an Schobers Seite.

Grühsem, der mit seinem Unternehmen MSG Kapitalgeber beim Einstieg bei deutschen Fußballvereinen unterstützt, war im Frühjahr einige Wochen für den 31-Jährigen tätig. Die Zusammenarbeit endete abrupt, als Schober Honorare nicht bezahlte. Mittlerweile strebt Grühsem eine Klage gegen seinen ehemaligen Klienten an. Für seine Beratertätigkeit soll er von Schober bislang noch keinen einzigen Cent bekommen haben. Schober war am Dienstag über seine Anwältin für eine Stellungnahme hierzu nicht mehr zu erreichen.

Der Investor hatte in einem Gespräch mit unserem Medienhaus („Sehe ich aus wie eine Heuschrecke“/MZ vom 24. Juni) über Grühsem gesagt: „Wir pflegen seit Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis.“ Laut Informationen unseres Medienhauses war Grühsem jedoch schon zum Zeitpunkt dieses Interviews auf Abstand zu Schober gegangen. Im Februar dieses Jahres hatte sich Schober mit der Bitte an Grühsem gewandt, ihm beim Einstieg in die SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA, die ausgegliederte Profiabteilung des Vereins, zu helfen. Grühsem nahm das Beratermandat an – und brach es nach kurzer Zeit wieder ab. Seitdem herrscht das gleiche Verhältnis, das schon in den Jahren davor bestand: Funkstille.

Lediglich im weitesten Sinne miteinander zu tun, hatten Grühsem und Schober vor Jahren bei Volkswagen. Grühsem war bis 2015 „die Stimme“ des ehemaligen VW-Chefs Martin Winterkorn. Als Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG für den Geschäftsbereich Konzernkommunikation, Außenbeziehungen und Investor Relations war Grühsem oberster Vorgesetzter von Schober, der nach eigenen Angaben von den 19 Monaten bei Volkswagen zwei Monate als Praktikant und im Übrigen als „Informand“ tätig war. Berichte, wonach Schober von sich behauptet haben soll, bei Volkswagen mit Managementaufgaben betraut gewesen zu sein, weist er derweil zurück. In einem Schreiben an die Redaktion legt Schober Wert auf die Feststellung, niemals behauptet zu haben, bei VW mit Managementaufgaben betraut gewesen zu sein.

Auf die Nachfrage unseres Medienhauses, ob seine Beziehung zu Grühsem tatsächlich richtig beschrieben wird, wenn man von einem jahrelangen Vertrauensverhältnis spricht, reagierte Schober nicht. Auch die Frage, ob Grühsem weiter als Berater für ihn tätig ist, beantwortete der 31-Jährige nicht.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Schober sieht sich derzeit mit mehreren juristischen Vorwürfen konfrontiert. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I dauern an. Gegen den 31-jährigen waren mehrere Anzeigen eingegangen, unter anderem vom FC Bayern München. Bei den Vorwürfen geht es um unbezahlte Hotelrechnungen und Eintrittskarten für Fußballspiele. Schober soll Tickets gegen Aufpreis weiterverkauft haben. Ob diese Geschäfte korrekt getätigt wurden, wird geprüft.

Schober hatte Mitte Juni die Mehrheitsanteile an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA von der BTT Bauteam Tretzel GmbH übernommen. Noch am selben Tag ergaben Recherchen unseres Medienhauses erste Ungereimtheiten im Hinblick auf bisherige berufliche Aktivitäten des Investors. Die Zweifel am Ruf des Unternehmers Schober wuchsen in den Wochen darauf. Frühere Vertragspartner werfen ihm vor, mit zwei Unternehmen, der mainspo GmbH sowie der mainspo marketing GmbH, verbrannte Erde bei Sportvereinen im Bundesgebiet und in Österreich hinterlassen zu haben. Mit dem damaligen Zweitligaaufsteiger MSV Duisburg schloss mainspo 2015 einen Vermarktungsvertrag. Nach wenigen Monaten kam es zum Bruch. Duisburg klagte und erwirkte ein Versäumnisurteil.

Philipp Schobers Einstieg bei Jahn Regensburg: Eine Chronologie:

In einem Interview für die BR-Sendung Blickpunkt Sport äußerte sich Schober vergangene Woche zu gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er sagte: „Meine Anwälte haben sich natürlich darüber erkundigt. Aktueller Stand ist, dass es scheinbar um eine alte Firma geht, aus der ich vor über einem Jahr als Geschäftsführer ausgeschieden bin. Man muss aber natürlich ganz klar sagen: Ich habe davon aus den Medien erfahren und kann mich aktuell dazu nicht äußern. Da muss erst mal an anderer Stelle geschaut werden, was genau dahinter steckt.“ Unserem Medienhaus ließ Schober angesprochen auf die Ermittlungen gegen ihn am Dienstag ausrichten: „Herr Schober kennt die Vorwürfe nicht. Ihm wurde bislang keine Akteneinsicht gewährt. Er ist sich aber sicher, dass sich alles aufklären wird. Keine seiner Firmen war insolvent.“

Keine Angaben machte Schober zum Unternehmensziel der Global Sports Invest AG, der er vorsteht. In der Juli-Ausgabe hatte das Manager Magazin geschrieben, Global Sports Invest wolle Kapitalgeber an Klubs vermitteln. Unbeantwortet ließ Schober zudem die Nachfrage, ob er weiterhin 100 Prozent der Stammaktien von Global Sports Invest hält. Im Juni hatte er das gegenüber unserem Medienhaus so dargestellt. Mit Schweigen bedachte Schober darüber hinaus die Frage, welche Schritte er bereits unternommen habe, um ein neues Trainings-, Leistungs- und Rehazentrum zu schaffen. Bei seinem Einstieg Anfang Juni hatte Schober angekündigt, darauf ein Hauptaugenmerk legen zu wollen. Die Frage, ob die Morddrohungen gegen ihn, von denen er dem BR berichtet hatte, von Fans des SSV Jahn stammen, ließ der Unternehmer ebenfalls unbeantwortet. Auch ob er Anzeige erstattet habe, teilte er nicht mit.

SSV Jahn bekräftigt Kaufsignal

Der 31-jährige Schober hält über die Global Sports Invest AG, die in München sitzt, 90 Prozent der Kapitalgesellschaft des Regensburger Zweitligisten. Nach Informationen unseres Medienhauses sollen für die Anteile 4,2 Millionen Euro geflossen sein. Zusätzlich soll Global Sports Invest Darlehen in Höhe von 800 000 Euro von BTT Bauteam Tretzel übernommen haben, die der SSV Jahn zurückzahlen muss. In der Juli-Ausgabe berichtete das Manager Magazin, dass sich Schober mit fünf Millionen Euro beim Zweitligisten eingekauft habe. Weder ein BTT-Anwalt, noch Schobers Anwältin wollten diese Summe auf Nachfrage unseres Medienhauses bestätigen.

Der SSV Jahn Regensburg kann sich noch immer vorstellen, die Anteile zurückzukaufen. Seitdem Schober vor rund vier Wochen einen Termin mit Vereinsvorstand Hans Rothammer kurzfristig absagte, kam es jedoch zu keinem Treffen mehr. Rothammer zufolge hat der SSV Jahn den 31-jährigen Unternehmer um Terminvorschläge für ein Kaufgespräch gebeten.

Für den 25. September ist eine ordentliche Mitgliederversammlung anberaumt. Es zeichnet sich ab, dass dort mehrere Anträge gestellt werden, die darauf abzielen, die Vereinsführung zu veranlassen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um sich von dem Investor wieder zu trennen.

Wer hat beim SSV Jahn das Sagen? Ein Überblick:

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