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Konzert

Advent als Zeit der Entschleunigung

Klemens Schnorr spielt zum zehnjährigen Jubiläum an der Rieger-Orgel.
Von Gerhard Dietel

Professor Klemens Schnorr begeistert die Zuhörer.Foto: Martin Meyer
Professor Klemens Schnorr begeistert die Zuhörer.Foto: Martin Meyer

Regensburg.Zehn Jahre besteht nun die Rieger-Orgel im Regensburger Dom. Das sei zeitlich zwar nur ein „Wimpernschlag“ im Vergleich zur bald 750 Jahre währenden Geschichte des Gotteshauses, aber dennoch ein Anlass zur Freude und zum Feiern, stellt Domvikar Werner Schrüfer einleitend fest. Die zahlreichen Zuhörer, die zum Mitfeiern gekommen sind, stimmt er dann auf das erste der vier jeweils freitags um 17 Uhr stattfindenden Konzerte unter dem Titel „Orgel im Advent“ ein: Der Advent, so führt Schrüfer aus, sei eine Gelegenheit zur Entdeckung der Langsamkeit, zur Besinnung und Entschleunigung des Lebens.

Ganz in diesem Sinne beginnt der renommierte Organist Klemens Schnorr, der einst auch als Gründungsrektor der Regensburger Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik fungierte, seine Vortragsfolge an der Domorgel. Ganz ruhig und in der Dynamik zurückhaltend lässt er im Wechsel von Nah- und Fernklängen ein kurzes „Adventspräludium“ Cesar Bresgens erklingen, dem sich bald Gewichtigeres in Form von Anton Heillers Variationen über „Nun komm‘ der Heiden Heiland“ anschließt.

Fantasievoll wandelt der Komponist dabei in diesen Variationen die auf einem altkirchlichen Hymnus fußende Kirchenliedmelodie ab. Ebenso fantasievoll im Wechsel der Registrierungen gibt Klemens Schnorr dem Notentext tönende Gestalt. Er hüllt das fast durchgängig klar zu vernehmende Thema in dunkel gedeckte Farben oder lässt es spielerisch leicht wirken, umkränzt es mit in der Höhe tanzenden Tongirlanden, löst es in chromatische Seufzerfiguren auf oder entwickelt es zum Dialog mit sich selbst im Kanon. Entschleunigung: Auf diesen Gefühlszustand einlassen kann man sich vor allem bei den abschließend musizierten Ausschnitten aus Olivier Messiaens weihnachtlichem Zyklus „La Nativité du Seigneur“ – zumal im schier ins Unendliche reichenden Rezitativ des „Le verbe“ oder den viel Bedachtsamkeit ausstrahlenden „Desseins éternels“, also den „Ewigen Ratschlüssen“.

Lebendiger geht es dann bei „Les Anges“ mit seinen hell schillernden und schließlich wahrhaft engelsgleich in die Höhe entschwebenden Tönen zu, dem unerwartet mit den spitz zustechenden Akkorden von „Jesus accepte la souffrance“ ein Vorausblick auf die Passion folgt. Mit einem ekstatisch sich steigernden „Dieu parmi nous“ endet dann der Vortrag Klemens Schnorrs, und noch sekundenlang rotieren die letzten mächtigen Klänge im Schiff des Domes, bevor der mächtige Beifall der Anwesenden einsetzt.

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