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Die umstrittene Berühmtheit

Als Bond-Girl und Geliebte in „9 1/2 Wochen“ wurde Kim Basinger berühmt. Jetzt wird sie 65 und bleibt als Ikone präsent.
Von Helmut Hein

An der Seite von Sean Connery wurde Kim Basinger 1983 zum Star. Foto: Bert Reisfeld/dpa
An der Seite von Sean Connery wurde Kim Basinger 1983 zum Star. Foto: Bert Reisfeld/dpa

Regensburg.Für viele war Kim Basinger zunächst nur die kleine, verhuschte Schönheitskönigin vom Land, die großen Träumen nachhängt. Manches an ihrem Auftreten legte eine solche Deutung vielleicht nahe, aber sie war trotzdem falsch. Athens/Georgia, wo sie am 8. Dezember 1953 auf die Welt kam, wurde schon bald zu einem der Zentren der US-Pop-Kultur. Sie wuchs auch keineswegs bildungsfern, sondern ganz im Gegenteil sehr kulturaffin heran: Ihr Vater Don Basinger war Jazzmusiker, ihre Mutter Ann eine gefragte Synchronschwimmerin, die in Esther-Williams-Filmen mitwirkte.

Kim Basinger ging schon früh, noch als Teenager, Anfang der 1970er Jahre nach New York. Sie wurde rasch zu einem gefragten, gut bezahlten Model, aber die Karriere, die sie von Anfang an im Sinn hatte, begann erst gut zehn Jahre später. Sie wurde zu einer Stil- und Mode-Ikone der nicht immer geschmackssicheren 1970er Jahre. Und doch wirkte sie stets wie aus der Zeit gefallen. Als würden die modischen Frisuren, Gesten, Posen nicht so recht zu ihr passen. Vielleicht, weil sie nicht nur um fast jeden Preis Schauspielerin werden wollte, sondern in ihrem eigenen Leben immer schon eine war. Eine eigene Identität? Dafür hatte man doch Spezialisten, die am besten wussten, was zu einem passte. Sie nahm privaten Schauspielunterricht – das war nicht billig – und arbeitete verbissen an dem, was man damals Performance nannte. Aber es ging nur langsam und zäh voran: mit kleinen und kleinsten Nebenrollen vor allem im Fernsehen.

Unwürdig gealtert an der Seite von De Niro

Und dann war sie, mit einem Schlag, nicht nur ein Superstar, sondern auch eine Frau, in der sich viele andere Frauen wiedererkannten oder wiedererkennen wollten. Dafür sorgten zwei Rollen: die des Bond-Girls 1983 in „Sag niemals nie“ – und drei Jahre später dann ihre sadomasochistische Selbsterfahrungs-Tortur an der Seite von Mickey Rourke in „9 1/2 Wochen“. Böse Zungen behaupteten, diese beiden Auftritte bezeichneten dann auch schon Anfang und Ende ihrer Karriere. Das stimmt so nicht. Aber es ist auch nicht ganz falsch. Sie spielte noch eine wichtige Nebenrolle in Curtis Hansons James-Ellroy-Verfilmung „L.A. Confidential“, für die sie den Oscar erhielt, Robert Altman holte sie – für eine Nebenrolle in Pret-á-porter. Sie war Eminems Mutter in dem Rap-Sozio-Drama „8 Mile“ und eine verzweifelt-desorientierte Ehefrau in der Bret-Easton-Ellis-Verfilmung „The Informers“. Das änderte nichts mehr an ihrem Bild, zerstörte es höchstens allmählich. Bis sie an der Seite von Robert De Niro in der, nun ja, Komödie „Grudge Match“ (2013) zeigte, wie man unwürdig altern kann.

Von Georgia aus auf die Kinoleinwand

  • Vita:

    Kim Basinger ist am 8. Dezember 1953 in Athens im US-Bundesstaat Georgia auf die Welt gekommen. Ihr Vater Don Basinger war Jazzmusiker, ihre Mutter Ann eine Synchronschwimmerin. Kim Basinger war verheiratet mit Schauspieler Alec Baldwin, mit dem sie eine Tochter hat.

  • Filme:

    Kim Basinger hat in Filmen mitgespielt, die ihren Ruhm begründet haben. Dazu gehört unter anderem „9 1/2 Wochen“ mit Mickey Rourke (Foto: dpa) aus dem Jahr 1986, „The Getaway“ aus dem Jahr 1994 und L.A. Confidential aus dem Jahr 1997, wofür sie mit dem Oscar geehrt worden ist.

„Sag niemals nie“

Kim Basinger 2013 bei der Premiere des Films „Zwei vom alten Schlag“. Foto: Peter Foley/EPA/dpa
Kim Basinger 2013 bei der Premiere des Films „Zwei vom alten Schlag“. Foto: Peter Foley/EPA/dpa

Kim Basinger hat nur in wenigen guten Filmen mitgespielt. Und schon lange in keinem Einzigen mehr. Trotzdem ist sie als Figur, als Ikone nach wie vor unheimlich präsent. Darin ähnelt sie ein wenig Brigitte Bardot, mit der sie nicht nur das Aussehen (der Schmollmund), sondern auch ein spätes, entschiedenes Faible für Tierschutz teilt. Was sie – nur für den paradoxerweise, der in ihr immer vor allem das Sex-Objekt sah – gerade für Frauen so anziehend macht? Vielleicht, dass sie in Zeiten der weiblichen Emanzipation die sprichwörtlichen „Fröste der Freiheit“ wie kaum eine andere verkörpert – und sich gegen sie zur Wehr setzt. Die Frauen, die Basinger darstellt, passen sich dem, was die Zeit und die anderen Menschen, soll heißen, die Männer, von ihr fordern, an, aber es gelingt ihnen nie so recht. Da bleibt immer ein Riss, ein Bruch, eine gewisse Passungenauigkeit. Das galt bereits für ihre Rolle als „Bond-Girl“. Da war sie schon 30, also eigentlich kein Mädchen mehr. Und sie erfüllte kaum die Anforderungen und Erwartungen, die der Zuschauer üblicherweise an ein „Bond-Girl“ stellt: Nur wenig nackte Haut, kaum sexuelle Aggressivität, dafür fast schon die Parodie einer Frau im Patriarchat, die genau zu wissen meint, dass sie ohne die schützende Hand eines starken Mannes kaum überleben kann. Oder soll man sagen: Überleben will. „Sag niemals nie“ war auch eher eine Bond-Satire, voller Zitate, ungeniert ironisch und vor allem geprägt davon, dass Sean Connery nach der Roger-Moore-Ära noch einmal den „alten“ Bond zum Leben erweckte: Den Sexisten, dessen Sprüche heutzutage keinen kollektiven „writer’s room“ mehr passieren würden und bei denen auch der hartgesottene Zuschauer in Zeiten politischer Korrektheit unwillkürlich zusammenzuckt, aber eben auch den anarchischen Einzelgänger, den sein Chef von ganzem Herzen hasst.

Unzensiert und ungeniert

Der Skandalfilm der 80er Jahre. Kim Basinger und Mickey Rourke erleben in 9 1/2 Wochen eine Berg und Talfahrt der Gefühle. Aus einem flüchtigen Kennenlernen entwickelt sich die leidenschaftlichste Liebesbeziehung der Filmgeschichte: Die beiden verbindet zunächst hemmungslose Hingabe, die sich dann in blanken Hass verwandelt. Foto: Pro Sieben
Der Skandalfilm der 80er Jahre. Kim Basinger und Mickey Rourke erleben in 9 1/2 Wochen eine Berg und Talfahrt der Gefühle. Aus einem flüchtigen Kennenlernen entwickelt sich die leidenschaftlichste Liebesbeziehung der Filmgeschichte: Die beiden verbindet zunächst hemmungslose Hingabe, die sich dann in blanken Hass verwandelt. Foto: Pro Sieben

Und dann „9 1/2 Wochen“. Vorlage war die autobiografische Confessio einer Frau, die in eine sadomasochistische Hörigkeit hineinrutscht, sie zunächst genießt, dann an ihr fast zerbricht. Der Text ist unzensiert und ungeniert, hart und gnadenlos, er schont niemanden. Adrian Lynes Film ist das genaue Gegenteil: Ein Soft-Porno als Genussmittel für die schon etwas reifere Frau, so schön fotografiert und in Szene gesetzt, dass er schon wie das Vorspiel für die spätere „Fifty Shades of Grey“-Begeisterung wirkt. Frau kann sich ruhig hingeben, weil der „böse“ Mann schon vor dem Letzten zurückschrecken wird. Zumindest prima vista ist der Film natürlich anti-emanzipatorisch par excellence – auch wenn die treueste Kundschaft aus dem weiblichen akademischen Milieu stammt. Das wird nicht so sehr bei den Sex-Szenen deutlich, sondern besonders dann, wenn die Frau, als wäre sie ein Tier, zugerichtet und gefüttert wird. Da ist Basinger, über deren Qualitäten als Schauspielerin es immer wieder Streit gab, bestens besetzt. Und doch erhielt sie auch für diese Rolle nicht ganz zufällig sowohl einen Preis als beste Darstellerin als auch eine Nominierung für die „Goldene Himbeere“, also die mieseste Performance. Unbestritten war sie eigentlich nur einmal: in Curtis Hansons „L.A. Confidential“, diesem späten Prachtstück eines „Film noir“.

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