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Ermittlung

Gedopte Schafe bleiben entspannt

Eine Regensburger Herde hat am Keilsteiner Hang Marihuana gefressen. Weniger entspannt sieht das die Polizei: Sie ermittelt.
Von Marion Koller, MZ

Wer von ihnen hat nun an den Cannabis-Pflanzen geknabbert? Foto: Koller
Wer von ihnen hat nun an den Cannabis-Pflanzen geknabbert? Foto: Koller

Regensburg.Marihuana heißt umgangssprachlich „Gras“. Die Schafe und Ziegen von Stefan Artmann am Keilsteiner Hang hielten die Pflanzen, die sie unter ihrem schönen, alten Haselnussstrauch entdeckten, offenbar für besonders schmackhaftes Gras. Jedenfalls fraßen sie einige auf, von anderen knabberten sie nur die Blätter ab.

Als Stefan Artmann am Donnerstagabend nach seiner kleinen Schwabelweiser Herde schaute, fielen ihm sofort die Pflanzenreste und einige Pappmaché-Blumentöpfe auf. Genau dort, wo sich die Vierbeiner sonst unter dem Schutz des Haselnussstrauchs niederlegen. Der 51-Jährige, dessen Opa Landwirt war, hält seit drei Jahrzehnten Schafe und war deshalb überzeugt, dass sie von dem Hanf keinen Schaden davontragen werden. „Die Tiere fressen nichts, was ihnen schadet“, sagt er. „Hanf an sich ist ja nicht schlimm.“ Die Bergschafe, allen voran der Bock Fritz, zeigten keinerlei Anzeichen von Unwohlsein und auch keine Ausfallerscheinungen.

Landschaftspflege auf vier Beinen

Rechtsanwalt Stefan Artmann Foto: Koller
Rechtsanwalt Stefan Artmann Foto: Koller

Doch Artmann ist Rechtsanwalt und weiß, wie eine Cannabis-Pflanze aussieht. „Wir hatten in der Referendarsausbildung einen Kurs zu Marihuana.“ Also verständigte er die Polizeiinspektion Nord. „Aus dem einfachen Grund, damit es nicht heißt, der hält sich Schafe und will nur seinen Cannabis-Anbau verschleiern.“ Die PI schickte umgehend zwei junge Beamte nach Schwabelweis. Sie nahmen die restlichen Marihuana-Pflanzen mit und entsorgten sie pflichtgemäß. Die Polizei ermittelt nun, ob es sich um gezielten Cannabis-Anbau handelt.

Welche Strafe droht dem unbekannten „Gras“-Besitzer? Das Polizeipräsidium Regensburg kann diese Frage nicht rechtsverbindlich beantworten, denn es kommt auf die Marihuanamenge und den Wirkstoffgehalt an.

Pressetermin am Keilsteiner Hang: Die Bergschafe und Ziegen tummeln sich auf einem Hektar Grün unterhalb der Felsen. Als Stefan Artmann mit einem Eimer voll Kraftfutter über den Zaun steigt, stürmen alle 20 Tiere auf ihn zu. Manchmal lässt er sie auch frei laufen, damit sie das gesamte Gelände abgrasen. Wenn er ihnen schreit, reagieren sie sofort.

Seine Tiere, besonders die Ziegen, pflegen die Landschaft. Die Flächen gehören der Walhalla Kalk GmbH und Co. KG und der Stadt Regensburg. Gerhard Schröder von Walhalla Kalk erklärt, dass es sich um Ausgleichsflächen „im Rahmen der Abbaugenehmigung“ handelt. Insgesamt seien es 20 Hektar. „Da sind Streuobstwiesen, Eichenwald, Trockenrasen.“ Parallel zum Kalkabbau werde renaturiert. Artmanns Schafe weiden aber nur auf einem Hektar. Das städtische Umweltamt ist interessiert daran, dass der Trockenrasencharakter erhalten bleibt. Ohne die Herde würden Büsche den Keilsteiner Hang bedecken.

Bock Fritz rammt den Rechtsanwalt

Unter einem Haselnussstrauch am Keilsteiner Hang in Schwabelweis hat Schafhalter Stefan Artmann die Marihuana-Pflanzen entdeckt. Dort suchen seine Schafe immer Schutz. Foto: Koller
Unter einem Haselnussstrauch am Keilsteiner Hang in Schwabelweis hat Schafhalter Stefan Artmann die Marihuana-Pflanzen entdeckt. Dort suchen seine Schafe immer Schutz. Foto: Koller

Als das Kraftfutter im Eimer ausgeht, ärgert das den Bock Fritz. Er nimmt Anlauf und rammt Stefan Artmann. Der kennt die Dreistigkeit von Fritz und reagiert gelassen. Der 51-Jährige liebt seine Vierbeiner. Sie wirken beruhigend auf ihn. Zweimal am Tag schaut er nach dem rechten – vor und nach der Arbeit in der Kanzlei.

Ein Mountainbiker strampelt vorbei und bremst plötzlich. „Sind Sie der Schäfer mit dem Marihuana?“, fragt er Artmann lachend. Ganz Schwabelweis wisse das schon von Mittelbayerische.de. Das Kraftfutter serviert Artmann seinen Tieren auch, weil sie auf diese Weise zutraulich werden. „Die werden sonst ziemlich scheu“, sagt er. „Dann reißt der Kontakt ab und Sie können sie nicht mal streicheln.“ Wenn ein Tier erkranke, lasse es ihn dann nicht an sich heran. Ob die Schafe das entspannende Marihuana vermissen, ist unklar.

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