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Oberpfälzer Unternehmer baut karibische Träume

Ludwig A. Meister wollte in der Dominikanischen Republik nur das Leben genießen, jetzt investiert er dort Millionen

  • Bei seinem Show-Ensemble ist Meister der „Hahn im Korb“.Fotos: Schaudig
  • Ludwig A. Meister, der frühere Besitzer der C&C-Märkte, vor seinem neuesten Projekt: Ein Yachthafen mit Revuetheater, Spielcasino und „Ocean World“

Von Lothar Schaudig

PUERTO PLATA. Ludwig A. Meister (72) hat es wieder einmal geschafft: Pünktlich vor Beginn der Hauptreisezeit in der Karibik nahm er in Cofresi bei Puerto Plata in der Dominikanischen Republik seinen Yachthafen mit Spielcasino und Revuetheater in Betrieb. Der Oberpfälzer Ausnahme-Unternehmer aus Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) hat dort vor zweieinhalb Jahren einen Erlebnispark mit Delfinen, Haien, Rochen, Seelöwen, Polartigern, exotischen Fischen und Vögeln eröffnet: „Ocean World“. Das gesamte Investitionsvolumen wird auf einhundert Millionen Dollar beziffert.

Manche werden sich vielleicht noch an die „Sturm- und Drang-Jahre“ von Ludwig A.Meister erinnern. Der gebürtige Erbendorfer (Landkreis Tirschenreuth) war damals, in den sechziger und siebziger Jahren, häufig für Schlagzeilen gut. Es begann 1959, als Meister an einem verlängerten Wochenende den Kramerladen seiner Mutter in einen Supermarkt umbaute. Die Idee hierzu hatte er aus Amerika mitgebracht. Sie schlug ein, denn Supermärkte gab es zu jener Zeit in der Bundesrepublik gerade siebenundzwanzig Mal. In den folgenden Jahren wurde Meister rasch größer und größer. „Cash and Carry“, kurz C&C, hieß die Zauberformel: Bar zu günstigen Großhandelspreisen zahlen und mitnehmen. Mit pfiffigen Einfällen und Marketing-Aktionen gelang es dem Newcomer immer wieder Schlagzeilen – und damit Werbung – für sich zu machen.

Bierkriege mit Thurn & Taxis

Legende ist beispielsweise der „Regensburger Bierkrieg“. Meister kaufte heimlich und unauffällig große Mengen von Thurn&Taxis-Bier auf und warf sie dann als Sonderangebot auf den Markt. Die Thurn&Taxis-Wirte standen Schlange, um sich mit dem billigen Gerstensaft einzudecken. Der Fürst schäumte vor Zorn und erwirkte sofort bei Gericht gegen den Preisbrecher eine einstweilige Verfügung, was am nächsten Tag unübersehbar in der Zeitung stand. Meister hatte sein Ziel erreicht.Folge zwei der Regensburger Bierkriegsposse wurde von Meister drei Jahre später inszeniert. Das Ziel der Aktion schien zunächst das gleiche zu sein, nur dass Meister diesmal das fürstliche Gebräu sogar noch unter seinem Einkaufspreis feilbot. Wie nicht anders zu erwarten, ließ sich Fürst Thurn&Taxis wieder zu einer einstweiligen Verfügung provozieren – und verhalf so dem Erbendorfer zu Reklame für seine neuen Eigenmarken „Meister-Hell“ und „Meister Pils“.

Eigentlich wollte sich Ludwig A.Meister 1978 zur Ruhe setzen. Er hatte sein Supermarkt-Imperium an den Metro-Konzern verkauft. Die achtzehn Meister-Märkte in Nordbayern, zwischen Coburg und Straubing gelegen und mit jeweils hohem Marktanteil in der Region, schienen dem damaligen Metro-Chef Conradi genau das richtige Objekt. Meister erinnert sich: „Als Conradi mir sein Angebot nannte, hat es mich aus dem Stuhl gehoben. Es war ein Kaufpreis, bei dem ich nicht nein sagen konnte“. So um die 150 Millionen DM (rund 78 Millionen Euro) sollen es gewesen sein, ein Betrag der zwar nie bestätigt, aber auch nie dementiert worden ist.

Ludwig A. Meister, 1978 gerade mal 44 Jahre alt, zog mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen auf die Bahamas. Wie sich das für einen millionenschweren Aussteiger gehört, erwarb er in der Steueroase Nassau ein 6000Quadratmeter großes Traumgrundstück direkt am Meer, mit eigenem Tennisplatz, Bootsanlegesteg, Pool mit Schwimmgrotte und pinkfarbener Villa. Hier sollte nun sein neuer Lebensmittelpunkt sein, hier wollte er mit Familie das Leben genießen.

Doch dann kam alles ganz anders: Zuerst ging die Ehe in die Brüche. Dann begann sich „der Alfred“, wie Meister von Freunden nach seinem zweiten Vornamen genannt wird, zu langweilen. Meister: „Ich konnte ja nicht dauernd nur Tennis spielen!“

Also startete der umtriebige Oberpfälzer eine zweite berufliche Karriere – diesmal im Tourismus-Geschäft. Meister investierte in so genannte Timesharing-Objekte – Ferienhäuser und Appartement mit Wohnrecht auf Zeit – und er begann Grundstücke und Inseln zu sammeln, wie andere betuchte Zeitgenossen Rolex-Uhren oder Ferraris. Eine davon, „Salt Key“, ein Eiland mit einer traumhaften Lagune, gefiel dem arabischen Milliardär Adnan Kashoggi so gut, dass er Meister mehr als das Doppelte des Einstandspreises bot. Der lehnte ab und ist noch heute glücklich darüber. Denn auf Salt Key, von Meister werbewirksam in „Blue Lagoon“ umbenannt, ist ein Delfinarium entstanden, das sich als eine der meistbesuchten Attraktionen in Nassau zur „Goldgrube“ entwickelt hat.

Dabei wollte Meister ursprünglich nur ein gutes Werk vollbringen. Er hatte in einem Nassauer Hinterhof die Hinterlassenschaft eines in Konkurs geratenen Seewasser-Aquariums entdeckt: zwei Delfine, die in einem nur drei mal drei Meter großen Becken dahin vegetierten. Um sie aus ihrer jämmerlichen Situation zu erlösen, kaufte Meister die Tiere ihrem Besitzer für zwanzigtausend Dollar ab. Auf die Idee, mit den Delfinen Geld zu verdienen, kam er erst später. Meisters Flipper-Familie umfasst inzwischen zwölf Tiere in Nassau und dreizehn im Ocean World Adventure Park in Puerto Plata.

Meisters Geschäftsaktivitäten auf den Bahamas werden inzwischen von seinem älteren Sohn Robert und dessen Frau Kelly wahrgenommen. Er selbst und sein jüngerer Sohn Stefan haben in den vergangenen sechs Jahren in der Dominikanischen Republik „Ocean World“ realisiert. Die neue Marina von „Ocean World“ ist der erste „Full-Service“-Yachthafen an der Nordküste der Dominikanischen Republik. Sie ist konzipiert für über 100Schiffe. Selbst Luxusliner mit bis zu 80 Metern Bootslänge, finden hier einen Liegeplatz. Für die Kaimauer wurden 43000 LKW-Ladungen Felsbrocken ins Meer gekippt. Sie stammten von einem nahe gelegenen Hügel, den Meister zum Schnäppchen-Preis von nur zehntausend Dollar erworben und zum Steinbruch „umfunktioniert“ hatte – ein typischer Meister-Coup. Für zwei weitere Hügel hat sich Meister Optionen gesichert. Man kann ja nie wissen…

Meisters ganzer Stolz gilt seinem neuen „Bravissimo“-Revuetheater, mit dem das angeschlossene Spielcasino Besucher lockt. Sechsundzwanzig dominikanische Tänzerinnen und Tänzer präsentieren hier ein Showprogramm im Las Vegas-Stil. Originalton Meister: „Es ist das Beste, was ich bisher geschaffen habe!“ Und das ist wahrlich eine ganze Menge.

Größter Arbeitgeber der Region

Inzwischen ist der gebürtige Oberpfälzer einer der größten Arbeitgeber in der Region um Puerto Plata, mit einer Vielzahl von hoch qualifizierten Jobs, wie Handwerker, Tiertrainer, Busfahrer, Verwaltungspersonal, Marketingleute, und jetzt auch noch Nautiker und Croupiers. Auf seinen Lohn- und Gehaltslisten stehen sechshundert Personen. Stellt sich schließlich nur noch die Frage, ob bei all den Investitionen auch die Kasse stimmt. Doch das ist für den Ausnahme-Unternehmer aus Erbendorf inzwischen vielleicht gar nicht mehr so wichtig.

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