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Interview

Rapper BBou hat Wolfsbach nie vergessen

Tausende Fans hat der 30-Jährige in Facebook oder auf YouTube. Doch das ist offensichtlich erst der Anfang für ihn.
Von Peter Gattaut

Fast wie Hans Söllner – in der Hip-Hop-Variante: „Bbou“, aufgewachsen in Wolfsbach Foto: Daniel Pfeifer
Fast wie Hans Söllner – in der Hip-Hop-Variante: „Bbou“, aufgewachsen in Wolfsbach Foto: Daniel Pfeifer

Ensdorf.Ein waschechter Oberpfälzer erobert Bayerns Hip-Hop- und Rapper-Szene. Michl Honig (30) alias „BBou“ (Boarischa Bou) ist in Wolfsbach in der Gemeinde Ensdorf aufgewachsen, hatte hier eine „saugeile“ Kindheit und Jugend. Genau diese Zeit inspirierte ihn als Teenager, Texte zu schreiben, um Idolen wie Kool Savas oder der Gruppe „Blumentopf“ nachzueifern.

Anfangs stellte er, wie so viele, seine Songs auf YouTube ein, das war’s. Die Zeiten haben sich geändert. Er hat weit mehr als 100 Songs produziert, mehrere Alben auf den Markt gebracht. Auf Facebook hat er mehr als 35 000 Fans, auf YouTube sind seine Videos schon lang ein Hingucker. Mehr als eine Million User klickten den Song „Bazis wissen wer da BBou is“. Seine eingängigen, melodischen Songs im neuen Album „Idylle“, wie „A Hos a Katz“ oder „Wey a Minsi“, finden jetzt auch noch ein breiteres Publikum. Auch diese Ohrwürmer neuerer Art haben längst die 100 000-Klick-Marke erreicht.

BBou ist ein lebenslustiger Mensch, der nach Arbeitslosigkeit (2015 ging sein Betrieb Pleite) Musik zur Hauptbeschäftigung machte und mit Freunden wie „Kiste“, „Maniac“ oder „Liquid“ – Rapper aus der lokalen Szene – den Sprung schaffte. Er war bei Ringlstetter-TV und weiteren TV-Formaten, tritt auf in München, Regensburg, Berlin, Salzburg, Wien, Linz. Das Interesse an BBou wächst weiter. Für unser Medienhaus war der sympathische Vilstaler zum Interview in vertrauter Umgebung bereit – im Asam-Café Ensdorf.

Lieber BBou, 2015 war sicher nicht Dein bestes Jahr. Deine Firma ging insolvent, dein Hobby Musik war plötzlich einziges Standbein. Wie kam es, dass Oberpfälzer Mundart-Rap so erfolgreich wurde, wer hat Dir dabei unter die Arme gegriffen?

Ich mache ja schon längere Zeit Musik. Wenn man künstlerisch aktiv ist und dabei bleibt, wachsen die Kontakte natürlich, und man lernt viele Menschen kennen. Als ich arbeitslos wurde, war ich sozusagen schon lange mitten drin im Geschehen. In Musiker- oder allgemein in Künstlerkreisen unterstützt man sich „eh“. Der Austausch untereinander hatte und hat auf die Qualität meiner Musik immer einen sehr positiven Einfluss. Unter die Arme gegriffen hat mir gewissermaßen jeder, mit dem ich Musik- und Lebenserfahrung austauschen durfte, und natürlich alle Leute, denen meine Musik gefällt und die meine Konzerte besuchen.

Seit etwa acht Jahren bist du als Musiker „BBou“ aktiv. Zuerst aus Spaß an der Freud’ ohne Bezahlung, seit drei Jahren kam das Kommerzielle auf Dich zu. Wie hat das Dein Leben verändert. Gibt es jetzt mehr Druck, etwas bringen zu müssen?

Überhaupt nicht. Den meisten Druck mach ich mir schon selber. Seit ich mit meiner Musik mein Geld verdiene, hat sich meine Einstellung dazu nicht verändert. Dadurch, dass ich mein eigener Chef bin und keinen vorgegebenen Tagesablauf habe, werde ich gnadenlos mit mir selber konfrontiert. Da hat man ja erst wirklich die Zeit, sich mit sich selber und dem Dasein zu beschäftigen. Sonst war ich ja immer abgelenkt, um in dem Arbeitskonstrukt meine Aufgaben zu erfüllen. Ich mache Musik aus Spaß an der Freud’ und freue mich, wenn ich Leute damit unterhalten kann. Wenn jemand über ein Lied lachen kann oder ich ihn zum Nachdenken anrege, hab’ ich alles erreicht, was ich wollte. Unter Druck setzen lass’ ich mich nicht, nur von mir selber eben. Dass ich arbeitslos wurde, war übrigens das Beste überhaupt, was mir passieren konnte (lacht)!

Du hattest damals schon das Motto „Have Fun und hau Di zam“. Du beschreibst Sachen in Deinen Liedern, die natürlich schon das „Kiffen“ und „Saufen“ beschönigen. Gab es dahingehend schon mal Probleme mit den Behörden oder der Polizei?

Nein, noch nie. Viele stellen Cannabis als schlimme Droge hin, eigentlich ist es genau genommen ja eine Heilpflanze. Ich habe meinen Alkoholkonsum über die letzten Jahre sehr reduziert. Alkohol lähmt dich, lässt dich Dinge verdrängen, bei denen es besser wäre, sich mit ihnen zu beschäftigen. Alkohol ist in der Gesellschaft anerkannt weil die Leute es nicht hinterfragen, Dinge verdrängen, einfach so weitermachen und sich und ihre Gesundheit zum Schluss komplett vergessen. Am Ende unseres Lebens kommen wir sowieso nicht drumherum, uns unseren inneren Ängsten und Emotionen zu stellen. Die trägt man so lange mit sich rum, bis man seine körperliche Hülle verlässt. Man kann vor sich selber nicht weglaufen. Cannabis zum Beispiel bringt dich dazu, Dinge zu hinterfragen und nachzudenken. Es kann alles ein Genuss- oder ein Suchtmittel sein. Es kommt immer auf den vernünftigen Gebrauch und die Dosis an.

Dein neues Album „Idylle“ steht, wie Du selber es beschreibst, für Integration in Deiner Heimat. Warum bist Du, wie Du es gerne so weitergibst, der ultimative Botschafter für Oberpfälzer Kulturgut?

Auch wenn ich schon 30 bin, zähle ich mich zur neuen Oberpfälzer Generation. Meine Lieder sing’ ich so, wie ich mit meiner Mama red’. Ich verwende kein massentaugliches Bayerisch, weil mein Oberpfälzisch das eben nicht ist. Die Oberpfälzer sind so etwas wie die Gallier von Bayern, a bissl abgegrenzt vom Rest, was, glaub’ ich, auch vom rauen Dialekt kommt. Ich glaube, dass meine Musik besonders durch exotischen Sprachkodex für viele interessant ist. In Medienanstalten wird massentaugliches Bayrisch gewünscht und gefördert. Mit meinen Liedern bin ich so eine Art Botschafter aus und für die Oberpfalz. I bin hald in da Oberpfalz aafgwaxn, und aas dem Bewusstsein asse entsteyt aa mei Mucke. Alloa des macht mich, moan i doch, scho mal zu an oberpfälzer Botschafter.

Du bist sehr naturverbunden, gehst öfter in den Wald und verzichtest oft auf Handy und andere Hightechartikel. In Deinem neuen Beruf wird es ja wohl nicht immer ohne diese Instrumente so leicht gehen. Gibt es schon eine Sekretärin? Oder wer kümmert sich um Booking und PR-Arbeit?

Die Bookings organisiert mein guter Freund Markus, der in einer Konzertagentur tätig ist. Ohne ihn wäre mein Terminplan in dem Umfang nicht möglich. Um den Vertrieb kümmert sich ein Independent Label aus München. Für die hereinbrechende E-Mail-Flut werd ich mir für die Zukunft eine nette Freundin ins Boot holen, so eine Art E-Mail-Managerin (lacht).

Drei Stichwörter – als Antwort bitte nur ein Satz. Liebe?

Alles ist Liebe.

Religion?

Religion ist der Tod der Spiritualität.

Politik?

Politiker, alles Marionetten, von Banken gesteuert.

Du wirst öfters – das war zumindest meine Erfahrung – in Verbindung mit Hans Söllner gebracht. Doch ich glaube, da wirst du nicht begeistert sein, da du ja keine politischen Botschaften weitergibst.

In einem Atemzug mit Hans Söllner genannt zu werden, schmeichelt mir. Doch wie Du schon richtig formuliert hast, ist meine Musik nicht wirklich politisch motiviert. Hans Söllner hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Den nutzt er klug, plädiert für Menschlichkeit, für liebevolles Miteinander. Das ist das Höchste, was man als Künstler tun kann. Dass versuche ich auch, nur auf eine sanftere und subtilere Art und Weise, glaub ich zumindest. Parallelen zwischen seiner und meiner Musik gibt es dann schon. So bringe ich meinen Groll gegen das Schulsystem zum Ausdruck, durch das wir alle durchgezwungen und konditioniert wurden und immer noch werden, um zu funktionieren, um blind zu gehorchen und nichts in Frage zu stellen. Der Hans geht da schon auch in diese Richtung.

Welche Botschaft oder welchen Ratschlag willst Du unseren Lesern und Deinen Fans mit auf den Weg geben?

Schenkt euren Mitmenschen Liebe und seid für Andere da.

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