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Abschied

Gottvertrauen als große Hilfe

Mit einem Requiem mit neun Geistlichen in Chammünster wurde Samstag die verstorbene Schlossherrin Stefanie Rüsch von Siemens verabschiedet

Neun Priester zelebrierten das Requiem für Stefanie Rüsch von Siemens im Marienmünster Chammünster.

CHAMMÜNSTER. „Weder Gewalt noch Tod können uns trennen von der Liebe Gottes.“ So hieß ein Satz in der Lesung während des Requiems für Stefanie Rüsch von Siemens, die am Samstag vor einer Woche in ihrem Zuhause im Schloss Gutmaning nach langer Krankheit im Alter von erst 48 Jahren verstorben ist. Dieses Vertrauen auf die Liebe Gottes stellten in ihren Ansprachen sowohl ihr Gatte Tilmann Rüsch als auch ihr Beichtvater aus Österreich, der Hauptzelebrant des Gottesdienstes, als das Entscheidende im Glauben heraus. Viele Weggefährten, Freunde und auch Pfarrangehörige aus Chammünster, die Stefanie Rüsch in den Jahren, in denen sie immer wieder in Gutmaning lebte, wegen ihres stets freundlichen Wesens ins Herz geschlossen hatten, begleiteten sie auf ihrem letzten irdischen Weg auf den Friedhof neben dem Marienmünster Chammünster.

Ein Bläserquintett der Stadtkapelle Roding hatte die vielen Messbesucher vor dem Gottesdienst mit ruhigen Weisen auf das Requiem eingestimmt, als neun Priester aus verschiedenen Ländern mit den Messdienern in die Kirche einzogen. Ein Harfenist begleitete sie musikalisch zum Altar, der von unzähligen Kränzen und Blumengebinden eingesäumt war. Ein Bild neben dem Altar zeigte Stefanie Rüsch, wie sie alle im Gedächtnis behalten wollen: sanft, freundlich, herzlich.

Zwischen den Lesungen sang eine Tochter der Verstorbenen Verse aus Psalm 67, in denen die Gerechtigkeit Gottes gelobt wird. Dass diese Gerechtigkeit Gottes für uns Menschen oft nicht zu verstehen ist, verschwieg auch Tilmann Rüsch in seinen Gedanken zum Tod seiner Frau und der Mutter ihrer sechs Kinder nicht: „Ja, wir vermissen sie und es ist schwierig, ohne sie weiterzuleben. Aber Gott hat es so gewollt. Warum? Die entscheidende Frage ist, gilt unser Wille oder der Wille Gottes. Was ist wichtig in meinem Leben: Ist es Gott - nur Gott? Warum kann der Kelch nicht an uns vorübergehen? Aber nicht unser Wille, Dein Wille geschehe. -Ach, so haben wir gebetet, haben für unsere Stefanie gehofft. Für Gott wäre es das Einfachste der Welt gewesen, Stefanie gesund zu machen, an ihr ein Wunder geschehen zu lassen. Aber er hat sie zu sich geholt. Aber warum? - Wir müssen es nicht wissen. Es reicht, dass wir ihm vertrauen, dass er alles recht macht und zum Guten wendet.“

Wir dürften nicht vergessen, dass Hauptaufgabe unseres irdischen Lebens ist, immer näher zu Gott zu kommen. „Und hierfür stand Stefanie. Immer wenn es einen Stein auf diesem Weg gab, hat sie sich bemüht, ihn wegzuräumen. Und sie hat es getan.“ Im Gebet, in der Trauer habe er gespürt: Gott ist nahe. „Wer glaubt ist nicht allein“, zitierte Tilmann Rüsch das Lied zum Papstbesuch in Bayern. Wir alleine seien nicht in der Lage, den Preis für unser Unvermögen zu zahlen, deshalb habe Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt. Wir seien aufgerufen, Buße zu tun, Leid auf uns zu nehmen, zu bekehren. Seine Frau Stefanie habe ihr Leiden aufgeopfert. „Gott allein weiß, wie viele Menschen dadurch frei geworden sind.“

Auch der Pfarrer sah das Leiden Stefanie Rüschs nicht umsonst. „Die Kranken, die Leidenden, die sieben Jahre Schweres durchstehen mussten, das sind die Schätze der Kirche. Wir beerdigen heute so einen Schatz der Kirche.“ Kardinal Tomašek aus Prag habe einmal gesagt: „Wer für die Kirche arbeitet, tut viel. Wer für sie betet, tut mehr. Wer für sie leidet, der tut alles.“ Stefanie habe ihr Leiden so gesehen. Und doch „haben wir auf ein Wunder gehofft und für ihre Heilung gebetet. Es ist richtig, dass wir so denken, glauben, hoffen.“ Ignatius von Loyola habe die „Indifferenz des Glaubens“ so beschrieben: Wir müssten die Dunkelheit genauso annehmen wie das Licht, das Leid genauso wie die Freude, die Krankheit genauso wie die Gesundheit.

Denn was ist das größte Wunder? Die Heilung von einer schweren Krankheit, das Aufstehen vom Sterbebett „oder doch, wenn die unsterbliche Seele sich vom irdischen Leib trennt und zu Gott zurückkehrt? Ist das nicht das größte Wunder, wenn die Seele in Gott geborgen bleibt eine Ewigkeit lang?“ Stefanie bedeute die Gekrönte. Sie trage jetzt die Krone der Unsterblichkeit und Seligkeit. Sie sei durch ihr vorbildliches Leben zur Leiter für viele in die Ewigkeit geworden, sei jetzt Fürsprecherin im Himmel für ihre Familie und viele andere. Man müsse Stefanie Rüsch danken, dass sie das Kreuz nicht weggeschoben, sondern angenommen habe und dadurch das Wort „Im Kreuz ist Heil, Leben und Hoffnung“ wahrgemacht habe. Und zum Schluss meinte der Pfarrer noch: „Wir werfen dich nicht in ein dunkles Grab, sondern in den Ozean der Barmherzigkeit Gottes.“ So sei auf dem Sterbebild auch der von Schwester Faustina visionär gesehene barmherzige Heiland abgebildet, an den Stefanie immer geglaubt habe.

Nach dem beeindruckenden Gottesdienst zogen die Trauernden zur Aussegnungshalle, wo der Pfarrer zunächst die Gebete sprach, bevor der schlichte Sarg von Gutmaninger Bürgern zum Grab gebracht wurde, wo sie ihn schließlich in die Erde hinabließen. Während des letzten, intensiven Abschiednehmens der Trauergemeinde sangen zunächst zwei Priester einige Psalmen, ein älterer Herr stimmte dann kräftig ein Spiritual an, bevor schließlich eine Gruppe Jugendlicher Marien- und Lieder zu Gottes Lob begannen, in die die übrigen Menschen einstimmten. So klang die von tiefem Glauben geprägte Abschiedsfeier für Stefanie Rüsch von Siemens auf dem Friedhof Chammünster aus, bevor alle zu einer Agape, einem Freundschaftsmahl, ins Schloss Altrandsberg eingeladen waren. (chi)

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