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chamerau.

Herold, ein Ausländerfeind? Wirbel um Ex-Bürgermeister

Christian Ulmen alias Knut Hanson und die Folgen seines Besuchs beim Altbürgermeister von Chamerau / Frieder Herold wehrt sich

  • Frieder Herold Foto: Archiv
  • Christian Ulmen alias Knut Hanson bei seinem Auftritt im Juli vorigen Jahres in Furth im Wald. In wenigen Tagen laufen Ulmens Knut-Hanson-Filme im Internet unter www.ulmen.tvFoto: MZ-Archiv

von rupert schlecht

Alt-Bürgermeister Frieder Herold ein Ausländerfeind? Einer, der weiß, wo es in Tschechien die besten Prostituierten gibt? Einer, der es zu verhindern weiß, dass Türken in Chamerau eine Wohnung bekommen?

Starker Tobak in einem Artikel, Montag erschienen in der Münchner Abendzeitung, garniert mit Aussagen, die Herold gegenüber Schauspieler Christian Ulmen gemacht haben soll, als Ulmen in Chamerau im Juli 2007 aufgekreuzt war. Mit Gitarre im Stile eines muffelnden Countrysängers hatte er sich als „Knut Hanson“ ausgegeben. Eine Kunstfigur, die samt Filmteam durch die Lande streift. Hanson dreht Filme für www.ulmen.tv–ab diesen Freitag zu sehen im Internet.

Angeblich Dreh für Werbefilm

Frieder Herold sagt auf Nachfrage der Kötztinger Umschau, er hatte tatsächlich keine Ahnung, dass Hanson nicht echt war. Er ging davon aus, Hanson wolle einen Werbefilm über die Tourismus-Gemeinde Chamerau drehen.

Und die heiklen Aussagen? Frieder Herold, zurzeit in seiner Wahlheimat Ungarn, weist sie zurück. „Ich habe nichts gegen Ausländer. Ich werde kaum in Ungarn sein, wenn ich ausländerfeindlich wäre.“

Arbeitsunwillige verpönt

Herold: „Ich habe nur etwas gegen Ausländer, die arbeitsunwillig sind. Dazu stehe ich auch.“ Gleiches gelte für Deutsche, die nicht gewillt sind, zu arbeiten und auf Kosten der Gemeinschaft leben, und Leute, die mit Drogen dealen. Aber jeder, der bei uns arbeitet, ist ein gern gesehener Gast.“ Er selbst befinde sich gerne im Ausland, speziell in seiner geliebten Wahlheimat Ungarn.

Herold erinnert sich an den Besuch von Ulmen alias Knut Hanson im Juli 2007. Herold war amtierender Bürgermeister. Er nahm an, dieser Hanson samt Film-Team mache trefflich Werbung für die Fremdenverkehrs-Gemeinde Chamerau. „Da ist mir nichts spanisch vorgekommen. Wenn ein Film über Chamerau gedreht wird, sollte es uns nur recht sein.“

Frage nach Prostituierten

Herold nahm Hanson mit auf eine Ortsrunde. „Ich habe ihm auch den Sportplatz und die Kirche gezeigt.“ Nachher Interview und Filmarbeiten im Haus des Gastes. Hanson habe sich „ganz passabel gegeben“. Dass Hanson Herold mit Fragen aus der Reserve locken wollte, sei Herold unklar gewesen. Eventuell, sagt Herold, seien Aussagen, etwa zum Thema Prostituierte, missinterpretiert worden. Hanson habe ihn gefragt, er interessiere sich für Prostituierte, wo er denn die besten und billigsten finde? Herold sagt, er habe ihm spaßeshalber geantwortet, da müsse er nach Tschechien.

Im Artikel der Abendzeitung wird Herold weiter zitiert: „Wenn eines Tages ein Bus voller Türken im Ort ankäme, würde keiner eine Wohnung vermietet bekommen.“ Dafür sorge er persönlich. „Für solche Fälle gibt es nämlich eine Kasse in der Gemeinde, aus der die leer stehenden Wohnungen ein halbes Jahr bezahlt werden.“

Herold verneint: „Habe ich nicht gesagt.“ Auch sein Nachfolger im Bürgermeister-Amt, Stefan Baumgartner, will davon nichts wissen: Chamerau stelle wie jede Kommune ihren Haushalt auf, der von der Rechtsaufsicht genehmigt werde. Eine solche Kasse, ein Unding. Ausländer abzulehnen, das komme nicht infrage. Gottlob gebe es das Grundgesetz, das Rechte zusichere.

Trotz Pressewirbel, von einem Imageschaden für Chamerau will der Alt-Bürgermeister genau wie sein Nachfolger nichts wissen. „Wer klar trennt, sieht, dass sich Chamerau, gerade auch im Tourismus, gut entwickelt. Wir sind eine aufstrebende Fremdenverkehrsgemeinde.“ Was vor seiner Amtszeit gewesen ist, dafür könne er nichts, sagt Baumgartner.

Punkt 12 Uhr klingelt das Telefon

Aber vom Rummel um Herold bekommt Baumgartner einiges ab. Dreimal sei er am Sonntag von der Presse angerufen worden, um Stellung zu beziehen. Zweimal während einer wichtigen Ausschusssitzung, die er nicht unterbrechen konnte, das dritte Mal Punkt 12 Uhr beim Mittagessen. Zwar sei ein Bürgermeister stets im Dienst, aber zumindest Sonntagmittag sollte man ihm etwas Pause gönnen.

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