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Tragödie

Max Schierer ist tödlich verunglückt

Der Unternehmer aus Cham starb, wie aus Wirtschaftskreisen verlautet, beim Zusammenstoß eines Helikopters mit einem Flugzeug.
Von Johannes Schiedermeier und Frank Betthausen

Der Chamer Unternehmer Max Schierer junior Foto: Archiv, Simon Tschannerl
Der Chamer Unternehmer Max Schierer junior Foto: Archiv, Simon Tschannerl

Cham.Fassungslosigkeit und Bestürzung in Cham: Beim Zusammenstoß eines Kleinflugzeugs und eines Hubschraubers in den italienischen Alpen ist nach Angaben aus Wirtschaftskreisen der Unternehmer Max Schierer junior ums Leben gekommen. Wie am Samstag aus dem engsten Umfeld des 48-Jährigen verlautete, befürchte die Familie das Schlimmste. Eine offizielle Bestätigung liegt allerdings nicht vor. Bei dem Unglück starben insgesamt sieben Personen – darunter nach Angaben der italienischen Polizei vier Deutsche.

Max Schierer (r.) trieb in den vergangenen Jahren viele Projekte voran. Im Chamer Westen fand im Oktober 2017 der Spatenstich für den Panoramapark statt. Unsere Aufnahme zeigt Schierer mit Co-Investor Matthias Altmann und Manuela Amann. Foto: Archiv, Klöckner
Max Schierer (r.) trieb in den vergangenen Jahren viele Projekte voran. Im Chamer Westen fand im Oktober 2017 der Spatenstich für den Panoramapark statt. Unsere Aufnahme zeigt Schierer mit Co-Investor Matthias Altmann und Manuela Amann. Foto: Archiv, Klöckner

Italienische Medien meldeten, dass der Hubschrauber am Freitagnachmittag im italienischen Courmayeur gestartet und zum Heliskiing unterwegs war. Dabei springen Skifahrer oder Snowboarder aus dem Helikopter ab, um anschließend durch unberührten Tiefschnee abzufahren. Max Schierer, Geschäftsführer des gleichnamigen Baustoffhändlers und der bekannten StilHäuser in Cham und Straubing, ging diesem Hobby seit vielen Jahren nach.

Das Kleinflugzeug hatte, wie es hieß, im Skiort Megève in Frankreich abgehoben und habe einen Fluglehrer sowie zwei Flugschüler an Bord gehabt. Der Flieger sei wohl in den italienischen Luftraum eingedrungen, ohne die dortige Flugsicherung zu informieren, erklärte ein Polizeisprecher dem staatlichen Radiosender RAI.

Der Unfallort liegt am Rutor-Gletscher im Aostatal – im Länderdreieck zwischen Italien, Frankreich und der Schweiz in hochalpinem Gelände. Die Bergungsarbeiten waren nach Angaben der Bergrettung wegen der Dunkelheit am Freitag abgebrochen und am Samstag fortgesetzt worden.

Zwei Schwerverletzte

Max Schierer ist eines von vier deutschen Todesopfern an Bord des Helikopters. Bei den Toten handele sich um einen 49-Jährigen, der in der Region als Bergführer arbeitete, und Ski-Touristen, unter ihnen eine Frau. Auch der italienische Pilot des Hubschraubers sei ums Leben gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa und berief sich auf die italienische Polizei. Ein weiterer Deutscher habe verletzt überlebt, hieß es.

Max Schierer hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Mitarbeiter und hielt ihnen den Rücken frei – etwa einem seiner bekanntesten Beschäftigten, dem deutschen CP-Fußballnationalspieler Christian Eidenhardt (links). Schierer gab dem Waldmünchner nach dessen Hirnblutung nicht nur eine zweite berufliche Chance, er sorgte auch dafür, dass er seine Sportkarriere verwirklichen konnte. Foto: Archiv/Schiedermeier
Max Schierer hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Mitarbeiter und hielt ihnen den Rücken frei – etwa einem seiner bekanntesten Beschäftigten, dem deutschen CP-Fußballnationalspieler Christian Eidenhardt (links). Schierer gab dem Waldmünchner nach dessen Hirnblutung nicht nur eine zweite berufliche Chance, er sorgte auch dafür, dass er seine Sportkarriere verwirklichen konnte. Foto: Archiv/Schiedermeier

Unter den sieben Toten des Unglücks sind laut italienischer Polizei auch zwei Insassen des Kleinflugzeugs, ein Belgier und eine Person mit Wohnsitz in Frankreich. Nach einem Bericht des Senders RAI überlebte der 55-jährige französische Pilot die Tragödie. Ermittler werfen ihm strafbare Fahrlässigkeit vor.

Die beiden Verletzten befänden sich auf der Intensivstation, seien aber außer Lebensgefahr, erläuterten Rettungsärzte am Samstag bei einer Pressekonferenz.

Mittelständler aus Leidenschaft

Max Schierer junior, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH in Cham, die als Baustoffhändler und Rund-um-Partner fürs Bauen, Renovieren und Modernisieren Standorte in der östlichen Oberpfalz, in Niederbayern und Tschechien unterhält, war Unternehmer und Mittelständler aus Leidenschaft. Das Unternehmen, das sein Vater Max senior jahrzehntelang mit der gleichen Hingabe zu überregionaler Bedeutung geführt hatte, hat deutlich mehr als 400 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro.

Das Rad muss rollen – das war ein Dauerthema und Motto für den Chamer Unternehmer Max Schierer. Foto: Archiv, Klöckner
Das Rad muss rollen – das war ein Dauerthema und Motto für den Chamer Unternehmer Max Schierer. Foto: Archiv, Klöckner

Nach dem Abitur 1989, der Bundeswehrzeit und seinem BWL-Studium in Siegen heuerte Schierer als Vorstands-Assistent beim einst drittgrößten deutschen Baustoffhändler, der Mühl AG, in Berlin an. Bei der 2002 in die Insolvenz abgerutschten Firma bereitete sich der Oberpfälzer zwei Jahre lang auf den Einstieg ins 1898 gegründete Familien-Unternehmen Schierer in Cham vor. Dass er dort einmal die Nachfolge seines Vaters Max senior antreten sollte, „war von langer Hand geplant“, erzählte er einmal in einem Interview.

Es gefiel ihm in Berlin

Wobei er in dem Gespräch damals auch klar machte, dass es ihm bei der Mühl AG in seiner Zeit 1997 und 1998 ausgesprochen gut gefiel. „Ich war vom Kofferträger bis zum Chef alles“, sagte er. Er hatte viele Freiheiten und sammelte wertvolle Erfahrungen, von denen er bis heute profitierte.

Am Ende war der 48-Jährige hin und her gerissen und dachte kurz darüber nach, in Berlin zu bleiben. Umso mehr, als sein damaliger Chef extra nach Cham reiste, um ihn bei der traditionsreichen Schierer GmbH loszueisen. Doch die Initiative führte ins Leere.

Die Familie Schierer (hier ein Foto von der Eröffnung des StilHauses in Straubing 2016): Martina Schierer, die Frau des verunglückten Firmenchefs, Seniorchefin Helma Schierer, Tochter Sonja Schierer, Max Schierer senior und Max Schierer junior (von links). Foto: Archiv, Klöckner
Die Familie Schierer (hier ein Foto von der Eröffnung des StilHauses in Straubing 2016): Martina Schierer, die Frau des verunglückten Firmenchefs, Seniorchefin Helma Schierer, Tochter Sonja Schierer, Max Schierer senior und Max Schierer junior (von links). Foto: Archiv, Klöckner

Nach einem „klaren Gespräch“ mit seinem Vater stieg er 1999 in den Betrieb zu Hause ein – und machte sich daran, sich dort einen Stand zu erarbeiten. „Ich war zwar der Juniorchef, aber ohne die Würden eines Geschäftsführers oder Prokura“, erinnerte er sich.

Er stand ihm zur Seite

So stand er seinem Vater zur Seite, der damals als Vorsitzender des Bundesverbands des Deutschen Baustoffhandels viel unterwegs war. Sein Sohn packte in den ersten Jahren vor allem die Themen IT, Controlling, Marketing, Finanzbuchhaltung und Mitarbeiterführung an. „Ich habe Abläufe professionalisiert und Kunden kennengelernt“, erklärte er in dem Gespräch.

All das geschah in einer Zeit, die alles andere als einfach war. Zwischen den Jahren 1995 und 2005 steckte die Baubranche in einer tiefen Krise. Diese Phase hatte Max Schierer junior zu meistern – und fast hinter sich, als ihm sein Vater 2004 die Firma offiziell übergab.

Max Schierer senior: 2004 hatte er seinem Sohn Max junior die Geschäfte in dem Chamer Traditionsbetrieb übergeben. Foto: Archiv, Klöckner
Max Schierer senior: 2004 hatte er seinem Sohn Max junior die Geschäfte in dem Chamer Traditionsbetrieb übergeben. Foto: Archiv, Klöckner

Seit 2009 hatte sich die wirtschaftliche Lage ins Gegenteil verkehrt. „In den Jahren des Aufschwungs hatten wir eher das Problem, dass auf dem Bau gar nicht mehr die Hände da sind, um all das zu bauen, was man bauen könnte“, sagte Schierer, der mit einer Hamburgerin verheiratet war und zwei Kinder hinterlässt.

Seit 2015 trug Max Schierer auch als alleiniger Gesellschafter die Verantwortung für den Traditionsbetrieb, der in den vergangenen Jahren mehrere große Projekte verwirklichte. So entstanden 2016 beispielsweise für 13 Millionen Euro in Straubing ein neues Baufachzentrum (Baufachmarkt und StilHaus) und eine Eisenbiegerei. Im April 2018 übernahm die Max Schierer GmbH den Betrieb und die Mitarbeiter der Schreinerei Erwin Heigl in Cham-Windischbergerdorf.

Schierers StilHaus am Firmensitz in Cham ist ein weiterer Kundenmagnet. In der Baufachausstellung finden Besucher rund 50 Musterbäder genauso wie Fenster, Türen und Tore oder Fliesen und Natursteine.

Der Tod Max Schierers löste nicht nur bei Weggefährten, Freunden in Cham, Politikern und seinen Vereinen, etwa dem ASV oder den Wirtschaftsjunioren, Entsetzen aus.

Auch der Gesellschafterkreis, die Geschäftsführung, die Mitarbeiter sowie die Sportliche Abteilung des Eishockey-Clubs Straubing Tigers reagierten mit Fassungslosigkeit auf die Nachricht. „Wir betrauern den Verlust einer starken Persönlichkeit und eines wunderbaren Menschen. Unsere Anteilnahme gilt seinen Angehörigen, allen voran seiner Ehefrau Martina und seinen beiden Söhnen“, sagte Gaby Sennebogen, Geschäftsführerin des Clubs, über den Tod des Tigers-Mitgesellschafters Schierer.

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