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Radlfrühling

Dem „E-Bike“ ist kein Berg zu steil

Die Beratung durch Fachhändler ist wichtiger denn je. Pedelecs können unerfahrene Radler vor erhebliche Probleme stellen.
Von Alois Dachs

Fahrräder soweit das Auge reicht: Gerade bei den immer mehr in Mode kommenden E-Bikes ist Beratung durch den Fachmann wichtig.
Fahrräder soweit das Auge reicht: Gerade bei den immer mehr in Mode kommenden E-Bikes ist Beratung durch den Fachmann wichtig. Foto: Dachs

Cham.„So viele Kunden wie in diesem Winter hatten wir noch nie in der Werkstatt“, sagt Karl-Heinz Luithardt. Der Fahrradhändler in Chamerau – direkt neben dem Radweg Chamerau-Chameregg – freut sich, dass seine Kunden selbst dazu beitragen, den „Frühlingsberg“ zu vermeiden, der sich oft ergab, wenn Radler kurz vor Ostern in Scharen mit ihrem Gefährt zum Kundendienst kamen. Heuer geht das wesentlich entspannter und hilft auch dem Händler bei der Vorbereitung auf den „Frühlingsansturm“ beim Verkauf.

Für Thomas Raab, Inhaber von „Tom’s Sportstadl“ am Ludwigsberg in Bad Kötzting, ist das „Frühlingserwachen der Radler“ noch kein wichtiges Thema, auch er ist mit dem Service gut ausgelastet, den ganzen Winter schon. Der Handel wird nach seiner Erfahrung erst mit einsetzenden Frühlingstemperaturen in Schwung kommen.

Weil zu seinen Kunden viele Sportfahrer gehören, ist der E-Bike-Boom nicht das Hauptthema des Händlers, der selbst seit Jahren an Wettkämpfen teilnimmt und junge Fahrer dabei betreut. Kompetente Fachberatung steht für Thomas Raab an erster Stelle. „Als Fachhändler muss ich auch einmal Nein sagen, wenn ein Kunde ein Rad will, das für ihn absolut nicht geeignet ist“, sagt Thomas Raab.

„Als Fachhändler muss ich auch einmal Nein sagen, wenn ein Kunde ein Rad will, das für ihn absolut nicht geeignet ist.“

Thomas Raab

Fachkenntnisse erforderlich

„Räder gibt es heute für jede Altersklasse und für jede Gewichtsklasse“, sagt Andreas Grund, Inhaber von FPG-Zweiradtechnik im Eschlkamer Gewerbegebiet. Längst geht es nicht mehr allein um die Zahl der Gänge, die Art der Bremsen, oder die Größe der Reifen. Das Fahrrad – egal ob konventionelles Sportgerät oder Pedelec mit Elektromotor-Unterstützung – soll maßgeschneidert für den Kunden/die Kundin sein. Das ist nur durch fachkundige Beratung zu erreichen und dafür sind eigene Erfahrungen im Radsport besonders nützlich.

Andreas Grund handelt nicht nur mit „Rädern von der Stange“, sein Spezialgebiet sind speziell nachgerüstete Zweiräder für Menschen mit Handicap. Immer mehr seiner Kunden wünschen sich heuer ein Mountainbike mit Elektromotor.
Andreas Grund handelt nicht nur mit „Rädern von der Stange“, sein Spezialgebiet sind speziell nachgerüstete Zweiräder für Menschen mit Handicap. Immer mehr seiner Kunden wünschen sich heuer ein Mountainbike mit Elektromotor. Foto: Dachs

Was „von der Stange“ nicht optimal passt, egal ob Sattel, Lenker oder Bremsen, kann ein Fachmann um- oder nachrüsten. Andreas Grund hat hierfür viele Erfahrungen aus Umbauten für Kunden mit einem körperlichen Handicap gewonnen. Die Interessen der Radler driften immer weiter auseinander. Für alle Händler sind E-Bikes, vor allem Pedelecs mit einer Unterstützung bis zu 25 Stundenkilometern, heute ein „Muss“.

Die Nachfrage ist groß, fast alle Markenhersteller haben E-Bikes im Programm. Trotzdem warnen alle Fachhändler vor „Billigkonkurrenz“. Mindestens 2000 bis 2200 Euro müssen Kunden einkalkulieren, wenn sie „auf die Stromspur“ kommen und unwägbare Gefahren vermeiden wollen.

Kommentar

Die Zeit ist reif

Ja, ich will! Nein, nicht mich verheiraten – das habe ich schon 40 Jahre hinter mir. Hab es bisher nicht bereut. Aber seit meine Enkel kräftig in die Pedale...

Elektromotoren „kein Allheilmittel“

Thomas Raab sieht sich vor allem als Berater für ambitionierte Sportfahrer im Straßen- und Geländebereich. Hochwertige Komponenten in Fahrrädern ohne Motorunterstützung sind sein Spezialgebiet, aber auch er sieht das E-Bike für die Zukunft.
Thomas Raab sieht sich vor allem als Berater für ambitionierte Sportfahrer im Straßen- und Geländebereich. Hochwertige Komponenten in Fahrrädern ohne Motorunterstützung sind sein Spezialgebiet, aber auch er sieht das E-Bike für die Zukunft. Foto: Dachs

„Das Pedelec ist kein Allheilmittel“, sagt Thomas Raab und verweist auf einen Zeitungsartikel über die drastische Zunahme von Fahrradunfällen, seit mit Elektromotor-Unterstützung geradelt wird. Über 725 000 Pedelecs wurden 2015 in Deutschland verkauft, viele davon an Kunden, die nach Jahren erstmals wieder in den Fahrradsattel klettern wollten und von den elektrischen Antriebskräften teilweise „überrollt“ wurden.

Aber die Pedelec-Kunden werden immer jünger, berichtet Andreas Grund. Vor allem Mountainbiker wollen bereits in jungen Jahren, teilweise ab 20, ihre Leistung am Berg durch Stromunterstützung steigern. „Platzhirsch“ bei den Antrieben ist dabei der Bosch-Mittelmotor, der innerhalb weniger Jahre große Marktanteile erobert hat. Zu Recht, meint Karl-Heinz Luithardt, denn das deutsche Fabrikat gilt als enorm zuverlässig und funktionell, verträgt sich mit allen Schaltsystemen und ist ausgereift.

„Das Pedelec ist kein Allheilmittel.“

Thomas Raab

In der Praxis taucht auch ein weiteres Problem auf: Bei Fahrradtouren herrscht für Pedelecs und die bis zu 40 km/h schnellen Elektroräder „Nachladebedarf“. Der Zubehörhandel bietet inzwischen einfache Messsysteme an. mit denen die verbrauchte Strommenge errechnet und den „Elektroradlern“ bei einer Rast abverlangt werden kann. In einem Punkt sind sich alle Händler einig: Die Nachfrage nach E-Bikes wird weiter zunehmen.

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