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Kultur

Ein Lamer Künstler aus Leidenschaft

Der Maler Rupert Zach verewigte den Bayerwald auf der Leinwand. Zum 50. Todestag widmet ihm Andreas Roider sein zweites Buch.
Von Maria Frisch

Der Autor Andreas Roider mit seinem zweiten Buch „Lehrer aus Berufung - Künstler aus Leidenschaft“ Foto:  Maria Frisch
Der Autor Andreas Roider mit seinem zweiten Buch „Lehrer aus Berufung - Künstler aus Leidenschaft“ Foto: Maria Frisch

Lam.Der Lamer Kunstsammler Andreas Roider legte bereits sein Erstlingswerk über den bekannten Bayerwaldmaler und das Mitglied der „Donau-Wald-Gruppe“ Reinhold Koeppel (1887 – 1950) aus Waldhäuser am Lusen vor. Jetzt hat er ein zweites Buch veröffentlicht: eine Publikation über Rupert Zach aus Lam mit dem Titel „Lehrer aus Berufung - Künstler aus Leidenschaft“.

Andreas Roider hat schon unmittelbar nach dem Erscheinen seines ersten Buches über Leben und Werk des „Malers des Böhmerwaldes“ Reinhold Köppel erwogen, ein zweites zum 50. Todestag von Rupert Zach herauszugeben. An Rupert Zach fasziniere ihn, dass er einer der bekanntesten Künstler in der hiesigen Gegend sei. Roider: „Seine Arbeiten mit Motiven des Lamer Winkels und seine Blumenbilder gefallen mir, vor allem wegen der Art und Weise seiner Bildkompositionen mit kräftigen Farben und sicherer Pinselführung.“

Autodidaktische Kunst

Rupert Zach testete auch das Schnitzen. Foto: Maria Frisch
Rupert Zach testete auch das Schnitzen. Foto: Maria Frisch

Obwohl er sich mit Ausnahme der Unterweisungen bei Ernst Brüggemann überwiegend autodidaktisch aus- und weitergebildet hat, sind seine Werke, darunter seine Landschaftsdarstellungen und Blumenbilder, gekonnt ausgeführte Arbeiten, die er auf vielen Ausstellungen präsentiert hat. Darüber hinaus belegen von ihm angefertigte Kunstwerke, dass er in fast allen Ausdrucksformen der Malerei (Öl, Aquarell, Pastell, Tempera, Tusche, Kohle, Bleistift) Werke hinterlassen hat. Erhalten sind auch druckgrafische Werke (Monotypie, Holz- und Linolschnitt, Radierung), Skulpturen und sogar Entwürfe für Metalltore. Die Vielfalt allein verdiene schon Lob und Anerkennung. Andreas Roider besitzt selbst einige Werke, darunter ein Selbstportrait.

„Zu Beginn von Zachs künstlerischer Tätigkeit ist sein Stil, den er von seinem Mentor Ernst Brüggemann übernommen hat, stark naturalistisch geprägt“, beschreibt der Lamer. Noch vor Mitte der 1950er-Jahre begann Zach, sich stilistisch dem Impressionismus anzunähern – ein Wandel, den er um 1960 abschloss. Der Einfluß seines Vorbildes Lovis Corinth sei in diesen Werken spürbar. Dies erkennt man vor allem in den Blumenbildern. In seinen späteren Werken finden sich auch expressionistische Tendenzen mit teilweise abstrakten Anklängen.

„Das Buch ermöglicht eine neue Sichtweise auf einen hilfsbereiten, geachteten und leider viel zu früh verstorbenen Mann.“

Andreas Roider, Autor

Auf welche Quellen stützte Andreas Roider seine Recherchen? „Zachs Nichten und Neffen haben mir dankenswerterweise vorhandene schriftliche und mündliche Informationen und Fotos zur Verfügung gestellt, bei denen sich nicht nur neue Sichtweisen auf den Lehrer, sondern vor allem auf den Künstler Rupert Zach ergeben haben“, war der Autor froh. Darüber hinaus befragte Roider einige der ehemaligen Lehrerkolleginnen und –kollegen und einstige Schüler(innen). „Alle diese Informationen wurden von mir bestmöglich ausgewertet“, erzählt Roider.

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Zach als Privatmann und Lehrer

Bei Reinhold Koeppel waren die vorhandenen Informationen weitaus umfangreicher. Neben zahlreichen, teilweise persönlichen Briefen und einer Vielzahl von Fotos und Zeitungsberichten existierte auch ein Kriegstagebuch aus dem Ersten Weltkrieg. Die gegenüber Rupert Zach längere Lebensdauer (22 Jahre) ermöglichte eine detailliertere Bearbeitung. Das Buch beinhaltet ein Kapitel über Rupert Zach als Privatmann und als Lehrer. „Darin gehe ich auf seinen beruflichen Werdegang ein, der ihn an die Lehrerbildungsanstalten in Pasing und Straubing führte“, sagt der Autor.

Eines der ältesten Bilder - eine Bayerwald-Landschaft aus dem Jahr 1949. Repro:  Maria Frisch
Eines der ältesten Bilder - eine Bayerwald-Landschaft aus dem Jahr 1949. Repro: Maria Frisch

Informationen zu seiner Zeit im Zweiten Weltkrieg und seinem Einsatz als Lehrer an verschiedenen Orten sowie seinen pädagogischen Fähigkeiten und dem Verhältnis zu seiner Ehefrau ermöglichen eine neue Sichtweise auf einen hilfsbereiten, geachteten und leider viel zu früh verstorbenen Mann“, führt Roider aus. Das zweite Kapitel enthält Informationen über Zach als Künstler. Bereits ab 1952 präsentierte er seine Werke in Ausstellungen. Wichtige Werke werden eingehend erläutert. Auch das zweite Buch erscheint im Morsak Verlag Grafenau und ist in der Buchhandlung Roider in Lam und Fachgeschäften erhältlich.

Rupert Zach und sein Künstlerleben

  • Realismus

    Eines seiner ältesten Bilder, das auch auf der Ausstellung im Lamer Rathaus gezeigt wurde, war eine Bayerwald-Landschaft aus dem Jahr 1949, die dem Realismus bzw. Naturalismus zuzuordnen war. „1950 ist er beim Malen schon mutiger geworden“, weiß Andreas Roider. Es waren einige abstrakte Züge dabei.

  • Impressionismus

    Ungefähr ab 1955 hat Rupert Zach den Impressionismus in seinen Bildern aufgegriffen. Ein Beispiel war ein altes Waidlerhaus in Eggersberg. In den 1960er-Jahren war er auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. „Die Werke wirken sehr ausgereift und Zach traute sich auch an größere Formate.“

  • Expressionismus

    Weitere Werke zeigen Merkmale vom Expressionismus. „Der Künstler ging weiter in der Auswahl der Farben und Motive.“ Der Wahl-Lamer hat das Allerwenigste mit einem Pinsel gemalt, sondern behalf sich mit einer Spachtel. Er wollte alle Kunsttechniken testen und legte stets Wert auf Kontraste.

  • Bandbreite

    Zu seinen Unikaten zählen ebenso Monotypien und Holzschnitte. Leute hat Zach bewusst weggelassen. Dass er sie gut zeichnen konnte, zeigen seine acht Selbstporträts, die er in den Jahren 1951 bis 1967 mit Kohle und Öl verewigte. Es gibt auch eine einzige Holzplastik, die er nicht fertiggeschnitzt hat.

Und die weiteren Pläne? „Als nächstes möchte ich mich dem Bildhauer Wolf Hirtreiter (1922 bis 2014) widmen“, lässt sich Roider in die Karten schauen. Er stammte aus Zwiesel und lebte später mit seiner Frau in Gröbenzell bei München. Von ihm stammen zahlreiche Ausstattungen von Kirchen im Bistum Passau, darunter die Abteikirche Schweiklberg. Der Kräutlmarktbrunnen am Münchner Marienplatz ist eines seiner bekanntesten Werke. In der hiesigen Gegend hat er in der Pfarrkirche Miltach Teile der Innenausstattung gefertigt.

„ Ich hatte das Glück, ihn persönlich kennenlernen zu dürfen. Ob zu seinem 100. Geburtstag ein Buch erscheint, hängt davon ab, was an schriftlichen und mündlichen Informationen zusammenkommt und vor allem, ob seine Erben das auch wollen“, untermauert Roider. Da Hirtreiter neben Friederike Pröbiuss (1914 bis 1958) das einzige Mitglied der Donau-Wald-Gruppe ist, von dem es noch kein Buch gibt, hätte er es als eines ihrer talentiertesten Mitglieder mehr als verdient.

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