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Sturzgeburt

Die schnellste Abensbergerin

„Jetzt aber!“, hat die kleine Jasmin am Mittwochmorgen beschlossen. Und kam in Dr. Landzettels Abensberger Praxis zur Welt.
Von Martina Hutzler

Dr. Judith Landzettel hat der kleinen Jasmin auf die Welt geholfen. Foto: Angelika Beer
Dr. Judith Landzettel hat der kleinen Jasmin auf die Welt geholfen. Foto: Angelika Beer

Abensberg.Jetzt haben die Nabelklemmen also doch noch ihre Daseinsberechtigung bewiesen, in der Praxis von Dr. Judith Landzettel. Getreu dem Motto „Man kann nie wissen…“ kamen sie irgendwann zum Inventar der Frauenarztpraxis – und am Mittwoch um 8.55 Uhr zum Einsatz. Denn eine knappe halbe Stunde zuvor hat sich die kleine Jasmin Taremwa-Neubert entschieden: Ich werd‘ eine Abensbergerin – und zwar jetzt!

Mit dieser Entscheidung hat sie ihre Umgebung gehörig überrascht, angefangen bei den Eltern. Die waren zwar seit dem Vortag schon in erhöhter „Alarmbereitschaft“, wie Papa Mario Neubert erzählt. Am Dienstag ist er mit seiner Frau Julian schon im Kelheimer Krankenhaus vorstellig geworden, denn da hatten erste Wehen eingesetzt. „Aber da hieß es, dass es noch keine Anzeichen für eine Geburt gibt und wir wieder heim können.“ Also fuhren die beiden wieder ins heimische Bad Gögging. Immerhin hätte Jasmin ja rein rechnerisch auch noch bis 27. Januar in Mamas Bauch gedeihen sollen.

Denkste. Nach einer unruhigen Nacht für die werdenden Eltern am nächsten Morgen wieder: Wehen. Und die Frage: Wohin? „Zu uns ins Krankenhaus oder zur Frauenärztin“, je nach Stärke der Wehen, bekam Mario Neubert aus der Kelheimer Klinik telefonisch empfohlen. Er und seine Frau Julian Taremwa-Neubert entschieden sich, erst mal zur Praxis von Dr. Landzettel zu fahren; „wir haben gedacht, das ist eh wieder ein Fehlalarm“. Fehlalarm? Wohl doch nicht, ahnten beide dann auf der Taxi-Fahrt nach Abensberg: „Da sind die Schmerzen schon sehr viel stärker geworden…“ Und um 8.30 Uhr stand eine vor Schmerz schreiende Frau in der Abensberger Frauenarztpraxis.

Schnell verfrachteten Dr. Landzettel und ihre Mitarbeiterinnen die Hochschwangere auf eine Liege. Und schon beim ersten Hinsehen wurde der Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe klar: Keine Chance, die werdende Mutter noch rechtzeitig in die Klinik zu bringen. „Als ich die Patientin untersucht habe, war schon das Köpfchen vom Baby zu sehen.“

Selbst für die noch schnell informierte Hebamme ging’s zu rasant. „Es war eine Sturzgeburt“, erklärt Dr. Landzettel. Um 8.55 Uhr war die kleine Jasmin auch schon auf der Welt und bestätigte umgehend mit kräftigem Schreien, dass sie wohlauf war.

Nach der Geburt ins Klinikum

Von Dr. Landzettel und ihrem Team wurde sie erstversorgt und abgenabelt, ehe sie mit ihrer Mama, dem kurz vor der Geburt eingetroffenen Notarzt und dem Rettungswagen in die Kelheimer Goldberg-Klinik kam.

Dort haben sich die frischgebackenen Eltern tags darauf schon etwas erholt von der aufregenden Geburt. Angst habe sie nicht gehabt, sagt die aus Uganda stammende Julian Taremwa auf Englisch: „Die Ärztin war sehr freundlich und hat mir geholfen“. Aber sehr schmerzhaft war die rasante Geburt natürlich schon, bestätigt sie. Auch Mario Neubert hat mitgelitten mit seiner Frau, die erst seit vier Monaten in Deutschland lebt und in der kurzen Zeit keinen Geburtsvorbereitungskurs mehr absolvieren konnte. Was ihre allererste Geburt nicht grade einfacher machte! „Aber jetzt ist alles super!“, ist der frischgebackene Papa sichtlich erleichtert. Der Maschinist bei der Hopfenveredelung in St. Johann hat jetzt erst mal Urlaub – und daheim schon alles vorbereitet: „Meine beiden Frauen können kommen!“

Geburtshilfe-Kenntnisse reaktivieren

Noch etwas mitgenommen, aber glücklich zu dritt: Familie Neubert-Taremwa in der Kelheimer Klinik.Foto: Hutzler
Noch etwas mitgenommen, aber glücklich zu dritt: Familie Neubert-Taremwa in der Kelheimer Klinik.Foto: Hutzler

Erleichtert, dass alle wohlauf sind, ist auch Dr. Judith Landzettel, die am Mittwoch quasi von jetzt auf gleich ihre Geburtshilfe-Kenntnisse reaktivieren musste. Solche hatte sie zwar nach dem Medizinstudium reichlich gesammelt, bei ihrer Facharzt-Weiterbildung in bayerischen Kliniken und auch, als sie im Rahmen der Entwicklungs-Zusammenarbeit in Krankenhäusern in Guatemala arbeitete: „Hebammen gibt es da nicht – da betreut man als Ärztin die Patientinnen weitaus intensiver.“

Aber seit sie vor 15 Jahren ihre Tätigkeit vom Krankenhaus in die gynäkologische Praxis verlagert hat, betreut Landzettel zwar Mütter vor und nach, aber eben nicht mehr während der Entbindung. Die Praxis als Kreißsaal – das war nicht nur für sie eine Premiere. Selbst die mit gut 25 Berufsjahren Erfahrenste ihrer Mitarbeiterinnen hat noch keine solche Geburt miterlebt!

Kein Wunder: Dass Entbindungen zügig vonstatten gehen, erlebt Dr. Edgar Gonzalez Heiberger zwar schon des öfteren – „aber so schnell, das ist schon ungewöhnlich“, sagt der Chefarzt am Kelheimer Krankenhaus. Auch in solchen Fällen rät er den werdenden Eltern freilich, Ruhe zu bewahren. Und lieber per Notruf einen Krankenwagen zu ordern, als auf eigene Faust noch zu versuchen, ins Krankenhaus zu kommen: „Der Rettungsdienst kann dann schon helfen und erste Maßnahmen ergreifen“, wenn trotz Blaulicht die Zeit nicht mehr reicht bis zum nächstgelegenen Krankenhaus.

Wer weiß, sinniert Dr. Judith Landzettel im Nachhinein schmunzelnd: Vielleicht hatte es Jasmin ja aus gutem Grund so eilig – weil sie eine „echte Omschbergerin“ werden wollte?!#

Seltenheitswert

  • Vergangenheit:

    Echter Abensberger zu werden, war früher einfacher: Bis 1979 diente das heutige Aventinum als Krankenhaus, nachdem es 1809 bei der Schlacht von Abensberg als Not-Lazarett genutzt wurde, heißt es auf der Homepage des Stadtmuseums.

  • Seltenheit:

    Echte „Omschberger“ sind mittlerweile rar: Höchstens zwei, drei Babys jährlich kommen per (geplanter) Hausgeburt im Stadtgebiet auf die Welt, schätzt das Standesamt. (hu)

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