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Ein Zuhause der Zukunft – schon jetzt

Familie Goldbach aus der Nähe von Mainburg lebt in einem Smart Home – ein Lichtschalter hat dort zig Funktionen.
von Emily Buchner

Per Tablet ließ Tobias Goldbach die Rollos im Hintergrund herunterfahren. Zusammen mit Sohn Tim und Ehefrau Tina fühlt er sich im „smarten“ Zuhause wohl. Foto: Buchner
Per Tablet ließ Tobias Goldbach die Rollos im Hintergrund herunterfahren. Zusammen mit Sohn Tim und Ehefrau Tina fühlt er sich im „smarten“ Zuhause wohl. Foto: Buchner

Mainburg.Drei Mal hintereinander drückt Tobias Goldbach auf den Lichtschalter neben dem Bett. Der Schlafmodus ist aktiviert. Ein grünes Licht leuchtet für fünf Sekunden an der Decke des Schlafzimmers auf: Das Signal für Tina Goldbach, dass alle Türen und Fenster geschlossen sind und sie ruhig schlafen kann. Wäre das Licht rot, kann das junge Ehepaar am Tablet neben dem Bett nachsehen, welches Fenster noch nicht geschlossen ist. Würde mitten in der Nacht ein Fenster geöffnet werden, würde das Licht ebenfalls rot aufleuchten und signalisieren: da stimmt was nicht. Dieses Feature hat Tina Goldbach vom Projekt Smart Home überzeugt: „Durch die Technik fühle ich mich viel sicherer in unserem Haus – aber ich muss zugeben, dass ich am Anfang von dieser ganzen Smart Home-Thematik nicht unbedingt begeistert war.“

Frisch eingezogen

Seit vier Wochen wohnen Tobias Goldbach (32), seine Frau Tina (31) und ihr vier Monate alter Sohn Tim in ihrem neuen Zuhause. 180 Quadratmeter sind nun ihr eigen – bis ins letzte Detail gespickt mit Technik. Planungsingenieur Tobias ist „technikverliebt“, wie er sich selbst bezeichnet. Für ihn stand fest: Er will ein intelligentes Haus. Eigentlich wollte das Paar ein Haus kaufen, aber keines erfüllte die Anforderungen, die Tobias an sein künftiges Eigenheim richtete. Also bauten sie selbst. Und zwar „smart“.

Im „Kopf des Hauses“ werden alle Befehle abgespeichert und ausgeführt. Foto: Buchner
Im „Kopf des Hauses“ werden alle Befehle abgespeichert und ausgeführt. Foto: Buchner

In jedem Raum sind Bewegungsmelder, Lautsprecher, insgesamt fünf Tablets hängen an den Wänden, „intelligente“ Beleuchtung ist überall, eine Alarmanlage sichert das Haus von außen ab – und all diese Bestandteile können miteinander kommunizieren und werden zentral gesteuert. Die „Lichtschalter“ sind keine klassischen Kippschalter, sondern Sensorenfelder. Jede Ecke des Schalters steuert einen anderen Bereich. Drückt Tobias zum Beispiel oben rechts, geht die Musik im Wohn- und Esszimmer an, drückt er unten rechts, macht er die Musik leiser. Das Licht wird durch Druck auf die Mitte des Feldes aktiviert – die ursprüngliche Funktion eines Schalters rückt da beinahe schon in den Hintergrund.

Technologie gegen Einbrecher:

Die Steuerung geschieht im Technikraum – oder wie Tobias ihn nennt: im „Kopf des Hauses“. Hier befindet sich das zentrale Steuersystem, das Befehle abspeichert, ausführt und damit das Haus „intelligent“ macht. Tobias Goldbach will in nächster Zeit noch weitere Features einstellen, sodass in Zukunft der „Kopf“ wirklich alles automatisch macht. Aber fühlt man sich da nicht machtlos im eigenen Haus? „Manchmal ist es schon komisch, wenn das Haus irgendwas macht, und man sich im ersten Moment nicht erinnern kann, wann und wieso man das programmiert hat“, gesteht Tobias. Aber er weiß: letztendlich ist immer alles auf seine eigenen Programmierungen zurückzuführen. Das Gefühl, die „Macht“ abgegeben zu haben, hat er nicht. Wenn ihm eine Einstellung nicht mehr passt, holt er sich seinen Laptop und macht sich an’s Umprogrammieren.

„Ganz leicht“ könne man das Smart Home am Laptop programmieren, sagt Tobias Goldbach. Foto: Buchner
„Ganz leicht“ könne man das Smart Home am Laptop programmieren, sagt Tobias Goldbach. Foto: Buchner

Erst vor kurzem gab es einen solchen Fall: „In der Nacht wollte ich kurz das Licht einschalten - aber anstelle des Lichts ging lautstark das Radio an, weil ich auf die falsche Ecke des Lichtschalter gedrückt habe“, erinnert sich Tina. Tobias stellte daraufhin den Schlafmodus so um, dass die Schalter nachts nur noch Licht aktivieren können.

Für Tobias ist sein neues Haus ein Paradies. „Es sind schon viele Spielereien dabei“, gibt er zu. Aber die Technik begeistert ihn – das ist ihm anzusehen. In der Zukunft hat er noch einige Pläne, mit denen er die Möglichkeiten, die sein Haus jetzt hergibt, ausreizen will. „Ich plane gerade einen WM-Modus“, strahlt er. Seine Frau kann da nur lachen. Aber Tobias Pläne stehen fest: Mit einem Knopfdruck soll die Leinwand von der Decke runterfahren, der Ton auf alle Boxen im Haus übertragen und die Räume in grünes Licht getaucht werden. „Ich bin gespannt, ob ich da meine Freunde überhaupt wieder aus dem Haus bekomme“, schmunzelt er.

Fünf Tipps für günstige Smart-Home-Gadgets:

Mit seinem Smart Home stößt er aber nicht bei allen Bekannten auf Verständnis. „Manche haben mir da schon den Vogel gezeigt“ – und auch bei seiner Frau hat er lange Überzeugungsarbeit leisten müssen. Tina ist in einem alten Bauernhaus aufgewachsen – von „smarter“ Technik war dort keine Spur. „Ich habe nicht nachvollziehen können, warum er überall die ganze Technik haben will. Aber seit dem Einzug bin ich überzeugt. Es erleichtert den Alltag ungemein“ – wenn sie ihren vier Monate alten Sohn Tim trägt und das Licht beim Betreten des Zimmers einfach angeht, ohne, dass sie es aktiv einschalten muss, ist das praktisch. Wenn sie nachts wegen ihres Sohnes aufstehen muss, ist eine individuell einstellbare indirekte Beleuchtung von Vorteil. Und wenn sie die Rollos im ganzen Haus runterfahren will, genügt ein Knopfdruck – und das spart ihr wertvolle Zeit. „Für mich fühlt sich das an wie Luxus“, sagt sie.

99 Prozent Autarkie erreicht

Energieeffizienz ist für Tobias Goldbach das, was das Smart Home-System auch für die Zukunft so attraktiv macht. „Das Ziel ist einen ‚Break-Even‘ zu erreichen und autark zu leben“, sagt er. Er meint damit, seinen Strom mit Hilfe von Photovoltaik, Wärmepumpen und elektrischen Speichern komplett selbst erzeugen und entsprechend „aufbewahren“ zu können. In seinem Haus ist der höchste Energiestandard verbaut, der momentan möglich ist. 99 Prozent Autarkie hat er im April schon erreicht. Tobias reicht das aber noch nicht. Für die Zukunft hat er weiterhin große Pläne: Noch mehr Strom einspeisen, neben seinem Elektroroller ein Elektroauto anschaffen und das Haus noch mehr automatisieren. Aber schon jetzt ist die Familie mit ihrem Haus ein Vorreiter im Bereich Wohnen.

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