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Neustadt verliert 100 Arbeitsplätze

Die Vertriebsabteilung von Covidien zieht von Neustadt nach Meerbusch bei Düsseldorf um. Betroffen sind rund 100 Mitarbeiter.
Von Jochen Dannenberg

Ganz so fröhlich wie auf diesem Werbefoto sind die Mitarbeiter der Covidien-Vertriebsabteilung am Freitag nicht ins Wochenende gestartet. Am Freitagvormittag wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, dass die Verwaltung nach Düsseldorf umzieht.
Ganz so fröhlich wie auf diesem Werbefoto sind die Mitarbeiter der Covidien-Vertriebsabteilung am Freitag nicht ins Wochenende gestartet. Am Freitagvormittag wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, dass die Verwaltung nach Düsseldorf umzieht. Foto: Covidien, Archiv

Neustadt.Immer wieder freitags. Wenn in den vergangenen Jahren beim Medizingerätehersteller Covidien in Neustadt für einen Freitag eine Betriebsversammlung angesetzt wurde, brachte dies regelmäßig keine gute Nachrichten für die Mitarbeiter. So auch an diesem Freitag. Da wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass die Verwaltung des Unternehmens nach Düsseldorf verlagert wird. Betroffen sind rund 100 Mitarbeiter.

Wie der Medizintechnik-Konzern Medtronic, seit vorigem Jahr Eigentümer von Covidien, am Freitagvormittag in einer Betriebsversammlung bekannt geben ließ, handelt es sich bei der Maßnahme um die Ausrichtung des Unternehmens. „Die Medtronic plc nimmt regelmäßig eine strategische Bewertung seiner Unternehmenseinheiten vor, um langfristiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten“, erläuterte Covidien-Unternehmenssprecher Jörg Kiefer gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung.

Die derzeit in Neustadt befindlichen Arbeitsplätze sollen bis Ende 2016 am andere Standorte in Deutschland und Europa verlagert werden, die vergleichbare Funktionen enthalten. Wie die Mittelbayerische Zeitung erfuhr, werden die meisten Arbeitsplätze voraussichtlich zur Medtronic-Deutschland-Zentrale in Meerbusch (bei Düsseldorf) verlagert.

Für etliche der betroffenen Mitarbeiter kommt diese Entscheidung der Konzernleitung einer Kündigung gleich. Nicht jeder ist in der Lage, seinen angestammte Heimat, seine Freunde und alle sonstigen Beziehungen aufzugeben, um „mit Sack und Pack“ nach Norddeutschland zu ziehen. Die Geschäftsleitung der Covidien Deutschland GmbH, die weiterhin ihren Sitz in Neustadt hat, tritt deshalb ab nächster Woche mit dem Betriebsrat zusammen, um über die geplante Verlagerung zu beraten und Sozialplanverhandlungen aufzunehmen.

Hinter den Absichten von Medtronic steckt die Suche nach Synergie-Effekten. Wie Unternehmenssprecher Kiefer weiter sagt, sei Medtronic als global tätiges Unternehmen bestrebt, vergleichbare Prozesse und Funktionen in Zentralbereichen zu bündeln. „Hierdurch sollen Wirtschaftlichkeit und Effizienz gesteigert werden. Durch die Zentralisierung der Unternehmensfunktionen unter anderen in der Medtronic-Deutschland-Zentrale sollen entsprechend zukünftig Kompetenzen gebündelt und Synergie-Effekte gebündelt werden.“

Kiefer weist daraufhin, dass von der aktuellen Maßnahme nicht der Produktionsstandort Neustadt betroffen sei. Hier hatte es zuletzt mit dem Abbau von 70 Arbeitskräften in der Abteilung für urologisches Zubehör einen deutlichen Aderlass gegeben. Offen ist derzeit, was aus den Gebäuden des Unternehmens im Neustädter Gewerbegebiet Süd wird.

Zu den Liegenschaften zählen neben dem Bürohaus für den Vertrieb ein Parkhaus und mehrere Produktionsgebäude. Noch nicht mitgeteilt wurde zudem, was aus Covidien in Neustadt als Deutschland-Zentrale wird. Mit der Verlagerung des Vertriebs nach Meerbusch dürfte dieser Status vermutlich in der Medtronic-Zentrale aufgehen.

Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer nannte die Entwicklung bei Covidien bedauerlich. „Das sind die vielbeschworenen Synergieeffekte, dass die Arbeitsplätze andernorts zusammengezogen werden“, kritisierte er. Reimer hofft, dass das „letzte Wort“ noch nicht gesprochen ist. Er will nächste Woche mit der Geschäftsleitung des Unternehmens sprechen und ausloten, ob ersatzweise andere Abteilungen nach Neustadt kommen könnten.

Illusionen über eine Rettung der Arbeitsplätze im Vertrieb hat er nicht. „Was jetzt verkündet wurde, ist definitiv“, stellte der Bürgermeister fest. „Wichtig ist, dass für die betroffenen Arbeitnehmer einigermaßen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden“, betonte er.

Weiter erinnerte Bürgermeister Reimer an den schleichenden Niedergang des Neustädter Unternehmens, das einst als Kendall begann, woraus Tyco Healthcare, dann Covidien und schließlich Medtronic wurde. Begonnen hatte der Niedergang mit der Verlagerung der Service-Abteilung nach Irland, an die sich die Auflösung des Hochregallagers und Verlagerung nach Belgien sowie zuletzt die Verlagerung der Urologie nach Mexiko anschloss.

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