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Heilung

Leon ist das Wunder von Erlangen

Den Wirbel um seine Person versteht der Sechsjährige nicht. Er erinnert sich nicht an das Unglück, nach dem er im Koma lag.
von Nikolas Pelke

Mutter Sandra Janner und Sohn Leon bedanken sich bei den Ärzten des Uni-Klinikums Erlangen (hier Assistenz-Arzt Philipp Bornschlegl) für die gute Arbeit, die dem Sechsjährigen das Überleben möglich machte.
Mutter Sandra Janner und Sohn Leon bedanken sich bei den Ärzten des Uni-Klinikums Erlangen (hier Assistenz-Arzt Philipp Bornschlegl) für die gute Arbeit, die dem Sechsjährigen das Überleben möglich machte. Foto: Pelke

Erlangen.Es ist kurz vor Weihnachten, als der sechsjährige Leon beim Spielen in den eiskalten Main-Donau-Kanal bei Vach nahe Fürth fällt. Erst nach langen Minuten kann der verzweifelte Vater den untergegangen Jungen aus den trüben Fluten fischen. Die Ärzte kämpfen tagelang um das Leben des Jungen.

Am Heiligabend geschieht dann das „Weihnachtswunder von Erlangen“: Leon öffnete nach vier Tagen im Koma zum ersten Mal kurz die Augen. Am ersten Weihnachtsfeiertag wacht Leon vor den Augen der Eltern auf. „Hallo Mama, hallo Papa!“ seien seine ersten Worte gewesen, erinnern sich die Eltern Sandra und Marcus Janner.

„Leon ist wieder derselbe Wirbelwind wie früher.“

Leons Eltern

Heute kann Leon schon wieder in die erste Klasse gehen. Ohne bleibende Schäden hat der Sechsjährige den Unfall überstanden. „Leon ist wieder derselbe Wirbelwind wie früher“, freuen sich die Eltern heute. Dabei erinnern sich Sandra und Marcus Janner noch ganz genau an den „schlimmsten Tag in unserem Leben“ zurück.

Das Drama begann am frühen Sonntagnachmittag des vierten Advents. Der kleine Leon soll mit einem gleichaltrigen Freund die kurze Strecke entlang des Main-Donau-Kanals zum Schrebergarten der Eltern im Fürther Stadtteil Vach laufen. Plötzlich sei Leon ans Ufer gegangen, ausgerutscht und über die Kaimauer ins eiskalte Wasser gefallen.

Vater fischt im trüben Wasser

Der Freund alarmiert sofort den Vater. Passanten auf dem gegenüberliegenden Ufer zeigen dem verzweifelten Papa, wo der Junge untergegangen ist. Marcus Janner springt sofort in das gut zwei Meter tiefe Wasser und fischt im trüben Nass nach seinem Jungen. Verzweifelt habe er den Grund abgetastet, erinnert sich Marcus Janner.

Mittlerweile ist eine Polizeistreife eingetroffen. Eine Beamtin springt auch ins Wasser und sucht mit. Nach endlosen Minuten greift der Vater endlich den Arm des regungslosen Jungen. Noch am Kanalufer beginnt ein zweiter Polizist sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Hubschrauber, Feuerwehr und drei Rettungswagen eilen zum Unglücksort herbei.

„Das perfekte Zusammenspiel von Polizei, Rettungskräften und Ärzten hat Leon das Leben gerettet.“

Professor Robert Cesnjevar

Derweil hat sich auch schon Oberarzt Hans-Georg Topf auf den Weg in die Kinderklinik des Universitätsklinikums Erlangen gemacht. Der Leiter der Intensivstation der Kinderklinik kann die medizinischen Maßnahmen an diesem Sonntagnachmittag vorbereiten, ohne dass wertvolle Zeit vergeht.

„Ganz wichtig war, dass die Eltern sofort den Notarzt alarmiert haben“, sagt der Direktor der Kinder- und Jugendklinik, Professor Wolfgang Rauscher. „Das perfekte Zusammenspiel von Polizei, Rettungskräften und Ärzten hat Leon das Leben gerettet“, ist sich Professor Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung, sicher.

Hans-Georg Topf nickt zustimmend: Die Rettungskräfte hätten den Jungen „optimal versorgt, weil sie ihn reanimiert und dann unterkühlt“ in die Uni-Klinik gebracht hätten. Leon sei mit einer Körpertemperatur von 26 Grad Celsius eingeliefert worden. Die geringe Körpertemperatur habe die Organe bis zum Eintreffen im Krankenhaus gegen Funktionsverlust geschützt. „Wäre der Junge sofort an der Unfallstelle aufgewärmt worden, wäre das fatal gewesen“, erklärt Hans-Georg Topf weiter.

Zu diesem Zeitpunkt hängt das Leben des kleinen Leon freilich noch am seidenen Faden. In der Nacht versagt plötzlich die Lunge des Jungen. Aus der Kinderherzchirurgie wird Professor Robert Cesnjevar alarmiert, der den Jungen an die Herz-Lungen-Maschine sofort anschließt. Mitten in der Nacht können die Ärzte den betenden Eltern wieder ein wenig Mut machen. Leons Zustand stabilisierte sich langsam.

Leon ist wieder

Die Eltern verbringen Tag und Nacht am Krankenbett und hoffen, dass ihr Junge ohne bleibenden Schäden wieder aus dem Koma erwacht. „In dieser Zeit gab mir meine Familie Kraft, sonst hätte ich es nicht durchgestanden“, sagt Sandra Janner am Montag in Erlangen. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem kleinen „Wunderkind“ Leon bedankt sich die Familie bei allen Rettern, Ärzten und Pflegekräften.

Leon kann den ganzen Wirbel übrigens überhaupt nicht verstehen. Denn erinnern kann sich der Kleine an die schweren Tage und Stunden zum Glück nicht mehr. „Er ist wieder der alte Rabauke und wir alle sind froh, dass er wieder gesund und munter bei uns ist“, sagen die überglücklichen Eltern.

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