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Wahl

Claudia Wiest will nach Berlin

Direktkandidatin für den Bundestag ist die ÖDP-Frau schon. Jetzt räumte die Kreisrätin aus Wiesent aber auf der Landesliste auch den Bundesvorsitzenden aus dem Weg.
von Michael Jaumann, MZ

Die Neutraublinger Lehrerin Claudia Wiest ist in Bayern auf Platz 1. Foto: ödp

Regensburg/Wiesent. Die wichtigen Entscheidungen für die Bürger fallen im Bundestag in Berlin. Und da will Claudia Wiest auch hin. Ist sie bereits seit einigen Wochen Direktkandidaten der ÖDP für Stadt und Landkreis. so unterstrich die Wiesenterin jetzt ihre bundespolitischen Ambitionen.

Am Landesparteitag der Ökologenpartei in Bad Windsheim setzte sie sich gegen den Bundesvorsitzenden Sebastian Frankenberger durch und belegt jetzt Platz 1 der Landesliste zur Bundestagswahl. Platz 2 besetzt Gabriele Schimmer-Göresz und erst auf Rang3 landete der Bundesvorsitzende. Claudia Wiest war in einer offenen Kandidatur gegen den Passauer angetreten und hatte in der Debatte die Delegierten von sich überzeugt.

Sie habe offenbar ihre bundespolitischen Schwerpunkte deutlicher akzentuieren können als Frankenberger, sagte die 45-jährige Lehrerin im MZ-Gespräch. Sie wertet das Ergebnis als Anerkennung ihrer politischen Arbeit im Regensburger Kreistag sowie ihrer Arbeit innerhalb der ÖDP, der sie seit 2000 angehört.

Frankenberger macht inzwischen auf der Homepage der ÖDP aus dem Wahlergebnis von Bad Windsheim eine Tugend: „Wir geben Frauen eine Chance, politisch die besten Plätze einzunehmen. Darauf können wir stolz sein.“ Gleichzeitig kündigt der 31-jährige dort an, sich im Mai auf dem ÖDP-Bundesparteitag in Coburg zum Spitzenkandidaten wählen zu lassen. Es sei schon immer der Plan gewesen, in Coburg den Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl für Gesamtdeutschland zu wählen, so wie es die anderen Parteien auch machen – egal wer auf den Landeslisten auf welchen Platz steht, erklärt das Frankenberger gegenüber der MZ.

Der Termin Anfang Mai in Coburg wird für Claudia Wiest auch den Beginn des Wahlkampfes markieren, der sie als Spitzenkandidatin in die Ecken des Freistaats führen wird. Die ÖDP werde wegen der am 15. September anberaumten Landtagswahl und der Bundestagswahl eine Woche darauf, einen kombinierten Wahlkampf führen. Weil sich die Politikerin auf etliche Termine im Wahlkreis Regensburg und noch mehr bayernweit einstellen muss, hat die vierfache Mutter ihre Ambitionen auch mit ihren vier Söhnen und dem Lebenspartner vorab besprochen.

In ihrer Lebensplanung ist ein möglichen Wechsel in die Bundeshauptstadt somit durchaus einkalkuliert. Den Jüngsten mit Zwölf weiß sie in der Ganztagsschule gut aufgehoben, der Älteste studiert bereits und die mittleren Söhne kämen mit einer zeitweiligen Abwesenheit ihrer Mutter zurecht, denkt sie. Nach Berlin habe sie familiäre Beziehungen – ein Mandat in der Hauptstadt wäre „ein Heimspiel“, sagt sie und macht damit deutlich, dass sie sich keineswegs nur als Zählkandidatin verstehen will.

Über die Liste wird die ÖDP wahrscheinlich keine Abgeordnete nach Berlin entsenden. Wiest wäre es schon recht, wenn die Partei das Ergebnis von 2009 mit 0,3 Prozent verdoppeln könnte. Die ÖDP sei als politische Kraft, die sich gleichermaßen ökologisch wie wertkonservativ gibt, bisher eher programmlastig aufgetreten, findet sie. Die Partei benötigte aber auch Gesichter. Als Direktkandidatin rechnet sie sich daher durchaus Chancen aus. Sie ist bekannt, nicht auf den Mund gefallen und hat als Kreisrätin politische Erfahrung vorzuweisen. „Und ich bin authentisch“, sagt sie.

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