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Idee

Regenstaufs neuer Dorfladen 2.0

Ein Trio verwirklicht einen Laden, der fast ohne Verpackungen auskommt. Im Landkreis Regensburg sind solche Geschäfte rar.
Von Elisabeth Angenvoort

Julia Pagiela, Lutz Schönemann und Carola Benz (links) freuen sich, ihre Idee vom Shoppen ohne Müll zu verwirklichen.  Foto: Elisabeth Angenvoort
Julia Pagiela, Lutz Schönemann und Carola Benz (links) freuen sich, ihre Idee vom Shoppen ohne Müll zu verwirklichen. Foto: Elisabeth Angenvoort

Regenstauf.Zwei Jahre lang standen die Räume an der Hauptstraße in Regenstauf im Schatten der Großbaustelle, ein erzwungener Leerstand sozusagen. Nach Beendigung der Bauarbeiten gab es zahlreiche Interessenten, die beim Vermieter anfragten, doch dieser wollte seine neuen Mieter „passend zum Haus“. „Der Laden hat auf uns gewartet“, sagt Carola Benz rückblickend. Im April 2019 entdeckte sie das Haus an der Hauptstraße, im Mai wurde der Vertrag unterschrieben, und nun sind die letzten Vorbereitungen zur Eröffnung am 12. Oktober (ab 9 Uhr Eröffnungsfeier) des neuen Ladens „quantum satis“ in vollem Gange.

Zwei justierte Waagen garantieren, dass man nur die Füllmenge bezahlt.“

Carola Benz, Gründerin und Inhaberin

Die diplomierte Ökotrophologin mit langjähriger Erfahrung im Bereich Qualitätsmanagement hat bereits für zahlreiche Unternehmen der Lebensmittelindustrie gearbeitet. „Beruflich bedingt kenne ich viele Tricks und Kniffe, die bei der industriellen Lebensmittelherstellung erlaubt sind“, sagt sie. Lebensmittel wieder in ihrer ursprünglichen Form anbieten zu können, darauf freue sie sich. Mit Julia Pagiela, die ihr als Assistentin der Geschäftsführung zur Seite stehen wird, hat sie sich eine frühere Kollegin mit ins Boot geholt, und auch der Dritte im Team, Mitgründer Lutz Schönemann, ist ein langjähriger Wegbegleiter. Als eingespieltes Team wagten sie sich an die Realisierung einer Idee, die seit Jahren gewachsen ist und jetzt „der Erklärung bedarf“, wie Benz es formuliert.

Dorfladen der Kindheit im Blick

Die Namensgebung spricht für sich: „quantum satis“ steht für „so viel wie nötig“, und das in doppelter Hinsicht. „Wir wollen unseren Kunden die Chance geben, wieder bewusst einzukaufen und durch die Möglichkeit der bedarfsgerechten Selbstabfüllung nicht mehr so viel wegwerfen zu müssen“, erklärt Benz. Und natürlich wird zugleich unnötiger Verpackungsmüll vermieden.

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„Dieses Prinzip ist nicht neu von uns erfunden“, betont Benz. Verpackungsfreie Läden gibt es zum Beispiel in Regensburg. Auf dem Land sind sie neu. Über 220 Produkte werden hier in den Regalen stehen, 80 Prozent davon in Bio-Qualität. Das Besondere daran ist, dass jeder Artikel in genau einer Variante angeboten wird, und nicht in vielen verschiedenen; ein Prinzip, das Schönemann aus seiner Kindheit vom Dorfladen kennt und schätzt. Der vielzitierte Begriff der „Entschleunigung“ kann auf diese Weise auch für das Einkaufen gelten, da man sich langes Suchen vor den Regalen erspart.

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Das Produktangebot beinhaltet aus gutem Grund keine Lebensmittel wie Fleisch und Wurst: „Wer vernünftiges Fleisch haben will, der geht zum Metzger“, sagt Benz. Statt Fleischwaren wird man bei quantum satis Gebrauchsgegenstände erwerben können. Wer mehr einkaufen möchte als geplant oder zufällig in den Laden kommt, der erhält vor Ort Stoffsäckchen oder Gläser in verschiedenen Größen, um die Einkäufe nach Hause zu transportieren.

Keine Missionierung

Die Inneneinrichtung des Ladens hat Schönemann, der im Hauptberuf als Trockenbauer eine eigene Firma betreibt, aus überwiegend naturbelassenen Materialien gestaltet. „Bei manchen Dingen mussten wir Kompromisse eingehen“, sagt Benz, da sie bewusst auf keinen Finanzierungspartner angewiesen sein wollten. So bestehen die Dispenser aus Kunststoff, doch werden diese ja für die nächsten Jahre in Gebrauch sein.

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