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Diskussion

Polder sorgen in Wörth weiter für Ängste

Landwirte warnen vor einem Hochwasserbecken im östlichen Landkreis. Die Auswirkungen für die Bauern wären verheerend.
Von Hans Biederer

Im Bereich von Fischerdorf bei Deggendorf hat das Donauhochwasser im Juni 2013 nach einem Dammbruch für Verwüstungen gesorgt. Auch andere niederbayerische Städte waren betroffen. Sie fordern den Bau der Polder im östlichen Landkreis Regensburg mit Nachdruck ein. Foto: Marius Becker/dpa
Im Bereich von Fischerdorf bei Deggendorf hat das Donauhochwasser im Juni 2013 nach einem Dammbruch für Verwüstungen gesorgt. Auch andere niederbayerische Städte waren betroffen. Sie fordern den Bau der Polder im östlichen Landkreis Regensburg mit Nachdruck ein. Foto: Marius Becker/dpa

Pfatter.Der im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern vereinbarte Verzicht auf die geplanten Flutpolder Eltheim und Wörthhof hat für heftige Debatten, Leserbriefe in der örtlichen Presse und hochkochende Emotionen gesorgt. Niederbayerische Städte an der Donau fordern vom Freistaat Bayern, dass er an seinem Flutpolderkonzept festhält. Der Kampf für und gegen die beiden riesigen Flutbecken im Landkreis Regensburg ist neu entbrannt. Hans Mayer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), lehnt den Polderbau strikt ab.

Beim Hochwasser 2013 standen im Raum Pfatter große Flächen unter Wasser. Polder würden diese Tendenz verstärken, fürchtet Alois Bauer. Foto: lbb
Beim Hochwasser 2013 standen im Raum Pfatter große Flächen unter Wasser. Polder würden diese Tendenz verstärken, fürchtet Alois Bauer. Foto: lbb

Bisher sei viel zu wenig beachtet worden, welch verheerenden Auswirkungen der Bau für die Umwelt, die Landwirte und letztlich auch die Verbraucher haben würde. Auch BBV-Ortsobmann Alois Bauer aus Pfatter spricht von existenzbedrohenden Folgen.

Die besten Böden in Bayern

„Diese Riesen-Polder sind auf einem Areal geplant, in dem wir die besten Böden haben, die es in Bayern gibt. Ein Donauhochwasser führt extrem viel Wohlstandsmüll mit sich“, betont Bauer. Neben Plastik und allem anderen, was in den Fluten so mitschwimme, gehe es auch um gefährliche Beifrachten wie etwa Öl und Schwermetalle, die den Tod der fruchtbaren Böden bedeuten würden.

„Diese Riesen-Polder sind auf einem Areal geplant, in denen wir die besten Böden haben, die es in Bayern gibt. Ein Donauhochwasser führt extrem viel Wohlstandsmüll mit sich.“

Alois Bauer, BBV-Ortsobmann

Auch so manche Kläranlage würde bei einem extremen Hochwasser überlaufen oder müsse gegebenenfalls abgelassen werden.

Nach dem Ablassen des Wassers aus den Poldern würden diese problematischen Stoffe als Rückstände in den Böden zurück verbleiben, erklärt Mayer. Viele Landwirte in diesem Bereich produzierten hochwertige Lebensmittel für den deutschen und europäischen Markt. Der Kreisobmann führt beispielhaft Nudelweizen und spezielle Kartoffelsorten an. Diese Lebensmittel würden sehr streng kontrolliert werden.

Was sind Flutpolder?

  • Polder:

    Als Flutpolder gilt ein eingedeichtes Gebiet mit geringem Schadenpotenzial, das bei sehr großen Hochwasserereignissen als Rückhalteraum dient. Die Flutung kann über feste Überlaufstrecken (ungesteuerte Flutpolder) oder gesteuerte Einlaufbauwerke (gesteuerte Flutpolder) erfolgen.

  • Ziel:

    Flutpolder sollen in Bayern dazu eingesetzt werden, die Sicherheit unterhalb liegender technischer Hochwasserschutzanlagen zu erhöhen.

  • Schäden:

    Es werden in der Regel nur land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen geflutet, um die Gefahr eines unkontrollierten Versagens von Hochwasserschutzanlagen wie z. B. Deichen im Unterlauf des Gewässers zu vermindern. Die durch die Flutung entstehenden Schäden an Land- und Forstwirtschaft werden vollumfänglich ersetzt.

„Die Abnehmer bedingen sich aus, dass auf diesen Flächen keine Überschwemmung stattfinden darf.“ Das würde bedeuten, dass das Fluten der Polder diese Bauern langfristig ihres Marktes berauben würde. „Keiner kann sagen, ob diese Landwirte diesen Markt je wieder beliefern können“, betont Mayer.

Äußerst bedenklich sei obendrein, ob auf diesen Flächen nach dem Fluten überhaupt noch Landwirtschaft betrieben werden könne. Man müsse sich die Wasserlast vorstellen, die auf den Boden drückt. „Wir haben bis dato null Erfahrungen, was diese anhaltende Tonnenlast in den tieferen Bodenbereichen bewirkt. Ob die Kapillarwirkung, die es im Boden durch Würmer und Mikroorganismen gibt, dann noch funktioniert, ist sehr fraglich.“

Hochwasser

Polder: Der Kampf geht weiter

Nach dem Kabinettsbeschluss herrscht im Landkreis Regensburg Verunsicherung. Bei den Initiativen überwiegt Frust und Ärger.

Weiterhin ist sich Hans Mayer sicher, dass diese Situation viele Betriebe in ihrer langfristigen Entwicklung behindern wird. Der BBV wisse aus Erfahrung, dass bei der Abwicklung von Naturschäden zwar etwas bezahlt werde, aber davor stehe ein hoher bürokratischer Aufwand. Ein Geschädigter müsse seinen Schaden nachweisen. „Und der Ausgleich macht in der Regel nicht das wieder gut, was geschädigt wurde.“ Viele Bauern könnten dann nicht mehr weitermachen. Ein landwirtschaftlicher Betrieb sei heute ein sehr kapitalintensiver und sensibler Wirtschaftsbereich.

„Keiner kann sagen, ob diese Landwirte diesen Markt je wieder beliefern können.“

Johann Mayer, Kreisobmann

Wie die Bevölkerung auf die Flutung von Poldern reagieren wird, sei noch gar nicht absehbar, ergänzt Mayer. „Möchte sie dann überhaupt noch regionale Waren aus diesen Anbaugebieten kaufen?“ Ähnlich werde es sich mit dem Lebensmittelgroßhandel verhalten, an den sehr viele der Landwirte im östlichen Landkreis ihre Waren liefern. Letztlich bestimme der Großhandel, was in die Regale wandert.

Existenz der Landwirte bedroht

Einen weiteren entscheidenden Faktor stellt für die beiden BBV-Vertreter das steigende Grundwasser dar. „Wir haben einige Höfe direkt in und viele am Rand dieser Polderflächen. Laut Meinung der Fachbehörden ist das Grundwasser zwar beherrschbar. Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus. Und ob die enormen Kosten den Nutzen widerspiegeln, steht auf einem ganz anderen Blatt“, sagt Alois Bauer.

Mayer schlägt als Alternative zu den Poldern ein verbessertes Staustufenmanagement vor. „Warum erprobt und praktiziert man das nicht jetzt schon bei einem Hochwasser der Kategorie HQ30 oder HQ50?“ Und für Alois Bauer steht fest: Sollten die Polder tatsächlich kommen und geflutet werden, werde dies die Existenzmöglichkeiten vieler Landwirte im östlichen Landkreis vernichten.

Der Flutpolder-Streit in der Region geht weiter

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