MyMz
Anzeige

Politik

Fürstin unterstützt kontroverse Demo

Gloria von Thurn & Taxis stellt sich mit der AfD auf die Seite der „Demo für alle“. Hunderte Regensburger halten dagegen.
Von Gustav Wabra

  • AfD-Mann Benjamin Nolte (2. von links) und Gloria von Thurn und Taxis stellten sich auf die Seite der „Demo für alle“. Foto: Lex
  • Hunderte demonstrierten unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“. Foto: Lex

Regensburg.„Gloria vertreiben, Flüchtlinge bleiben.“ Die Gegendemonstranten riefen die Parole, als sie erkannten, wer da auf der anderen Seite war. Gloria von Thurn und Taxis hatte sich der „Demo für alle“ am Samstagnachmittag angeschlossen. Das Bündnis kritisiert unter anderem den in seinen Augen zu frühen Sexualkundeunterricht von Kindern.

Die Gegner werfen dem Bündnis Schwulenfeindlichkeit vor. Am Rande der Kundgebung sagte die Fürstin unserem Medienhaus. „Ich bin hier, weil ich finde, dass Kinder nicht so früh mit nicht kindgerechten Themen konfrontiert werden sollen. Das ist auch eine Form der Kindesmisshandlung.“

Sehen Sie hier ein Video von der Demonstration mit einem Interview mit Gloria von Thurn und Taxis.

Gloria von Thurn & Taxis bei Demo für alle

400 Gegendemonstranten

Der Gegenprotest zur „Demo für alle“ wurde von dem Arbeitskreis (AK) queer der Universität Regensburg organisiert. Unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ demonstrierten nach Angaben der Veranstalter und der Polizei 400 Menschen. Bei der „Demo für alle“ waren es etwa 50. Zur Anzahl der Polizeibeamten wollte Sprecher Markus Reitmeier nichts sagen. Der Domplatz war großflächig abgesperrt. Die Demonstrationen trennten rund 100 Meter. 20 Regensburger Gruppen schlossen sich dem Aufruf zum Gegenprotest an. Unter anderem auch die Regensburger SPD.

Rund 50 Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag gegen ihrer Meinung nach verfrühten Aufklärungsunterricht, Fürstin Gloria mittendrin. Foto: Lex
Rund 50 Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag gegen ihrer Meinung nach verfrühten Aufklärungsunterricht, Fürstin Gloria mittendrin. Foto: Lex

Sebastian Koch, der SPD-Unterbezirksvorsitzende, sagte mit Blick auf den Auftritt der Fürstin: „Das ist ein neuer Tiefpunkt.“ Christiane Fuchs ist Sprecherin des AK queer. Für sie ist die sogenannte „Demo für alle“ gegen eine pluralistische Gesellschaft. „Sie sind gegen die Gleichstellung von Menschen und diffamierend gegenüber Homosexuellen und allen, die nicht an ihr Weltbild glauben.“ Auch die Regensburger Schülervereinigung (RSV) schloss sich den Gegenprotesten an. Die „Demo für alle“ verbreite absurde und realitätsferne Gerüchte zu angeblichen Lehrmethoden an Schulen. Auch die stellvertretende Schülersprecherin des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, Eva Hofmann, positionierte sich in ihrer Rede: „Niemand darf an Schulen diskriminiert werden. Jeder muss die bestmögliche Bildung erhalten, egal, in wen sich eine Person verliebt.“ Für sie stehe die „Demo für alle“ einer offenen und toleranten Schule entgegen.

„Fünfjährige müssen noch nicht mit Themen wie Analsex und Darkrooms konfrontiert werden.“

Benjamin Nolte, AfD-Landtagskandidat

Auf der anderen Seite unterstützte AfD-Landtagskandidat Benjamin Nolte die Kundgebung. „Fünfjährige müssen noch nicht mit Themen wie Analsex und Darkrooms konfrontiert werden.“ Veranstalter der „Demo für alle“ ist der Verein Ehe-Familie-Leben mit Vorsitzender Hedwig von Beverfoerde, sie ist ehemaliges CDU Mitglied. „Wir zeigen Flagge für das Grundrecht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder. Wir wollen, dass die ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ und ihre schamverletzenden Methoden wieder aus den Schulen und Kitas verschwinden.“

„Niemand darf an Schulen diskriminiert werden. Jeder muss die bestmögliche Bildung erhalten, egal, in wen sich eine Person verliebt.“

Eva Hofmann, Regensburger Schülervereinigung

Gegründet wurde das Bündnis „Demo für alle“ angelehnt an eine französische Bewegung. Das Aktionsbündnis formierte sich vor drei Jahren in Baden-Württemberg. Damals übten es Kritik am dortigen Bildungsplan. Die Demonstrationen sollen von AfD-Politikerin Beatrix von Storch mitorganisiert worden sein. Dem Bündnis werden Verbindungen zu Rechtsextremen vorgeworfen. Von extremistischen Meinungen hat sich der Verein Ehe-Familie-Leben mittlerweile distanziert.

Mehr Bilder von den Demonstrationen sehen Sie hier:

Demos auf dem Regensburger Domplatz

Demonstranten diskutieren

Hedwig von Beverfoerde bedauerte gegenüber der Mittelbayerischen, dass keine Diskussionen zwischen den Fronten stattfinden würden. Der Gegenprotest lasse das nicht zu. Auch in den sieben weiteren Städten, die der „Bus der Meinungsfreiheit“ ansteuern werde, seien Gegenproteste angemeldet.

„In einer Sache sind wir uns einig, dass beide Seiten zu wenig voneinander wissen.“

Markus Apel, Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands Bayern

Doch einer der Gegendemonstranten traute sich auf die andere Seite: Markus Apel, Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands Bayern. Er kam zum Diskutieren. Und das tat er dann auch Hedwig von Beverfoerde. „In einer Sache sind wir uns einig, dass beide Seiten zu wenig voneinander wissen.“ Dennoch bleibe für ihn die „Demo für alle“ eine Gruppierung, die den Kindern beibringen wolle, nur die Liebe zwischen Mann und Frau sei die richtige; sie werte damit andere Beziehungsformen ab.

Um 16 Uhr fuhr der „Bus der Meinungsfreiheit“ wieder ab. Nach Angaben von Polizeisprecher Markus Reitmeier war es zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen.

Das Fazit der Polizei

  • Sperren:

    Ab 9 Uhr Samstagfrüh wurde der Domplatz für den Verkehr gesperrt. Östlich war die Sperre ab dem alten Kornmarkt, Westlich ab der Pfauengasse. Laut Polizei kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Beide Seiten haben sich ruhig verhalten, so dass ein Eingreifen der Polizei nicht nötig war. Aus Sicht der Polizei war es ein erfolgreicher Einsatz. Das teilte Polizeisprecher Markus Reitmeier mit.

  • Demonstrationen:

    Laut Angaben der Polizei waren 400 Teilnehmer bei der Kundgebung „Vielfalt statt Einfalt“. Bei der „Demo für alle“ mit dem „Bus der Meinungsfreiheit“ waren es rund 50. Der „Bus der Meinungsfreiheit“ wird in den nächsten Tagen in weiteren Städten halt machen. Auch dort sind Gegenproteste geplant. Nächste Stopps sind Dresden, Berlin, Fulda, Köln, Wiesbaden, Stuttgart und München.

Lesen Sie hier ein Interview mit einer Pädagogin zum Thema sexuelle Aufklärung bei Kindern.

Lesen Sie hier mehr Nachrichten aus Regensburg.

Unseren Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht