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Mode

Kurvige Models machten gute Figur

In Regensburg gab es ein Casting bei Wöhrl der besonderen Art. Für eine Werbekampagne wurden „curvy“ Frauen gesucht.
Von Andrea Leopold

Die Gewinnerinnen Angelina Kirsch und Miriam Sembera (1. und 3. v. l.) mit den Stylisten Katrin Garburg, Daniel Buresch und Charlotte Völkel (v. l.) Foto: Leopold
Die Gewinnerinnen Angelina Kirsch und Miriam Sembera (1. und 3. v. l.) mit den Stylisten Katrin Garburg, Daniel Buresch und Charlotte Völkel (v. l.) Foto: Leopold

Regensburg.Ein Laufsteg mitten in der Damenabteilung. Gut gebaute Models in Markenkleidung schwingen lasziv die Hüften beim Laufen. Laute Musik tönt aus den Lautsprechern. Die Zuschauern sind gut gelaunt, klatschen und jubeln wie verrückt bei ihrer Favoritin.

Kunden beim Shopping bleiben fasziniert stehen und beobachten wie sich die kurvigen Models zu der Musik bewegen. Sie posen im Blitzlicht der Kameras. Sichtlich genießen sie die Aufmerksamkeit der Zuschauer und der Fotografen.

Traummaße 90-60-90?

Die Traummaße der Frau werden gerne mit den unrealistischen Zahlen 90-60-90 angegeben. Kleidergröße 34 oder gar 32 sind auf den Laufstegen der Welt Usus. Sogenannte „Hungermodels“ mit bleichen eingefallenen Wangen sind bereits Realität. Glaubt man jedoch den Schönheitsforschern, die sich mit Mathematik und Statistik beschäftigen, liegt der Schlüssel zur Schönheit der Frau nicht in der Konfektionsgröße begründet, sondern in der interessanten Formel Taille-Hüfte-Verhältnis (Waist-to-Hip-Ratio) von 0,7. Dieses Verhältnis komme der ausgewählten Idealfigur fast perfekt nahe. Diese Sanduhr-Proportion wirkt am attraktivsten, wenn die Frau etwas gepolstert, dass heißt nicht zu dick und nicht zu dünn ist.

Die Zuschauer finden das Casting bei Wöhrl “voll gut“. Claudia Kick und ihre Tochter Lisa sind zufällig vorbei gekommen. Claudia Kick: „Ich kenne das: Man geht in den Laden und findet nichts, da lauter kleine Größen drin sind.“ „Durch Instagram und andere Netzwerke wird uns von der Gesellschaft vermittelt, dass nur dünn schön ist. Hier sieht man das `Zurück zur Realität`“, meint ihre Tochter.

Die Siegerin Miriam Sembera hat noch nie bei einer Wahl mitgemacht. „Manchmal gibt es so Tage, da ist das Glück auf meiner Seite“, freut sich die Gewinnerin, „es ist ein unbeschreibliches Gefühl auf dem Laufsteg zu sein, wenn das Publikum passt und die ganze Atmosphäre. Ich fühle mich auch noch einmal ganz anders, wenn ich von einem Modehaus eingekleidet werde.“ Auf die Frage nach dem Schlankheitswahn meint Sembera: „Ich finde, alles was mit Wahn zu tun hat nicht gut. Jede Frau sollte sich so annehmen, wie sie von Geburt an ist und sich schönfühlen. Auch die Frauen untereinander sollten sich feiern, dass sie anders sind.“ Bei den sogenannten Curvy Models (kurvige Models) sehe man, dass jede Frau anders aussieht. Frauen mit Kurven wirkten auch gesünder, findet die Siegerin.

Der Anthropologe Karl Grammer von der Universität Wien konnte ebenfalls in seinen Untersuchungen zeigen, dass für eine attraktive Frauenfigur weit mehr notwendig sei und dass es auf das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren gleichzeitig ankomme. So zeigen seine Studien, dass eine schmale Taille vor allem das Ideal in Industrienationen sei. Und selbst dort gebe es erhebliche Unterschiede zwischen Ländern wie Deutschland, USA oder Japan.

Das Ende der Diäten

Die Gewinnerin Miriam Sembera trägt Größe 42: „42 ist ja die Durchschnittsgröße der Frauen in Deutschland, da muss man sich schon fragen, warum dann 44 das Maximum in den Läden ist. Ich habe das Gefühl, dass sich manche Frauen nicht selber leiden können, jeder mäkelt nur an sich herum.“ Auch sie wollte früher weniger wiegen, das habe sie aber schnell abgelegt. Man müsse mental an sich arbeiten, sich akzeptieren. „Zum Glücklichsein gehört keine Körperform“, ist Sembera überzeugt.

Die zweite Siegerin Simona Wichary kommt aus München und ist aus der Musikbranche. Sie ist DJane und Sängerin. Wichary: „Konfektionsgröße 42 und 44 ist das Maximum, danach muss man in Spezialgeschäfte gehen. Das schaut dann auch leider nicht so schön aus.“ Sie trage Größe 44. Früher hat sie x-verschiedene Diäten ausprobiert, trotz Sport hat sie nie abgenommen. „Ich möchte das Statement setzen, das sich keine Frau verstecken muss“, meint sie.

Bei den Curvy Models sind beide Gewinnerinnen in guter Gesellschaft: Angelina Kirsch wurde in Paris im Cafe entdeckt und Sarah Novak ist sehr erfolgreich in New York und tritt gerade im Fernsehen bei „dancing on ice“ auf. Wichary: „Mir ist wichtig, dass man zu sich stehen muss, gerade die ganz jungen Frauen werden so beeinflusst durch die Influencer auf den sozialen Netzwerke. Schon im Kindesalter fangen die an mit Magersucht, um dem Schlankheitsideal zu entsprechen.“ Sembera gibt einen Appell an die Männerwelt: „Macht mehr Komplimente an die Frauen, das stärkt das Selbstbewusstsein.“

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