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Seltsame Kunst an der Frankenstraße

Seit über 30 Jahren fahren Autos in Regensburg stadteinwärts an den Steinfiguren vorbei. Warum sie dort stehen, weiß keiner.

Der Gärtner Max Buchhauser vor einer seiner drei Meter hohen Figuren an der Frankenstraße.
Der Gärtner Max Buchhauser vor einer seiner drei Meter hohen Figuren an der Frankenstraße. Foto: Horst Hanske

Regensburg.Wer sich zum ersten Mal auf der Bundesstraße 8 von Westen Regensburg nähert, der traut seinen Augen nicht. „Bin ich im modernen Bayern oder im antiken Rom?“, mag er sich fragen. Denn wie an der Via Appia stehen an der Frankenstraße bei der Oberpfalzbrücke steinerne Monumente. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. WOCHE-Redakteur Horst Hanske, der im Januar verstorben ist,schrieb über den Anblick: „So ein Ding zwischen Grabmal und Mahnmal, eine Westentascherl-Befreiungshalle, stark angelehnt an hoffentlich überstandene Blut- und Bodenkultur.“

Es ist ein ganzer Skulpturenpark, der hier im Laufe der Jahre zwischen dem Kanal und der Straße entstanden ist. Und sie stammen nicht von einem professionellen Bildhauer, schon gar nicht von einem antiken Künstler, sondern von der Hand eines Gärtners aus dem Regensburger Stadtteil Weichs: Max Buchhauser. Max Buchhauser war Inhaber einer Gärtnerei. Ein Großteil seiner Gartenanlagen, einschließlich der Treibhäuser, musste dem Bau der Oberpfalzbrücke weichen. Was blieb, war ein heute verwilderter Acker etwa in der Größe eines Fußballplatzes.

„Ja, ich sage nichts“

Die WOCHE wollte vom Gärtner wissen, was es mit den Skulpturen auf sich hat.
Die WOCHE wollte vom Gärtner wissen, was es mit den Skulpturen auf sich hat.

Quasi über Nacht und ohne Bauantrag stellte der Hobby-Bildhauer hier einen Skulpturengarten hin. Und obwohl er nach dem Gesetz ein Schwarzbau ist, wie der damalige Leiter des Rechtsamtes Dr. Eugen Rosenmeier der WOCHE erklärte, steht er hier schon seit mehr als 30 Jahren. Was die bis zu drei Meter hohen Säulen bedeuten, weiß bis heute niemand. Und auch der WOCHE, die mit dem Gärtner sprach, gelang es nicht, diesem das Geheimnis zu entlocken. „Ja, ich sage nichts zu meinen Denkmälern“, erklärte er und lächelte dazu gönnerhaft und weise, vermerkte Hanske. Auf die Frage, was sie bedeuten: „Weil … weil, das geht niemand etwas an.“ Und so ist es bis heute geblieben.

So rätselte die Woche, ob Buchhauser die Stadt zum Stadtjubiläum mit einem besonderen Geschenk bedenken wollte oder sich vielleicht eine Eulenspiegelei erlaubte. Inzwischen hat der Skulpturenpark bundesweit Aufsehen erregt. Auf der Reiseseite von Spiegel Online wird er empfohlen: „An der Nordseite der Donau entstand eine bislang wenig bekannte Sammlung grotesker Kunst, die bestimmt einen Zwischenstopp wert ist.

Kleines Wahrzeichen Regensburgs

Und das Internet-Lexikon Wikipedia lobt: „Dieser kostenfreie Skulpturengarten ist beeindruckend in seiner Monumentalität und wegen seines bizarren und wunderlichen Charakters. Er ist deshalb zu einem der kleineren Wahrzeichen Regensburgs geworden. Die Skulpturen sind eine bewusst chaotische Mischung aus den Stilen mehrerer Epochen. Von den Ägyptern über die Griechen, die Römer und die Nazikunst bis hin zur naiven Bildhauerei: Alle Stilrichtungen und Kulturepochen sind vertreten. In ihrer Kombination erreichen sie eine unerwartete Komplexität.“

Nur was sie bedeuten, das weiß immer noch keiner. Aber das ist wahrscheinlich das Wesen jeder Kunst.

Die Steinfiguren befinden sich in der Frankenstraße bei der Oberpfalzbrücke:

Alle Teile unserer Serie „,Die Woche‘ – Die spannendsten Schlagzeilen“ finden Sie hier.

Das Buch zur Serie

  • Die Zeitung:

    Donnerstag war in Regensburg WOCHE-Tag. Die Stadt wartete auf die einzige wöchentlich erscheinende regionale Boulevardzeitung Deutschlands. Der damalige Chefredakteur Josef „Jupp“ Titz und WOCHE-Redakteur Manfred Rohm erinnern sich an die besten Geschichten aus 30 Jahre.

  • Das Buch:

    Das Buch „Die Woche bringt es an den Tag“ ist im Gietl-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro.

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