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Frühling

So teuer ist heuer eine Kugel Eis

Der Sonnenschein lockt Liebhaber schon jetzt in die Regensburger Eisdielen. Vielerorts sind die Preise gestiegen – warum?
Von Anna Jopp

Trotz noch frostiger Temperaturen ließen sich die Regensburger ihr Februar-Eis schmecken. Foto: altrofoto.de
Trotz noch frostiger Temperaturen ließen sich die Regensburger ihr Februar-Eis schmecken. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Noch immer verkündet ein Schild an einer derzeit geschlossenen Eisdiele in der Altstadt: „Die Eissaison ist leider vorbei. Wir bedanken uns für die schöne Zeit und sind ab März wieder für Sie da.“ Viele andere hatten vergangene Woche hingegen schon wieder geöffnet und freuten sich über das Frühlingswetter. „Mit den Temperaturen steigt auch die Lust auf Eis“, sagt Mario Tomasella, Inhaber des „Eiscafé Venezia“ am Haidplatz. In den letzten zwei Wochen haben sich schon viele Schleckermäuler in seine und in die zahlreichen anderen Eisläden der Stadt verirrt.

1,30 Euro kostet eine Kugel Eis in diesem Jahr in den meisten davon – seit Kurzem auch bei Tomasella. „Letzten Sommer haben wir noch 1,20 Euro verlangt, aber schon im Oktober mussten wir vorausschauend um zehn Cent erhöhen“, klagt der Eisdieleninhaber. „Wir machen unser Eis noch ganz traditionell, alles mit frischen Zutaten.“ Frische Milch, Sahne und andere Ingredienzen würden derzeit eher teurer. Dazu kämen steigende Strompreise. Der Zucker sei dafür momentan recht günstig zu haben.

Für ihr Eis stehen die Regensburg schon im Februar Schlange. Foto: altrofoto.de
Für ihr Eis stehen die Regensburg schon im Februar Schlange. Foto: altrofoto.de

„Der Preis pro Kugel ist immer eine Mischkalkulation“, sagt Tomasella, „aber irgendwann ist man gezwungen, die Preise zu erhöhen.“ Ähnlich sieht das auch Debora Zanicolo. Sie ist Inhaberin des Eiscafés „Aamu“, das je eine Filiale am Neupfarrplatz und in der Thundorferstraße betreibt. „Fünf Jahre lang haben wir unsere Preise beibehalten – im sechsten mussten wir den Preis jetzt doch um zehn Cent anheben, weil einfach alles teurer wird.“ Auch im Aamu kostet die Kugel jetzt 1,30 Euro, genau wie im „Piccolo“ in der Drei-Mohren-Straße und im „Crema Gelato“ am Kohlenmarkt.

Teurer bleibt teurer

Von den steigenden Kosten unbeeindruckt zeigen sich diejenigen Eisdielen, die schon im vergangenen Jahr etwas teurer waren als die Konkurrenz: Der „Stenz“ am Bismarckplatz verlangt genau wie im Vorjahr auch weiterhin 1,40 Euro pro Kugel: „Unsere Kunden bekommen aber immer noch eine Probierkugel dazu“, gibt Eisproduzentin und -verkäuferin Vroni zu bedenken. „Im Endeffekt bekommt man also fast 1,5-mal so viel Eis für nur zehn Cent mehr.“ Noch teurer ist das Eis im Center Italia am Neupfarrplatz, in dem die Kugel Eis seit dem letzten Jahr unverändert 1,50 Euro kostet. Die Kundschaft schreckt das aber nicht ab: „Wir haben das ganze Jahr über offen, aber in den letzten Wochen kommen immer mehr Leute. Ich bin zufrieden“, sagt Geschäftsführer Guido Giampietro.

Welches Eis mögen die Regensburger am liebsten? Wir haben uns umgehört:

Regensburger Passanten erklären, welches Eis sie am liebsten essen und wieviel sie bereit sind, pro Kugel zu zahlen. Video: Laura Knupper

Interessant ist: Gerade wer, wie viele der Regensburger Eismacher, auf Fertigmischungen verzichtet, ist in seiner Kalkulation unmittelbar vom aktuellen Ressourcenkurs abhängig. Indirekt kann das allgemeine Weltgeschehen dadurch den Regensburger Eis-Preis beeinflussen. Die Vanille im „Stenz“-Eis kostet derzeit etwa 500 Euro pro Kilo. Das sei vergleichsweise günstig, sagt Eisproduzentin Vroni: „Vorletztes Jahr waren es noch 900 Euro!“ Ein Zyklon hatte damals viele der Anbaufelder in Madagaskar zerstört. Von dort kommt ein Großteil der hierzulande verarbeiteten Vanilleschoten.

Der Brexit und die Milchpreise

Die Verkäufer in den Eisdielen haben schon jede Menge zu tun. Foto: altrofoto.de
Die Verkäufer in den Eisdielen haben schon jede Menge zu tun. Foto: altrofoto.de

Auch in Zukunft könnten globale Ereignisse indirekt auch die Regensburger Eismacher betreffen: So sagten die Forscher Erhard Richarts und Holger D. Thiele vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft für Anfang 2019 eine große Unsicherheit am Milchmarkt voraus: Aus Angst vor einem harten Brexit könne es sein, dass vor dem Stichtag Ende März vorsorglich hohe Mengen an Milch aus Irland und dem Vereinigten Königreich eingelagert würden. Der Milchindustrieverband rechnet laut einer Pressemitteilung auch für die Zeit nach einem Brexit durch neue Zölle und teurere Exporte mit weiteren Preisschwankungen am europäischen Milchmarkt.

Lieblingssorten 2019

Egal welches Eis, hauptsache es schmeckt. Foto: altrofoto.de
Egal welches Eis, hauptsache es schmeckt. Foto: altrofoto.de

So unterschiedlich wie die Regensburger Eisdielen, so unterschiedlich ist auch die Vorliebe ihrer Kunden für bestimmte Sorten: Im Venezia gehen derzeit Schoko-Orange und Trüffel besonders gut. Bei Stenz dreht sich schon jetzt vieles um die Frühlingssorten Mascarpone-Erdbeer und Joghurt-Aprikose. Im Center Italia schwören die Kunden dagegen auf den Klassiker Vanilleeis sowie auf Amarena. Das „Aamu“ setzt auch in diesem Jahr vor allem auf vegane Eiskreationen. „Die kommen auch bei laktoseintoleranten Kunden gut an“, erzählt Inhaberin Zanicolo.

Obwohl die Sonne scheint, waren die Temperaturen in den vergangenen Wochen größtenteils eigentlich noch zu kalt, um Abkühlung durch eiskalte Süßigkeiten zu suchen. Dafür, dass die Regensburger trotzdem schon im Februar vor den Eisdielen Schlange stehen, hat Psychologieprofessorin Gesine Dreisbach eine einfache Erklärung parat: „Ich würde hier einfache assoziative Lernmechanismen vermuten: Die ersten Sonnenstrahlen und warme Temperaturen nach den dunklen Wintertagen locken die Menschen nach draußen, Erinnerungen an den Sommer werden wach, und der Anblick und Genuss von Eis ist ebenfalls damit assoziiert.“

Fakten über Speiseeis

  • Kühles Vergnügen:

    Mit ihren Eisgelüsten schon bei kälteren Temperaturen stehen die Regensburger nicht alleine da: Im Europäischen Vergleich verzehren ausgerechnet die Skandinavier pro Kopf das meiste Eis: 11,8 Liter davon isst etwa jeder Finne durchschnittlich pro Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland sind es „nur“ knapp acht Liter pro Person, also etwa 22 Milliliter pro Tag und Kopf.

  • Kreativ:

    Der erste Juli ist „Tag der kreativen Eissorten“. Statt Schoko, Vanille und Stracciatella sollen an diesem Tag besondere Geschmacksrichtungen im Mittelpunkt stehen. Besonders außergewöhnliche Sorten der vergangenen Jahre waren beispielsweise Bier-, Kassler- oder Spargeleis. Kurios ist in diesem Jahr auch die „Eissorte des Jahres, die jedes Jahr vom Verband der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland gewählt wird. Der Sieger 2019: Bienenstich-Eis!

  • Gesünder Naschen:

    Der Infoservice der deutschen Markeneishersteller hat für 2019 verschiedene Trends in der Eisproduktion und den Vorlieben der Konsumenten vorhergesagt: Neben stückigen Zutaten wie kleinen Stückchen von Früchten, Nüssen oder Keksen im Eis beobachten die Hersteller selbst bei der Süßigkeit Eis einen zunehmenden Trend zur bewussteren Ernährung: Immer mehr gefragt seien biologisch hergestellte Zutaten. Bei den Sorten seien zunehmend besonders proteinreiche, fettarme oder laktosefreie Varianten gefragt.

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