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Wirtschaft

Wohnprojekt? Gloria verkauft Pürkelgut

Was der Stadt nicht gelungen ist, hat das Immobilienzentrum geschafft: Das Unternehmen erwirbt das Schloss und große Flächen.
Von Marion Koller, MZ

Das Pürkelgut verfällt seit Jahrzehnten. Jetzt hat das Fürstenhaus verkauft.
Das Pürkelgut verfällt seit Jahrzehnten. Jetzt hat das Fürstenhaus verkauft. Archivfoto: Klein

Regensburg.Dem Immobilienzentrum (IZ) Regensburg ist ein Coup gelungen. Vorstandsmitglied Wolfgang Herzog sagte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Unternehmen das Schloss Pürkelgut vom Fürstenhaus gekauft hat. Auch der Gutshof aus dem 13. Jahrhundert und dazugehörige landwirtschaftliche Flächen mit 49 000 Quadratmetern gehen ans IZ.

Über die künftige Nutzung wollte sich Herzog nicht äußern. Das Immobilienzentrum hat zwar in enger Abstimmung mit der Thurn-und-Taxis-Verwaltung ein vorläufiges Konzept entwickelt, doch zunächst müssten Spezialisten das unter Denkmalschutz stehende Wasserschloss von 1728 in Augenschein nehmen, vermessen und untersuchen. „Jede Einzelheit muss mit dem Landesamt für Denkmalpflege besprochen werden, da darf ich nicht vorpreschen“, meinte Herzog.

Gerade wegen der engen Zusammenarbeit habe das IZ wohl den Zuschlag bekommen, vermutet Herzog. Der Stadt war es vor einigen Monaten nicht gelungen, Flächen rund um das Pürkelgut für die Landesgartenschau und eine spätere öffentliche Nutzung als Park zu erwerben.

„Wenn man irgendwo Wohnen verwirklichen kann, wird man es machen, weil es lukrativ ist.“

Wolfgang Herzog

Vorstandsmitglied Herzog ließ aber durchblicken, dass im Schloss Pürkelgut wohl Wohnungen entstehen werden. Wörtlich sagte er: „Sie können spekulieren. Wenn man irgendwo Wohnen verwirklichen kann, wird man es machen, weil es lukrativ ist.“ Teure Sanierungen seien kein Hobby, sondern müssten natürlich Rendite abwerfen. Auch eine Büronutzung sei denkbar.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs kommentierte den Immobilien-Deal mit den Worten: „Ich bin sehr zufrieden damit, dass es ein Privater gekauft hat und etwas daraus macht. Sonst wäre dieses Kleinod verfallen.“ Auf die Frage, ob das nicht eine Niederlage für die Stadt sei, deren Verhandlungen mit dem Haus Thurn und Taxis im Januar 2016 gescheitert waren, sagte der OB: Die Stadt habe nur die Freiflächen ohne das Schloss für die Landesgartenschau kaufen wollen. „Wenn wir das Schloss miterwerben hätten müssen, hätten wir es weiterverkauft.“ Es sei nie Absicht der Stadt gewesen, das Pürkelgut selbst zu sanieren. Es sei zu keiner Einigung gekommen, weil das Fürstenhaus „zu dem Zeitpunkt noch nicht verkaufen wollte“. Wolbergs unterstrich, es könne nicht Aufgabe der Allgemeinheit sein, das Denkmal zu kaufen. Auch habe das Immobilienzentrum nicht den gesamten Umgriff des Wasserschlosses erworben, sondern nur einen Teil.

Landschaftspark nicht „gestorben“

Das stimmt: Das Unternehmen hat 4,9 Hektar gekauft, die Landesgartenschau und der daraus resultierende Landschaftspark hätten etwa 40 Hektar umfasst. Wolbergs betonte, die Stadt halte weiterhin an ihren Plänen für einen Landschaftspark beim Pürkelgut fest. „Der Stadtrat hat beschlossen, dass dort ein Naherholungsgebiet entstehen soll.“ Auch große Teile des weiteren Umgriffs gehören Thurn und Taxis. „Wir sind in super Gesprächen mit dem Fürstenhaus.“ Umweltbürgermeister Jürgen Huber schränkte ein: „Wir hoffen, dass wir die Flächen bekommen, aber wegen der Niedrigzinsen verkauft zurzeit niemand gerne Grund.“ Huber hat auch die Pläne für eine Landesgartenschau nicht aufgegeben. Frühester Zeitpunkt: 2026.

Während ein Wohnprojekt nur wenigen Menschen zugutekommt, würden von einem Landschaftspark alle Bürger im verkehrsreichen Südosten zwischen Landshuter Straße, Odessaring und den Bahngleisen profitieren. Das Viertel hat Nachholbedarf: Dort wohnen viele Menschen, aber es gibt nur wenig grüne Oasen und Spielplätze. In den kommenden Jahren wird dort gebaut, weitere Neubürger werden zuziehen.

Johann Brandl vom Bürgerverein Süd-Ost reagierte verhalten. Es freut ihn, dass „endlich etwas passiert“. Positiv sei die Entwicklung aber nur, wenn nicht nur ein Wohnprojekt, sondern langfristig auch der Landschaftspark entstünden.

Einst war das Schloss Pürkelgut im Osten von Regensburg ein Ort, an dem sich Feingeister inspirieren ließen. Lesen Sie hier mehr über die Geschichte des Schlosses Pürkelgut.

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Wertvoller Barockbau

  • Gebäude:

    Bei dem 1728/29 von dem berühmten Barockarchitekten Johann Michael Prunner erbauten Schloss handelt es sich um einen wertvollen barocken Profanbau und ein herausragendes kunstgeschichtliches Baudenkmal.

  • Thurn und Taxis:

    Das Haus Thurn und Taxis kaufte das Schloss 1844 zusammen mit dem benachbarten Gutshof.

  • Verfall:

    Ab den 1970er-Jahren ließ das Fürstenhaus das Schloss verfallen. Erst 2002 erfolgte die Notsanierung des Dachs.

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