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Bauprojekt

Nittenau: Vorbehalte gegen Wohnprojekt

Die Fechters wollen neben dem Asylbewerberheim gut 100 Wohnungen für Senioren bauen. Der Stadtrat sieht die Pläne kritisch.
Von Cornelia Lorenz

Roland Fechter (l.) präsentierte im Stadtrat seine Pläne für das Gelände an der Thanner Straße. Albert Meierhofer (r.) hakte intensiv nach. Foto: Lorenz
Roland Fechter (l.) präsentierte im Stadtrat seine Pläne für das Gelände an der Thanner Straße. Albert Meierhofer (r.) hakte intensiv nach. Foto: Lorenz

Nittenau.Roland Fechter hatte sich auf Gegenwind gut vorbereitet – und präsentierte seine Pläne für den Neubau von 104 Wohneinheiten neben dem Asylbewerberheim in der Thanner Straße äußerst vehement: Vorrangig Menschen ab 50 mit kleinem Budget sollen hier einmal in zwei miteinander verbundenen Baukörpern einziehen. Die Stadträte reagierten auf Fechters Vortrag, der einige verbale Spitzen enthielt, unterschiedlich: Von offener Ablehnung bis hin zu zumindest vorsichtigem Interesse war bei der Sitzung am Dienstagabend alles dabei.

Rosemarie Fechter (l.) ist die Geschäftsführerin der FeBau GmbH. Foto: ht/Archiv
Rosemarie Fechter (l.) ist die Geschäftsführerin der FeBau GmbH. Foto: ht/Archiv

2015 hatte die Firma FeBau aus Hohenwarth, wo Fechters Mutter Rosemarie Geschäftsführerin ist, das Areal der ehemaligen Geflügelschlachterei an der Thanner Straße gekauft. „Das sind 25000 Quadratmeter beste Wohnfläche, echte Filetstücke“, erklärte Fechter den Stadträten. Teile der Schlachterei haben die Fechters in ein Asylbewerberwohnheim umbauen lassen. Hier leben derzeit rund 150 Menschen.

Nun soll es auf dem Gelände weitergehen. Man habe sich dagegen entschieden, 50 Bauplätze für Einfamilienhäuser zu schaffen. Stattdessen setze man auf „verdichtete Wohnbebauung“ und könne so Flächenversiegelung und Energieverbrauch auf dem Areal deutlich reduzieren. „Wir halbieren den ökologischen Fußabdruck“, sagte Fechter.

Wohnungen für Senioren mit kleinem Budget

Die Asylbewerberunterkunft in der Thanner Straße in Nittenau. Nebenan sollen Wohnungen entstehen. Foto: lc
Die Asylbewerberunterkunft in der Thanner Straße in Nittenau. Nebenan sollen Wohnungen entstehen. Foto: lc

Die ersten Skizzen des Projekts hatten kürzlich bei den Mitgliedern des Bauausschusses für Verwirrung gesorgt. In den Erläuterungen war da noch von „sozial-betreutem Wohnen“ die Rede gewesen. Diesen Begriff versuchte Fechter nun zu konkretisieren. Der Großteil der Appartements werde an Menschen der „Generation 50 plus“ vermietet. Viele Senioren kämen ab dem Rentenalter in finanzielle Nöte. „Für solche Fälle schaffen wir ein Angebot für Leute, die sich zu jung für ein Seniorenheim fühlen und die noch selbstbestimmt leben wollen.“

Hinter dem Stichwort „betreut“ verbirgt sich laut Fechter ein Concierge-Dienst für die Bewohner – sie können sich zum Beispiel Einkäufe bringen lassen oder Mittagessen bestellen. Auch eine Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst ist angedacht. Am Ende müsse der Wohnraum für die Mieter bezahlbar bleiben. „Die Leute haben nicht alle 5000 Euro pro Monat für ein Altenheim übrig“, sagte Fechter. Langfristig soll auch das Asylbewerberheim in Wohnraum umgewandelt werden, und auch ein Bereich ist geplant, wo sozialschwache Familien unterkommen könnten.

Albert Meierhofer hakte intensiv nach

Das Asylbewerberheim ist im Jahr 2017 eröffnet worden. Mittlerweile leben dort 150 Menschen. Foto: ht/Archiv
Das Asylbewerberheim ist im Jahr 2017 eröffnet worden. Mittlerweile leben dort 150 Menschen. Foto: ht/Archiv

Die Stadträte verfolgten Fechters Ausführungen sehr interessiert und stellten viele Fragen. Besonders intensiv hakte Albert Meierhofer (CSU) bei Fechter nach. Er betonte, das Areal sei keinesfalls ein Premium-Baugebiet, und forderte Fechter mehrfach auf, Farbe zu bekennen: Er solle offenlegen, welche Klientel nun genau in die Gebäude einziehen werde, um der Stadt spätere Überraschungen zu ersparen. Eine Unterkunft beispielsweise für schwer erziehbare Jugendliche wünsche sich an diesem Standort keiner. Die Senioren in Nittenau seien außerdem mit Angeboten gut versorgt. „Das ist was für Auswärtige“, sagte Meierhofer – was Fechter verbal auf seine Weise konterte: Neubürger seien in Nittenau durchaus wünschenswert, um „die Betonköpfe etwas aufzulockern“.

Die Optik erinnert Tina Schmidt an eine Kaserne

Mit dieser Bemerkung dürfte sich Fechter im Gremium nicht gerade Freunde gemacht haben. Tina Schmidt (CSU) jedenfalls konnte mit Fechters Konzept ebenfalls nichts anfangen. „Die Best Ager wollen surfen, segeln oder Mountainbiken und nicht in so einem kleinen Appartement sitzen“, sagte sie. Was Fechter da plane, wirke optisch wie eine Kaserne. Einer solchen Ghettoisierung werde sie nicht zustimmen, betonte Schmidt.

„Wir wollen das Grundstück zu Klein-Florida erklären.“

Roland Fechter, Investor

Als „drei Hausnummern zu groß“ bezeichnete Otto Götzer (SPD) das Projekt. In Nittenau gebe es andere Investoren, die schöne, kleinere Anlagen gebaut hätten. Was Fechter da plane, wirke eher wie ein billiges Motel aus den USA. Thomas Hochmuth (CSU) begrüßte zwar grundsätzlich die Idee, Wohnraum zu schaffen – aber nicht in dieser extrem verdichteten Form. „104 neue Wohneinheiten – das ist zu viel für Nittenau“, sagte er. Auch FW-Rat Heinrich Hofstetter (FW) betonte, das gehe zu schnell mit der Veränderung.

Am Ende empfahl Bürgermeister Karl Bley (SPD) Fechter, detaillierte Pläne zu erstellen. Über die vorliegenden Skizzen könne der Stadtrat sowieso nicht entscheiden.

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