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Ermittlungen

Nittenauer Gastwirt schenkte Säure aus

In einem griechischen Restaurant ereignete sich ein bayernweit wohl einzigartiger Vorfall. Schwere Vorwürfe stehen im Raum.
Von Philipp Seitz

Im griechischen Restaurant El Greco, das seit Januar geschlossen ist, ereignete sich ein folgenschweres Missgeschick. Foto: Seitz
Im griechischen Restaurant El Greco, das seit Januar geschlossen ist, ereignete sich ein folgenschweres Missgeschick. Foto: Seitz

Nittenau.Von Außen sieht alles aus wie immer: Die Speisekarte des griechischen Restaurants El Greco lockt mit Salaten, Pizzen, Gyros und Pasta. An der Glastüre stehen die Öffnungszeiten des Restaurants. Doch ob der Nittenauer Grieche jemals wieder seine Türen öffnen wird, darf bezweifelt werden. Zu schwer wiegen die Vorwürfe, die von der Staatsanwaltschaft Amberg gegen den Betreiber des Restaurants erhoben werden.

Der 18. November vergangenen Jahres ist nicht nur ein schwarzer Tag für den Betreiber des El Greco, sondern seitdem leidet auch Maria S. (Name von der Redaktion geändert). Die in der Stadt bekannte und in der Kirche engagierte Nittenauerin will an diesem Tag vom griechischen Restaurant eigentlich nur schnell ein Mittagsgericht abholen. Weil es etwas länger dauert, holt der Wirt ein Schnapsglas und schenkt Maria S. aus einer Ouzoflasche großzügig eine klare Flüßigkeit ein. Die Nittenauerin bedankt sich herzlich für das Stamperl.

Das ehemalige Restaurant befindet sich in der Straße „Am Anger“ in Nittenau. Foto: Seitz
Das ehemalige Restaurant befindet sich in der Straße „Am Anger“ in Nittenau. Foto: Seitz

Kurz darauf liegt sie im Krankenwagen, der sie mit Blaulicht in die Klinik bringt. Ihr Mund-Rachenraum und die Speiseröhre sind komplett verätzt. Es stellt sich heraus: Maria S. bekam vom griechischen Restaurant keinen Ouzo ausgegeben, sondern ein hochkonzentriertes Reinigungsmittel. Drei Wochen lang lag die Nittenauerin im Krankenhaus, doch ob sie wieder vollständig gesund wird, ist fraglich.

Unverständnis über den Wirt

Noch heute leidet die Nittenauerin an den Folgen des Vorfalls, muss regelmäßig in Behandlung. „Ich kann endlich wieder essen“, sagt Maria S. unserem Medienhaus. Doch es sei immer noch schwierig. Sie rege sich aber nicht mehr auf, weil es ja doch nichts bringe. „Ich kann es aber nicht verstehen, wie so etwas passieren kann“, sagt die Nittenauerin. Der Wirt habe das hochkonzentrierte Reinigungsmittel schließlich in eine ganz reguläre Ouzo-Flasche abgefüllt.

„Gäste werden aktuell nirgendwo sicherer Schnäpse trinken können als in Nittenau.“

Frank-Ulrich John, Sprecher Gaststättenverband

Auch beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) ist die Verwunderung über den Nittenauer Fall groß. Frank-Ulrich John, der Pressesprecher des Verbandes, spricht von einem „bedauerlichen Einzelfall“, der unerklärlich sei. Dass sich der Missgriff auf die Gäste- und Umsatzzahlen anderer Restaurants in Nittenau auswirken wird, glaubt John nicht. „Die Gäste werden aktuell nirgendwo sicherer Schnäpse trinken können als in Nittenau, weil jetzt jeder genau hinsieht.“ Nittenaus Bürgermeister Karl Bley will den Vorfall nicht weiter kommentieren. Er spricht lediglich von einem „großen Missgeschick“ und einem „bedauerlichen Unglücksfall“. Das El Greco sei in Nittenau über Jahre hinweg eine beliebte Anlaufstelle gewesen. Derzeit gebe es nach seinem Wissen Interessenten, die in den Räumlichkeiten des ehemaligen griechischen Restaurants eine neue Gaststätte eröffnen wollen.

Einige Beanstandungen erhalten

Der Innenraum des El Greco ist inzwischen schon leergeräumt. Nichts erinnert dort mehr an das griechische Restaurant, das nach Informationen unseres Medienhauses in den vergangenen Jahren mehrfach bei Kontrollen des Schwandorfer Landratsamts Beanstandungen mit Buß- und Ordnungsgeld hatte. Nach Auskunft des Landratsamts war das Gewerbe auf die Lebensgefährtin des Betreibers angemeldet. Dem Wirt selbst war laut dem stellvertretenden Pressesprecher Franz Pfeffer bereits im Jahr 2010 die Erlaubnis entzogen worden, eine Gaststätte zu betreiben. Grund hierfür seien unter anderem Sozialversicherungsbetrug und kriminalpolizeiliche Ermittlungen gewesen.

Noch im vergangenen Jahr, kurz nach dem Vorfall, hatte das Landratsamt eine sogenannte Gewerbeuntersagung angekündigt. „Für uns ist nicht nachvollziehbar, wie diese Situation entstehen konnte. Dass versehentlich Reinigungsmittel ausgeschenkt wird, ist unvorstellbar“, sagt Pfeffer. Maria S. erzählt, der Wirt habe zu ihr gesagt, dass er das Reinigungsmittel schon immer in Flaschen gefüllt habe. Er könne sich die Verwechslung nicht erklären.

Frank-Ulrich John, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Bayern, stellte sich unseren Fragen zum Vorfall in Nittenau.

Herr John, in Nittenau servierte der Gastwirt statt Schnaps versehentlich Reinigungsmittel. Gibt es in Bayern ähnliche Fälle?

Nein. Ich habe noch von keinem nur im Ansatz vergleichbaren Fall gehört.

Viele Nittenauer fragen sich jetzt: Sind die Gaststättenkontrollen in Bayern zu lasch?

Wir haben in Bayern die wohl mit am besten durchgeführten Kontrollen weltweit. Ich kenne keinen Lebensmittelkontrolleur, der bei seinen Prüfungen nicht ganz genau hinschaut. Das liegt ja auch in der Natur der Sache: Wer so einen Beruf ergreift, dem liegt die Sicherheit der Gäste am Herzen. Ohne den Fall zu kennen, scheint es sich hier um ein Unglück zu handeln, das – egal in welchem Bereich – nie ganz verhindert werden kann, egal welche Kontrollen und Auflagen existieren.

„Weltweit“ ist eine sehr gewagte Formulierung.

Aber sie stimmt. Das bayerische Gastgewerbe ist mit Sicherheit auch eine der schönsten Branchen der Welt. Wenn man nach Amerika blickt, zeigt sich, dass viele deutsche und vor allem bayerische Klischees absolut positiv behaftet sind. Da ist das Hofbräuhaus, der Schweinsbraten, die Wiesn. Das bayerische Gastgewerbe steht für Gemütlichkeit und für erstklassigen Genuss. So ist es eine positive Visitenkarte für ganz Deutschland. Das zeigt sich an vielen Beispielen, etwa beim G7-Gipfel. Ein Foto ging dabei um die Welt: Obama sitzt mit einem Bierkrug am Biertisch.

Zurück nach Nittenau: Welche Kriterien würden Sie Gästen nennen, um eine qualitativ hochwertige Gastwirtschaft zu finden?

Zum einen habe ich Vertrauen darauf, dass Gäste ein Gespür dafür haben, wo es „passt“. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann aber auch gezielt zertifizierte Betriebe aufsuchen. Betriebe, die nach den Kriterien der „Ausgezeichneten Bayerischen Küche“ klassifiziert sind, sind allesamt getestet und ausgezeichnet.

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