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Kirche

Pfarrer Marek Baron setzt sich zur Wehr

Der Geistliche hat vor einem Jahr in Maxhütte ein heißes Pflaster betreten. Nun steht er in der Kritik, weiß aber zu kontern.
Von Norbert Wanner

Pfarrer Baron (Zweiter von links) im September 2017, am Tag seiner Amtseinführung Foto: Wanner
Pfarrer Baron (Zweiter von links) im September 2017, am Tag seiner Amtseinführung Foto: Wanner

Maxhütte-Haidhof.Ein Jahr ist es jetzt her, dass Pfarrer Marek Baron ins Pfarrhaus neben der St.-Barbara-Kirche einzog, Stadtpfarrer wurde, Priester der Pfarreiengemeinschaft St. Barbara und St. Josef/Rappenbügl. Ziemlich genau zwölf Monate liegt das erste Gespräch der Mittelbayerischen Zeitung mit ihm zurück, ein Gespräch frei nach Hesse, in dem der Zauber des Anfangs greifbar war. Voller Energie und Tatendrang blickte Pfarrer Baron damals auf seine Pfarrei.

Ein Jahr in der Stadt, das war für MZ-Redakteur Thomas Rieke und Mitarbeiter Norbert Wanner Anlass, eine erste Bilanz zu ziehen. Dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt bei der Redaktion ein Brief, den man trotz Unterschriften als anonym bezeichnen muss, mit Vorwürfen gegen den Stadtpfarrer einging, hat den Geistlichen erkennbar betroffen gemacht. Was verständlich ist, denn neben dem Inhalt löst der Brief, den der Priester als „Pamphlet mit nichtigem Inhalt“ wertet, grundsätzliche Fragen auf.

„Hintenrum“ schlecht gemacht

Drei Namen stehen auf dem Papier, aber trotz intensiver Bemühungen der MZ konnte sie niemand in der Pfarrei zuordnen. Obwohl unter dem Brief steht, dass die Unterzeichnenden „zu denen gehören, die etwas unternehmen, statt nur zu schimpfen“. Adressiert wiederum war der Brief nicht an den Pfarrer persönlich, sondern die Kirchenverwaltung, die die Beschwerden an „Regensburg“, gemeint ist hier wohl das Bischöfliche Ordinariat, weiterleiten soll.

Selbstverständlich hat die MZ bei der Kirchenverwaltung in Person von Kirchenpfleger Karl-Heinz Reichel nachgefragt, was es mit dem Brief auf sich hat. Dieser wollte keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die Pressestelle der Diözese. Den Brief selbst kann man, unabhängig vom Inhalt, auch unter der Frage grundsätzlicher, christlicher Werte sehen: Wie ist es in der Pfarrei um Nächstenliebe bestellt? Warum haben sich die Verfasser gegenüber der MZ nicht zu erkennen gegeben – und sich nicht direkt an den Pfarrer gewandt?

Die Vorwürfe gehen ihm nahe

Eines wird beim Gespräch, zu dem der Pfarrer den Sprecher des Pfarrgemeinderats (PGR) von St. Josef, Prof. Dr. Dr. Heribert Popp, die ehemalige PGR-Sprecherin von St. Barbara, Christa Rinner, und Franziska Schlensog als aktuelles PGR-Mitglied von St. Barbara hinzugebeten hat, schnell klar: Die Vorwürfe wecken große Emotionen.

Ein Jahr ist es jetzt her, dass Pfarrer Marek Baron ins Pfarrhaus neben der St.-Barbara-Kirche einzog. Foto: Archiv/Baron
Ein Jahr ist es jetzt her, dass Pfarrer Marek Baron ins Pfarrhaus neben der St.-Barbara-Kirche einzog. Foto: Archiv/Baron

Konkret geht es in dem Papier darum, dass die Außenanlagen um Kirche und Pfarrgarten, einschließlich Weiher und Wasserlauf, verkommen würden. Außerdem gebe es keinen Sonntagskaffee oder pfarrliche Aktivitäten mehr, konkret Modenschau, Pfarrheimserenade und andere Musikveranstaltungen. Zudem wird Pfarrer Baron pauschal vorgeworfen, er würde sich „um nichts kümmern“. In der ganzen Pfarrei werde deshalb geschimpft, und die Zahl der Gottesdienstbesucher gehe zurück.

Die Probleme mit der Pflege der Grünanlagen, übrigens auch beim Kindergarten St. Barbara, räumt der Stadtpfarrer sofort ein. Hier habe man den Vertrag mit dem Hausmeister nicht verlängert, nachdem dieser ausgelaufen sei. Allerdings werde derzeit intensiv nach einem neuen Hausmeisterbetrieb gesucht, was jedoch mit Blick auf die Kosten nicht einfach sei.

„Ich will es jedem Recht machen, das ist vielleicht mein größter Fehler.“

Marek Baron, Stadtpfarrer

Der Geistliche weiß auch auf viele andere Dinge eine plausible Antwort, zeigt sich allerdings auch durchaus selbstkritisch und räumt einen holprigen Start ein. Beim Wechsel von einer „sehr ländlichen“ in eine „schwierige Stadtpfarrei“ habe es (auf beiden Seiten) Anpassungsprobleme gegeben. Blickt man nicht ein, sondern zehn Jahre zurück, so erkennt man gewisse Parallelen zu Barons Vorgänger, Pfarrer Peter Häusler. Der sah sich im Januar 2008 gezwungen, die „Gerüchteküche“ durchzulüften und gegen „Lügen und Verleumdungen“ zur Wehr zu setzen.

•Mit einem Kirchzug wurde Dr. Sebastian Palamoottil (rechts) verabschiedet. Foto: bxh
•Mit einem Kirchzug wurde Dr. Sebastian Palamoottil (rechts) verabschiedet. Foto: bxh

Zu den Anpassungsproblemen kam für Baron das zusätzliche Handicap, dass er anfangs mehrere Monaten als Seelsorger auf sich alleine gestellt war. Vikar Dr. Sebastian Palamoottil hatte zeitgleich mit Pfarrer Häusler in der Pfarrei seine Tätigkeit beendet. Und im Bereich der Verwaltung entstand alsbald durch die Kündigung der Sekretärin eine Lücke. Auch wenn administrative Arbeiten ebenfalls zu den Aufgaben eines Pfarrers gehörten, so gelte das nur bis zu einem gewissen Umfang, sagt Baron. Für das große Ganze sei entsprechendes Personal vonnöten. Auch hier ist Baron um eine Lösung bemüht.

Ex-PGR-Sprecherin ergreift Partei

  • Falscher Adressat:

    Die langjährige ehemalige Sprecherin des Pfarrgemeinderats von St. Barbara, Christa Rinner, sieht beim Vorwurf in Sachen Grünanlagen die Kirchenverwaltung in der Pflicht. Pfarrer Baron könne schon deshalb kein Vorwurf gemacht werden, weil es nicht seine Aufgabe sei, sich darum zu kümmern. Dies sei Aufgabe der Kirchenverwaltung.

  • Fehlende pfarrliche Aktivitäten:

    Auch hier verteidigt Rinner den Pfarrer. Veranstaltungen zu organisieren, das Leben in der Pfarrei zu stärken, gehöre zu den Aufgaben des Pfarrgemeinderats. Seit der Neuwahl in diesem Jahr säßen darin sehr viel jüngere und unerfahrene Mitglieder. Noch engagierten sie sich nicht im gleichen Umfang wie ihre Vorgänger. (bxh)

Prof. Dr. Dr. Popp pflichtet Baron bei. In einer Pressemitteilung spricht er davon, dass der Geistliche in der „ersten Zeit nicht immer erfolgreich wirken konnte“. Ursachen seien fehlende(r) Einarbeitungsmöglichkeiten und Wissenstransfer gewesen. Rinner weist darauf hin, dass die Vorwürfe im Brief ohnehin nicht im Aufgabenbereich des Pfarrers liegen würden.

Nun aber sieht sich der Stadtpfarrer auf einem guten Weg. Vieles spiele sich ein, das sei deutlich spürbar. Umso unglücklicher sei der Zeitpunkt der Pamphlet-Verbreitung. Baron versichert, er habe im Prinzip den Vorsatz, es allen recht zu machen. „Vielleicht sei das sein größter Fehler.“ Mit Hinblick auf die umstrittenen Gottesdienstzeiten am Sonntag deutet er Kompromissbereitschaft an.

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